Harburg
Fussball

FC Türkiye dominiert den Harburg-Pokal 2017

Der Jubel fällt etwas verhalten aus. Zu groß war am Ende die Überlegenheit des FC Türkiye beim Gewinn des Harburg-Pokals

Der Jubel fällt etwas verhalten aus. Zu groß war am Ende die Überlegenheit des FC Türkiye beim Gewinn des Harburg-Pokals

Foto: Volker Koch / HA

Fußball-Oberligist aus Wilhelmsburg gewinnt Endspiel des Vorbereitungsturniers mit 6:1 gegen Landesligist Dersimspor aus Harburg.

Neugraben.  „Herzlichen Glückwunsch, FC Süderelbe!“ rief Andreas Meyer ins Mikrofon und bemerkte und korrigierte sofort den Fauxpas. Denn nicht die Hausherren vom Kiesbarg hatten gerade das Endspiel um den 53. Harburg-Pokal gewonnen, sondern der FC Türkiye – und zwar ganz deutlich mit 6:1 (1:1) gegen Dersimspor. Der FC Süderelbe war im Halbfinale am späteren Turniersieger gescheitert, fast genau so klar mit 1:5 und spielte sportlich am Finaltag vor knapp 300 Zuschauern sportlich keine Rolle mehr.

Nur in den Gesprächen am Rande des Endspiels ging es ein ums andere Mal um den gescheiterten Halbfinalisten, der sich offensichtlich schwer tat, das Aus in der Vorschlussrunde zu akzeptieren und die Spielberechtigung seines früheren Torjägers Tolga Tüter für den FC Türkiye in Frage stellte. Tüter hatte Süderelbe zwei Gegentreffer verpasst. Von einem Protest hat der FC Süderelbe letztlich aber doch Abstand genommen. Zu deutlich war die Halbfinalniederlage ausgefallen und die Gefahr, als „schlechter Verlierer“ dazustehen, wäre für den Verein wohl auch zu groß gewesen.

Im Vorfeld des diesjährigen Endspiels um den Harburg-Pokal zwischen den beiden Vereinen, die sich in ihren Namen auf ihre Verbundenheit zur Türkei (Dersim hieß früher die Provinz Tunceli) bekennen, war auch die Sicherheit eine Thema gewesen. Aber eben nur im Vorfeld der Partie, auf der Sportanlage am Kiesbarg war während des Endspiels von einer besonderen Brisanz wenig zu spüren. Außer, dass es auf dem Kunstrastenplatz streckenweise hart zuging. Da wurde gleich bei einem Freistoß um den Ball gerangelt, einige Male hart eingestiegen und auch verbal gab es die eine oder andere Entgleisung. Schiedsrichter Alf Bas hatte alle Hände voll zu tun. Unter den Zuschauern aber herrschte eine fröhliche Stimmung.

Wie aus heiterem Himmel ging Landesligist Dersimspor durch Edison Sa Borges Dju in Führung, der eine Flanke von Christopher Mahrt mühelos einnicken konnte. Die allgemeine Überraschung und speziell die Freude beim Dersim-Anhang währte aber nur kurz – bis zum Ausgleich nur vier Minuten später durch Abdullah Beckmann, einer von mehreren Neuzugängen beim FC Türkiye. Sascha de la Cuesta hatte den Torschützen brillant in Szene gesetzt. Bis zur Pause prallte der Ball noch einmal auf jeder Seite ans Torgehäuse. Über das 1:1 zur Halbzeit durfte sich vor allem Dersimspor freuen.

Der zweite Durchgang begann mit einem Knockout des Unparteiischen, dem Dersimspors Samed Topuzovic den Ball aus nächster Nähe ohne jede Absicht an den Kopf hämmerte. Der „Sünder“ höchstpersönlich bemühte sich fürsorglich und schließlich mit Erfolg darum, dass der Unparteiische bald wieder auf den Beinen stand. Dann folgte die Szene, die für Dersimspors Trainer Sven Siebert entscheidend war. Topuzovic foulte Ozan Gencel im Strafraum und Sascha de la Cuesta verwandelte den Strafstoß mit seiner geballten Fußball-Routine zur 2:1-Führung für den FC Türkiye.

„Bis zu diesem Elfer haben wir uns gut verkauft. Ich habe gute Ansätze bei meiner Mannschaft gesehen und wir haben gezeigt, dass wir Fußballer im Hamburger Süden uns nicht verstecken müssen,“ sagte Dersimspor-Trainer Sven Siebert später. Nach einer Rudelbildung vor dem Strafraum von Dersimspor redete Schiedsrichter Bas den Kapitänen beider Vereine ins Gewissen. Prompt folgte die fußballerisch beste Phase des Spiels mit dem sehenswerten 3:1 durch Ozan Gencel, der von de la Cuesta mit einem langen Ball bedient wurde noch vor der Strafraumgrenze mit einem Heber über Dersimspors Keeper Fitra Rijono hinweg für die Vorentscheidung sorgte.

Dersimspor war geschockt, auch weil noch vor dem Wiederanpfiff Edison Sa Borges Dju urplötzlich vor der eigenen Bank zusammenbrach und ohne Bewusstsein auf dem Boden liegen blieb. Auch er wurde mit viel Wasser und noch mehr Fürsorge wieder aufgepäppelt, sicherheitshalber aber dennoch ins Krankenhaus gefahren. „Wohl ein Schwächeanfall“, mutmaßte Sven Siebert später. „Wir wollten auf Nummer sicher gehen und die Ursache unbedingt abklären lassen“, begründete der Trainer den Abtransport seines Spielers mit dem Rettungswagen.

Danach war das Spiel ein offener Schlagabtausch und den beherrschte der FC Türkiye besser, der durch ein Supersolo von Serhat Yapici, einem gefühlvollen Schlenzer von de la Cuesta und zum guten Abschluss einem Abstauber von Tüter zu weiteren Treffern kam.

„Deutlich zu hoch“, fand Sven Siebert die Niederlage, dessen Mannschaft beim Harburg-Pokal überzeugen konnte und sich berechtigte Hoffnungen machen darf, am Ende in der Landesliga einen Spitzenplatz zu belegen und vielleicht sogar in die Oberliga aufzusteigen. Dort will der FC Türkiye in der kommenden Saison eine gute Rolle spielen. „Ich glaube, wir haben das hier ganz ordentlich gemacht“, beurteilt dessen neuer Trainer Dennis Kreutzer den Auftritt seines Teams beim dritten Gewinn des Harburg-Pokals durchweg positiv. Nach zwei Wochen Vorbereitung müsse die Mannschaft natürlich noch als Team zusammenfinden, aber alle Spieler seien heiß auf die neue Saison. Kreutzer: „Wir haben einen guten Mix aus bisherigen Spielern und Neuzugängen, wollen im oberen Drittel dabei sein. Es wird für jeden Gegner schwer, uns zu schlagen.“

140 Tore haben mehr als 1300 Fußballfans beim diesjährigen Harburg-Pokal gesehen. „Das geht in die Geschichte unseres Turniers ein“, sagte dazu Ingo Brussolo vom Spielausschuss. Allein 34 Treffer gingen auf das Konto des Siegers FC Türkiye, der sämtliche sechs Spiele gewinnen konnte und dabei nur vier Gegentreffer zuließ.