Harburg
Pferdesport

Doppelsieg für deutsche Amazonen

Mit dem grandiosen Ergebnis von 27,30 Minuspunkten gewinnen Bettina Hoy und Seigneur Medicott, hier unterwegs im Meßmer-Teich, die deutsche Meisterschaft

Mit dem grandiosen Ergebnis von 27,30 Minuspunkten gewinnen Bettina Hoy und Seigneur Medicott, hier unterwegs im Meßmer-Teich, die deutsche Meisterschaft

Foto: Volker Koch / HA

Bettina Hoy und Julia Krajewski gewinnen bei der internationalen Vielseitigkeit in Luhmühlen die Drei- und Vier-Sterne-Prüfung.

Luhmühlen.  Das Jubiläumsturnier „60 Jahre große Vielseitigkeit in Luhmühlen“ war eine Krönung für die Gastgeber. Und für diesen Sport, der als „Krone der Reiterei“ propagiert wird, ohnehin. „Wann hat man schonmal so viele tolle Ritte, so schöne Bilder und so viel Freude bei den Reitern und ihren Pferden gesehen“, schwärmte Bundestrainer Hans Melzer nach dem Geländeritt auf der Westergellerser Heide.

Wie dramatisch und spannend die Vielseitigkeit im Springparcours entschieden wird, erlebten gestern nicht nur tausende Besucher, die sich um den Turnierplatz drängten, sondern auch die Fernsehzuschauer des NDR, der das aufregende Finale der CCI-Vier-Sterne-Prüfung live übertrug.

Auch wenn wieder die Weltelite des Vielseitigkeitsports zu Gast war, und auch wenn es der schönste Tag in der langen Reiterkarriere der Bettina Hoy hätte werden können, wollen wir zuerst von Andreas Dibowski und seinem bitteren Ausscheiden berichten. Im vergangenen Jahr hatte der Mann aus Döhle, freundschaftlich Dibo gerufen, hier für die große Überraschung gesorgt. Mit It’s Me triumphierte er in der Vier-Sterne-Prüfung. Da er diesmal nach Dressur- und Geländeprüfung auf dem sechsten Platz lag, ritt Dibo als Sechstletzter in den Springparcours.

Es wurde still. Das Schnauben von Butts Avedon war zu hören. Dann ein Aufschrei. Nach einem Sprung und der Landung war das Pferd mit den Vorderläufen eingeknickt, hatte sich hochgerappelt, war aber schon mit dem Kopf im nächsten Hindernis. Dibowski straffte die Zügel, klopfte seinem Pferd beruhigend den Hals und ritt am Hindernis vorbei und aus dem Parcours. „Das ist das, was ich unter Horsemanship verstehe“, sagte Bundestrainer Hans Melzer. „Vorbildlich, dass Dibo sein Pferd so schützte.“ Es hatte sich übrigens mit dem Hinterlauf auf den Vorderlauf getreten. Andreas Dibowski war draußen, der Finalkampf der führenden Damen ließ fast jedes Gespräch verstummen.

Am Abend zuvor, nach der Geländeprüfung, hatten sie bei der Pressekonferenz lachend nebeneinander gesessen. In der Mitte, klein und temperamentvoll und bester Laune, Bettina Hoy. Sie führte sowohl in der Drei- als auch in der Vier-Sterne-Prüfung. Hoy erinnerte daran, dass sie 1978 das erste Mal in Luhmühlen dabei war. Julia Krajewski, bis dahin Zweite in der Vier-Sterne-Prüfung, sollte erst zehn Jahre später auf die Welt kommen. Dritte war Nicola Wilson, die Engländerin. Eine dieser drei Damen würde nach dem Finale vor Glück weinen.

Nicola Wilson meisterte beim Springen mit Bulana alle Hindernisse, heimste aber drei Fehlerpunkt für Zeitüberschreitung ein. Julia Krajewski und ihr Samourai du Thot, den sie kurz Sam ruft, leisteten sich einen Abwurf. Im Grunde also alles bereit für den großen Triumph von Bettina Hoy.

Die 54-Jährige hatte am Vormittag mit einem Nullfehler-Ritt mit Seigneur Medicott bereits die Meßmer-Trophy und damit die deutsche Meisterschaft gewonnen. Der DM-Titel war diesmal umkämpft wie lange nicht mehr. „Alle unsere Kaderreiter sind dabei“, betonte Hans Melzer. Und so gewann Michael Jung, der Jahrhundertsportler der Vielseitigkeit, mit seinem Nachwuchspferd Star Connection Silber, Sandra Auffarth mit Opgun Louvo Bronze und Ingrid Klimke wurde mit Horseware Hale Bob Vierte. „Diese Reiter führen auch unsere Longliste für die Europameisterschaft an“, verkündete der Bundestrainer später. „Andreas Dibowski gehört als Fünfter dazu.“ Er landete mit It’s Me, dem Überraschungssieger 2016 in der Vier-Sterne-Prüfung, auf dem zehnten Platz der DM-Wertung.

Zurück zur Entscheidung in der Champions League der Vielseitigkeit, der Vier-Sterne-Prüfung. Julia Krajewski, die in diesem Jahr vier Mal gestartet und vier Mal Zweite geworden war, leistete sich als Vorletzte einen Abwurf. War damit der Weg frei für den Doppelsieg von Bettina Hoy? Sie wirkte mit ihrem Designer, der nur auf den Namen Hasi hört, von Beginn an nervös. Stangen polterten, eine fiel. Das würde trotzdem reichen. Unerbittlich aber die Uhr. Für den ganz großen Triumph war sie zu langsam. Und am Rande stand die Siegerin Julia Krajewski und wichte sich die Tränen von der Wange. Mit vier Spring- und drei Zeitfehlern fiel Bettina Hoy in der Vier-Sterne-Prüfung noch auf Rang drei zurück. Die Britin Nicola Wilson wurde Zweite. Als Trost blieb Bettina Hoy der deutsche Meistertitel, den sie das letzte Mal vor elf Jahren gewonnen hatte.

Und Julia Otto, der Geschäftsführerin der Turniergesellschaft Luhmühlen, blieb als glückliches Fazit für „60 Jahre Luhmühlen“ noch eine Zahl. „Wir hatten mehr als 30.000 Zuschauer. Ein neuer Rekord. Aber der wird nicht lange bestehen. Wir wollen weiter wachsen. Das ist unser Ziel für die Zukunft.“