Harburg
Tennis

Der Nachwuchs übernimmt das Kommando

Erstmals seit 38 Jahren kommt ein Hamburger Jugendmeister wieder aus Harburg. Wenige Stunden nach diesem Triumph gewann Joshua Knuth (16) auch das Herrenfinale der Harburger Meisterschaften

Erstmals seit 38 Jahren kommt ein Hamburger Jugendmeister wieder aus Harburg. Wenige Stunden nach diesem Triumph gewann Joshua Knuth (16) auch das Herrenfinale der Harburger Meisterschaften

Foto: Volker Koch

Bei den Harburger Tennis-Meisterschaften steht die Jugend im Fokus. Sieger im Herreneinzel wird der 16 Jahre alte Joshua Knuth.

Harburg.  Den ersten Applaus gab es lange vor dem ersten Aufschlag beim Herrenfinale der Harburger Tennismeisterschaften 2017. Als Joshua Knuth mit seinem Vater auf der Tennisanlage des Harburger TB erschien, hatte sich die kleine Sensation längst herumgesprochen. Der 16-Jährige hielt als neuer Hamburger Jugendmeister Einzug auf der Jahnhöhe.

Stunden vorher hatte Joshua Knuth bei Klipper Hamburg seinen ersten Titel an diesem Tag mit 6:2 und 7:6 gegen David Kilian (THK Rissen) gewonnen. Es waren 38 Jahre vergangen, seidem das letzte Harburger Tennistalent Hamburger Jugendmeister werden konnte. Und der letzte Sieger aus dem Jahre 1979 nahm lachend und voller Stolz Joshua Knuth in die Arme. Christian Dammann, der 52-Jährige mit dem jungenhaften Lachen, hat als Cheftrainer des HTB entscheidenden Anteil an der Auferstehung des Harburger Tennissports. Die nachrückende Generation prägte auch das elftägige Meisterschaftsturnier, an dem 200 Teilnehmer aus Harburg und dem Landkreis ihre Freude hatten.

Dazu gehörte auch, dass der talentierte und zielstrebige 16-Jährige aus Buchholz ein paar Stunden nach seinem Triumph in Hamburg auch bei den Harburger Meisterschaften im Finale aufschlug, diesmal bei den Herren. Erst im Winter war Joshua Knuth vom TC Seppensen zum Harburger TB gewechselt. Fynn Thilker, sein Finalgegner, ist ebenfalls erst 19 Jahre alt, begann beim TC Langenbektal und wurde für den TC Stelle im Alter von 14 Jahren Kreismeister. Mit 15 gab er auf einer Highschool in Colorado selbst den Tennistrainer und wechselte nach seiner Rückkehr zum HTB. „Vor allem als Fußballer in die Leistungsmannschaft“, erzählt er und blinzelt in die Sonne. „Seitdem spiele ich hier auch Tennis.“ Fynn Thilker verstärkt das junge Herrenteam in der Verbandsliga, mit dem Cheftrainer Dammann wieder Anschluss an die Spitzenklubs nördlich der Elbe finden will.

Fynn Thilker, der seinen Masters in Flugzeugbau macht, bezwang im Halbfinale Teamkollege Victor Richter mit 6:4 und 6:3. Richter war Titelverteidiger. Auch das zeigt, wie stark der Nachwuchs auch bei den Herren nach vorn drängt.

Die ebenfalls meist noch jugendlichen HTB-Damen in der Oberliga, der höchsten Spielklasse in Hamburg, sind den Jungen schon einige Erfolge voraus. Das zeigte sich im Finale der Damen. Auf der einen Seite des Netzes Ann Sophie Stuhlmann, die zur Zeit in Erziehungswissenschaften promoviert, sie ist vor zehn Jahren aus Wilhelmsburg auf die Jahnhöhe gewechselt. Auf der anderen Seite Aline Buhr, mit 16 Jahren die Jüngste aus der Tennisgroßmacht der Familie Buhr. Celina, ihre 20 Jahre alte Schwester, spielt für ein Collegeteam in Phoenix in Arizona.

Aline gegen Ann Sophie, so hieß bereits vor zwei Jahren das Harburger Damen-Finale. Das hatte Aline gewonnen. Wenn man der zurückhaltenden Einschätzung der angehenden Erziehungswissenschaftlerin Ann Sophie Stuhlmann Glauben schenkt, ist die zwölf Jahre Jüngere auch diesmal klare Favoritin. „Wir Älteren können da nicht mehr mithalten“, erzählt Stuhlmann lächelnd. „Ich spiele meistens nur zweimal in der Woche.“ Aline Buhr hingegen fast täglich, zweimal auch im Hamburger Verbandskader, als einziges Talent aus der Süderelbe-Region. Christian Dammann muss über die rücksichtsvolle Einschätzung der Älteren schmunzeln. „Ann Sophie spielt ein so konstantes, so präzises Tennis – das wird ganz schwer für Alina.“

Der erfahrene Trainer sollte Recht behalten. Aber es gab einen anderen bemerkenswerten Einblick. Auch weil die Zuschauer auf der Terrasse des HTB-Clubheims einen guten Überblick über die beiden wichtigsten Finalspiele hatten. Vorn die energisch angreifende, oft auch überhastet kämpfende Aline Buhr gegen die sachlich konternde Ann Sophie Stuhlmann. Auf dem Platz dahinter die Herren Fynn Thilker und Joshua Knuth, die beide selbstbewusst drauflos schlagen. „Bei den Mädchen ist das anders“, flüsterte Frau Buhr Trainer Dammann zu. „Man spürt, dass sie Freundinnen sind. Sie spielen gehemmter als sonst. Die Jungen kennen das nicht. Die ziehen ihr Spiel durch.“

Freundinnen agieren im Duell gehemmter als gewöhnlich

Ann Sophie Stuhlmann gewann den ersten Satz mit 6:3 und verlor den zweiten mit 3:6. Der Match-Tiebreak mit tollen Ballwechseln und ärgerlichen Fehlern entschied die Erfahrene schließlich mit 10:7 für sich. Bei den jungen Männern setzte sich Joshua Knuth, der neue Hamburger U-16-Meister auch im Harburger Herren-Finale mit 7:5 und 6:3 gegen Fynn Thilker durch.

„Diese Meisterschaft war wie eine Wachablösung im Harburger Tennis“, zog Frank Michaelis, der Chef der 450 Mitglieder, darunter 140 Kinder und Jugendliche, starken Tennisabteilung des Harburger TB Bilanz. „Das war selbst bei unserer Players Night zu sehen und vor allem zu hören.“ Sie begann eher müde, bis die Jugend auftauchte und die Jahnhöhe zum Rocken brachte.

Abteilungsleiter Michaelis besaß im Finale der Herren 50 die „Frechheit“, seinen Präsidenten Michael Armbrecht mit 2:6, 6:3 und 10:5 zu besiegen. „Als Jugendliche – auch im Finale einer Harburger Meisterschaft – hatten wir uns zuletzt gegenüber gestanden“, erzählt der HTB-Präsident. Wer gewonnen hat? Daran wollen sich beide partout nicht erinnern.

Von diesem Freitag bis Sonntag, 15. bis 17. September, werden auf der Tennisanlage auf der Jahnhöhe die Hamburger Mannschafts-Meisterschaften der Altersklassen U12, U14 und U16/U18 ausgetragen. Dafür hat sich kein Team aus dem Süden qualifizieren können. „Aber das wird sich ändern“, verspricht Christian Dammann, der Hamburger Jugendmeister von 1979.

Die Harburger Einzelmeister 2017: Herren: Joshua Knuth (HTB), Herren 30: Martin Döhrer (SV Wilhelmsburg), Herren 40: Marco Seldis, Herren 50: Frank Michaelis, Herren 55: Martin Ilker, Herren 60: Wolfgang Burmester (alle HTB), Herren 65: Burkhard Wiesener (TC Stelle), Herren 70: Rolf Pauseback, Herren 75: Peter Pastors (beide HTuHC)
Damen: Ann Sophie Stuhlmann (HTB); Damen 40: Kathrin Borregaard (TG Heimfeld), Damen 50: Catrin Köhnken (TC Langenbektal)