Harburg
Motorsport

Ein Dauerduell elektrisiert 2500 Fans

Im Halbfinale und im Finale kam Lokalmatador Andreas Steffen (l.) jeweils noch am zu Beginn führenden Belgier Jos Jansen (r.) vorbei

Im Halbfinale und im Finale kam Lokalmatador Andreas Steffen (l.) jeweils noch am zu Beginn führenden Belgier Jos Jansen (r.) vorbei

Foto: Volker Koch / HA

Andreas Steffen und Jos Jansen bieten mit ihren Super Cars spektakuläre Rallycross-Action auf dem Estering in Buxtehude.

Buxtehude.  Andreas Steffen genoss die Siegerehrung, lauschte mit Andacht der deutschen Nationalhymne und stemmte den Silberpokal unter viel Beifall in die Höhe. Der Vorsitzende des Automobilclubs Niederelbe sicherte sich nach einem spannenden Duell mit dem Belgier Jos Jansen (Ford Focus) mit knappem Vorsprung den Sieg bei den Super Cars. Auf die obligatorische Sektdusche verzichtete der Lokalmatador beim dritten Lauf zur Deutschen Rallycross-Meisterschaft (DRX), weil er zum einen nur außer Konkurrenz am Start war und zum anderen nur noch der drittplatzierte Will Teulings aus den Niederlanden (Volvo S40) mit auf dem Podest stand. Jos Jansen hatte genau wie einige andere Fahrer und die insgesamt 2500 Zuschauer schon den Heimweg angetreten. Fahrer, Funktionäre, Freunde und die vielen Helfer blieben unter sich.

Wichtig für Andreas Steffen war vor allem, dass er Erfahrungen sammeln konnte. Der nächste Lauf zur Rallycross-Europameisterschaft ist schon in 14 Tagen. Dann möchte der Buxtehuder im schwedischen Holjes beweisen, dass der Sieg auf dem Estering keine Eintagsfliege war. Die Pannensaison 2016 und die beiden ersten EM-Rennen 2017 in Spanien und Norwegen sind abgehakt. Das Heimrennen in Buxtehuder hat dem 48-jährigen ACN-Vorsitzenden viel Selbstvertrauen gegeben. Besonders im dritten und letzten Vorlauf deutete Steffen sein Potenzial an.

Swen Grupe aus Beckdorf kommt mit Schrecken davon

Wieder spielte der Belgier Jos Jansen eine entscheidende Rolle. Gleich nach dem Start drückte Jansen den Ford Fiesta von Andreas Steffen in die neu errichtete Mauer und übernahm die Führung. Auf den Zuschauerrängen war zu spüren, wie wütend der Angriff den Buxtehuder machte, der dann richtig aggressiv fuhr und Jansen von der Spitze verdrängte, als dieser in der letzten Runde durch die Jokerlap musste.

Und auch im Finale der Super Cars war das Duell „Steffen gegen Jansen“ das Salz in der Suppe für jeden Motorsportfan. Der Belgier übernahm in der ersten Runde die Führung. Andreas Steffen blieb gnadenlos dran, übernahm seinerseits die Führung und ließ Jos Jansen keine Chance zum Sieg. Die Taktik des Buxtehuders war aufgegangen, er hatte erst in der letzten Runde den Weg durch die Jokerlap gesucht. Dabei war der Funkkontakt zwischen Fahrer und Team abgebrochen, von außen gab es keinerlei Anweisungen.

Nicht nur die PS-starken Super Cars sorgten für spektakuläre Aktionen auf dem Estering. Der Beckdorfer Swen Grupe war im Semifinale der Super Nationals mit dem Stader Andreas Huschenbett (Opel Corsa) aneinandergeraten und überschlug sich auf der Höhengeraden. „So etwas habe ich auf dem Estering noch nicht erlebt“, kommentierte Ringsprecher Martin Kummerow. Für Swen Grupe ist die Saison 2017 gelaufen, der gerade erst neu aufgebaute VW Golf II 16 V ist nur noch Schrott. Dennoch kündigte er einen Neuaufbau an, um im kommenden Jahr wieder mitzumischen. Das Wichtigste: Gesundheitlich ist Grupe bis auf einen gehörigen Schrecken und Rückenprobleme nichts passiert. Andreas Huschenbett verteidigt mit Platz drei seine Führung in der Gesamtwertung. Der Stader Fred Czaja im Golf I GTI belegte auf dem Estering Rang vier, Ralph Wilhelm aus Buxtehude wurde im Renault Clio Sechster.

Für Aufsehen sorgte bei den DRX Rallycars der hessische Fahrer Dietmar Brandt. Direkt nach dem Start des Halbfinales öffnete sich die Motorhaube an seinem Audi A4. Kein Grund, um anzuhalten. Trotz eingeschränkter Sicht fuhr der Lohfelder weiter und kam als Zweiter ins Ziel. Brandt hatte vergessen, die Haube zu verriegeln.

Die Läufe zur internationalen deutschen und belgischen Rallycross-Meisterschaft waren mit 136 Fahrern aus acht Nationen ein echter Vorgeschmack auf die Weltmeisterschaft im Oktober auf dem Estering.