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Eintracht Elbmarsch gewinnt den Stadtpokal

Zum zweiten Mal nach 2014 holt sich Eintracht Elbmarsch den Winsener Stadtpokal. Mit dem Bezirksligisten freut sich Sparkassendirektor Jörn Stolle (hinten, Zweiter von links)

Zum zweiten Mal nach 2014 holt sich Eintracht Elbmarsch den Winsener Stadtpokal. Mit dem Bezirksligisten freut sich Sparkassendirektor Jörn Stolle (hinten, Zweiter von links)

Foto: Markus Steinbrück / HA

Der zehnfache Torschütze Kevin Koitka ist auch beim 4:3-Finalsieg gegen die SG Scharmbeck-Pattensen der überragende Akteur.

Winsen.  Es war nur eine kleine Szene, die die wenigsten der 675 zahlenden Zuschauer in der Winarena registriert haben dürften, und doch war es eine große Geste. Unmittelbar nach der dramatischen Entscheidung im Sechsmeterschießen des Viertelfinales zwischen Titelverteidiger TSV Winsen und Eintracht Elbmarsch führte der erste Weg von Eintracht-Kicker Kevin Koitka nicht zur Jubeltraube um Torwart Thomas Zwer, der den letzten Sechsmeter von Erkan Alkan pariert hatte. Koitka ging zuerst zu Alkan, klatschte mit ihm ab und versuchte ihm etwas Trost zu spenden. Erst danach jubelte der Mann, der drei Tore zum 4:4 nach Verlängerung beigesteuert hatte, mit seiner siegreichen Eintracht. Das ist Fairness.

Leider ging es in den 28 Spielen beim 32. Sparkassen-Cup der Stadt Winsen, auch bekannt als Stadtpokal, nicht immer so zu. In den Viertelfinalspielen kochten die Emotionen hoch. Erstmals beruhigend musste Hallensprecher Tobias Wenck beim 1:0 des MTV Borstel-Sangenstedt gegen den mitfavorisierten MTV Ashausen-Gehrden (Torschütze Niklas Lingen) eingreifen. In der Schlussphase standen die Ashäuser nach Zeitstrafen nur noch zu Zweit auf dem Feld. Noch unschönere Szenen ereigneten sich im Viertelfinale zwischen TSV Auetal und MTV Luhdorf-Roydorf (4:2 nach Verlängerung). Die Luhdorfer, die nur als Vierter ihrer Vorrundengruppe weitergekommen waren, durften lange von der Überraschung gegen die in vier Spielen viermal siegreichen Auetaler träumen. Doch in der Verlängerung schossen Kevin Heitbrock und Niklas Witte den Favoriten zum Sieg. Trotz aller Emotionen und viel Ehrgeiz lieferten die Luhdorfer ein unwürdiges Schauspiel. Erst verpasste Sahan Mahir dem Schiedsrichter Linus Jacoby nach einer seiner Ansicht nach falschen Entscheidung einen kräftigen Schubser und kassierte völlig zu Recht die Rote Karte. Als kurz danach auch Luhdorfs Mika Krassmann Rote Karte sah und sich die Gemüter nicht beruhigen wollten, beendete Jacoby wenige Sekunden vor Ablauf der elfminütigen Spielzeit die Partie vorzeitig.

MTV Luhdorf-Roydorf kassiert zwei Rote Karten

Doch zurück zu Kevin Koitka, dessen Geste umso wertvoller wird, als der 24-Jährige der überragende Spieler des Stadtpokals 2017 war. Vor allem in den K.o.-Spielen drehte der Mittelfeldakteur, der im Sommer vom SC Schwarzenbek nach Elbmarsch gekommen war, richtig auf. Dabei war die Eintracht, die am Ende als strahlenden Sieger den Stadtpokal aus den Händen von Bürgermeister André Wiese entgegen nehmen sollte, schon fast draußen. Im Viertelfinale ging der TSV Winsen zweimal durch Abdulgani Kanat und Maximilian Schmidt in Führung. Elbmarsch glich durch Koitka und Steffen Haenel – dieser erst sechs Sekunden vor dem Ende – zum 2:2 aus. Auch in der Verlängerung legte Winsen durch Maximilian Köster und Kanat zum 4:2 vor und schien auf bestem Weg ins Halbfinale. Zu verhindern wusste das Koitka, der mit seinen Turniertreffern sechs und sieben zum 4:4 ausglich und auch im Sechsmeterschießen souverän gegen TSV-Keeper Maik Steinwender verwandelte.

Gegen diese Dramatik mutetet das Endspiel – Elbmarsch gewann im Halbfinale 4:0 gegen Borstel, Scharmbeck 2:1 gegen Auetal – nach einem Spaziergang an. Lennart Woltmann aus spitzem Winkel, Kevin Koitka nach einer Finte von Haenel und Koitka nach Vorarbeit von Finn Baltzer schossen die Eintracht Elbmarsch mit 3:0 in Führung. „Dann ist uns etwas die Kraft ausgegangen“, sagte Co-Trainer Jan Krey später. Jedenfalls war plötzlich Scharmbeck am Drücker. Erst Moritz Wagener drei Minuten vor dem Ende und dann ein Doppelschlag von Sascha Damm – nach dem 3:3-Ausgleich musste die Verlängerung her.

Scharmbeck schafft nach 0:3-Rückstand im Finale das Comeback

Eine umstrittene Zeitstrafe gegen Ole Müller überstand Scharmbeck ohne Gegentor, gegen den zehnten Streich von Kevin Koitka – wer sonst sollte das 4:3-Siegtor für Elbmarsch schießen? – war das SG-Team von Trainer Jörn Rathje dann machtlos. „Wir mussten ja in die Verlängerung, damit Kevin alleiniger Torschützenkönig wird“, witzelte Jan Krey, warum die Eintracht den 3:0-Vorsprung aus der Hand gegeben hatte. Bis dahin hatte der zehnfache Torschütze gleichauf mit Auetals Winter-Neuzugang David Willms (9 Tore/kam vom TV Meckelfeld) gelegen. Zum besten Torhüter wurde Kenneth Pagels (Borstel) gekürt. Elbmarsch verzichtete auf den Einsatz mehrerer angeschlagener Spieler und stattete sogar Physiotherapeut Ali Mahmoodi (27), der einst in der Jugend von Holstein Kiel gekickt hatte, mit einer Spielberechtigung aus.

„Wir haben insgesamt eine gute Turnierleistung gezeigt“, sagte Scharmbecks Trainer Jörn Rathje, „wenn man das Finale aber so knapp verliert, überwiegt erstmal die Enttäuschung. In vielen Szenen wollten wir es zu genau machen.“ Bürgermeister André Wiese und Jörn Stolle von der Sparkasse Harburg-Buxtehude lobten bei der Siegerehrung die super Organisation durch die SG Elbdeich. Mit Unterstützung des MTV Laßrönne, beide Vereine bilden seit 2002 eine Jugendspielgemeinschaft, waren 50 freiwillige Helfer im Einsatz.