Harburg
Leichtathletik

Jetzt geht’s auf zum Ironman!

Straßenlaufcup der HNT in Langenrehm über 15 Kilometer Die drei Erstplatzierten über 15 Kilometer: Florian Wahlmann vom VfL Oldenburg (2.), Mathias Thiessen (3.) und Sieger Thorsten Schlag von der HNT (von links)

Straßenlaufcup der HNT in Langenrehm über 15 Kilometer Die drei Erstplatzierten über 15 Kilometer: Florian Wahlmann vom VfL Oldenburg (2.), Mathias Thiessen (3.) und Sieger Thorsten Schlag von der HNT (von links)

Foto: Hans Kall

Straßenlauf-Cup rückt immer mehr in den Fokus der Triathleten. Mathias Thiessen hat für den ersten Ironman in Hamburg gemeldet

Langenrehm.  „Guten Abend Hamburg!“ Drei Worte nur. Aber wenn der Ruf gleichzeitig aus 100 Kehlen kommen muss, ist es gar nicht so einfach, Bild und Ton aufzunehmen. Und schon gar nicht an einem nassen, kalten Sonntagmorgen, kurz vor zehn Uhr in der Frühe. „Geht das auch etwas munterer und freundlicher?“, fragt Martina Rampus, die Autorin vom Hamburg Journal des Norddeutschen Fernsehens.

Sie hat zusammen mit Kameramann und Tontechniker den Weg in den Wald von Langenrehm gefunden. Dort soll in einer Minute beim Straßenlauf-Cup der HNT der 15-Kilometer-Lauf gestartet werden. „Bitte noch einmal!“ ruft die junge Frau vom Fernsehen und die Kinde rufen ein zweites Mal: „Guten Abend Hamburg!“

Aber erst nach dem dritten Versuch sind die Fernsehleute zufrieden. Sekunden später knallt der Startschuss durch den winterlichen Wald. Daniel Neidhold vom Organisationsteam hat den zweiten von insgesamt drei Läufen gestartet, der zu den HNT-Dauerbrennern der Norddeutschen Laufszene gehört.

Die eine Fernsehminute, mit der am Sonntagabend beim Hamburg Journal das Wetter vom Montag angesagt werden soll, ist damit aber noch längst nicht im Kasten. Während die Frauen und Männer – viele in kurzen Hosen – auf der Laufstrecke im Wald verschwunden sind, darf der kleine Vincent im großen Teepott rühren. Dann schaut er Neunjährige in die Kamera und macht den ersten Teil von drei Wetteransagen: „Morgens bedeckt – neun Grad.“ Perfekt!

Wie viele Freunde Vincent angerufen hat, damit die ihn abends im Dritten Programm des Norddeutschen Rundfunks im „Hamburg Journal“ auch ja nicht verpassten, wissen wir nicht. Dass er seine Aufgabe cool und ohne jede Aufregung erfüllte, überraschte selbst den Kameramann.

Aber der Straßenlauf-Cup und der Wald in Langenrehm sind dem Jungen vertraut wie das eigene Zuhause. „Er war ein halbes Jahr alt, da haben wir ihn das erste Mal mitgebracht“, erzählt seine Mutter Sara Thiessen. „Inzwischen kassiert er das Geld von allen, die hier am frühen Sonntagmorgen noch nachmelden.“

Vincents Vater Mathias Thiessen, ist in diesem Jahr einer der vielen aktiven Läufer beim Straßenlauf-Cup. Als einer der Verantwortlichen an der Spitze der HNT-Leichtathleten hatte er in den vergangenen Jahren zumeist bei der Organisation mitgeholfen.

Aber in diesem Jahr hat den 37 Jahre alten Sparkassenangestellte das Ironman-Virus erwischt. Am 13. August wird in und rund um die Alster das erste Mal in Hamburg ein Triathlon als „Ironman“ gestartet, dessen Name ebenso viel Schrecken wie Bewunderungen verbreitet.

3,8 Kilometer Schwimmen, danach 180 Kilometer Rad fahren und zum Abschluss einen Marathon über 42,19 Kilometer laufen. Mit diesen sportlichen Herausforderungen und Qualen hat dieser spektakuläre Dreikampf von Hawaii aus die Welt erobert.

Inzwischen ist „Ironman“ ein geschützter Markennamen für Triathlon-Wettkämpfe, dessen Rechte bei der World triathlon corporation, einem Tochterunternehmen der chinesischen Wands Group liegen. In diesem Jahr ist Hamburg erstmals Ausrichter eines solchen Ironman. Und obwohl die Teilnehmergebühr für jeden Starter 685 Euro beträgt, ist der Ironman in Hamburg längst ausverkauft.

Und der Straßenlauf-Cup in Lan­genrehm, vor 34 Jahren als Härtetest für den Hamburg-Marathon ins Leben gerufen, steht inzwischen stärker im Zeichen des Triathlons. Mathias Thiessen strampelt deshalb täglich die 14 Kilometer vom Zuhause in Emmelndorf zur Sparkasse nach Buchholz mit dem Rad. Für die 15 Kilometer im Wald hatte er genau 57 Minuten und 57 Sekunden benötigt. Damit war er als Siebter im Ziel.

Aber auch die drei Ersten sind inzwischen allesamt zu ehrgeizige Triathleten geworden. Wie erwartet war Marcel Schlag als Erster den Hang hoch auf die Ziellinie eingebogen. Der 30-Jährige stärkste Ausdauersportler im HNT-Trikot, war in 54:37 Minuten im Ziel. Und war bei diesem Matschwetter so vollgespritzt, dass seine Frau mit dem Baby im Arm die Nase rümpfte, als der Sieger ihr einen Kuss gab.

Marcel Schlag, der auch die Schwimmabteilung des SV Wilhelmsburg leitet, hat bereits vier der großen Triathlons erfolgreich durchgestanden. „Den Triathlon in Berlin bin ich in neun Stunden und 28 Minuten gelaufen“, bestätigt Marcel Schlag.

Hinter ihm keucht ein neuer Gast in Langenrehm über die Ziellinie. Alexander Riwny aus Daerstorf bei Neu-Wulmstorf hat sein Triathlon-Ziel noch höher gesteckt als die anderen. „Ich werde aber nicht in Hamburg sondern beim Ironman in Frankfurt starten“, erzählte der 34-Jährige, der in 55:48 Minuten als Dritter im Ziel war.

„Wenn ich mich dort mit einer Gesamtzeit unter neun Stunden für Hawaii qualifiziere, werde ich wohl fliegen.“ Alexander Riwny, der inzwischen von den Triathleten in Buxtehude zu denen in Lüneburg gewechselt ist, hatte es auch im Ziel eilig. Aus beruflichen Gründen musste der Maschinenbauer am Sonntag noch nach Liverpool fliegen.

Zweitschnellster über die 15 Kilometer war Dauergast Florian Bahlmann, der nur 21 Sekunden hinter dem großen Favoriten Marcel Schlag über die Ziellinie schoss. Florian Bahlmann, wie Marcel Schlag 30 Jahre als und junger Vater, startet noch für seinen Heimatverein VfL Oldenburg, ist aber leistungsstarkes Mitglieder der Triathlon-Gemeinschaft von Blau-Weiß Buchholz.

Die ist unter der Leitung von Steffen Wetzel schon auf mehr als 50 Mitglieder gewachsen und der Verein baut eine Damen- und eine Herren-Mannschaft für Wettkämpfe auf. Und natürlich ist auch bei den Buchholzern der Ironman in Hamburg der große Ansporn. Mit Steffen Wetzel haben Jan Ahlstedt, Armin Michehl, Björn Bladczynski und Thomas Zander für Hamburg gemeldet. Und auch Carmen Rehkopf, die einzige Frau im Blau-Weiss-Trikot, die die große Herausforderung wagt.

Für die 15 Kilometer in Langenrehm hatte sie 1:14:54 Stunde benötigt. Fast eine Viertelstunde schneller, genau 1:00:40, war Cecile van der Bent vom Lufthansa SV, die Dauersiegerin bei den Damen.