Harburg
Radsport

Däne gewinnt überraschend Weihnachts-Cross

Sebastian Fini setzt sich bei schwierigen Wetterbedingungen im Eliterennen durch. Lokalmatador Jannick Geisler wird Zweiter

Harburg.  Das Willkommen war stürmisch beim 29. Weihnachts-Cross der Harburger Radsport-Gemeinschaft. Und eisig dazu. Dafür sorgte der harte Wind, der so wild und abweisend durch den Wald fegte, dass dicke Äste aus den Bäumen herunter krachten. Und die Wettkampf-Arena für die Radsportler im Appenbütteler Forst war nass und matschig und glitschig. Aber was macht das schon für Kinder, für Frauen und Männer, deren große Leidenschaft es ohnehin ist, sich mit ihren Spezialrädern gefährliche Abhänge herunter zu stürzen, um sich dann auf rutschigem Laub steile Aufstiege hoch zu kämpfen. „Aus ganz Deutschland sind denn auch über 200 Teilnehmer zu uns hier in den Wald gekommen“, sagt Frank Plambeck, mit Ehefrau Susanne seit vielen Jahren die treibenden Kräfte dieser Veranstaltung, die längst zu Hamburgs traditionsreichsten Radrennen gehört.

Von den Jüngsten im Rennen der unter 13-Jährigen bis hin zu Senioren- und Hobbyteilnehmern summierte sich der lange Tag im Wald zu zwölf Rennen von unterschiedlicher Dauer auf dem ausgesteckten Rundkurs, der 2100 Meter lang war.

Der Wettstreit der Elite, der sportlichen Krönung also, war denn auch so stark besetzt wie seit Jahren nicht mehr. Allein die Athleten in der ersten Startreihe: Es begann mit Armin Raible, dem amtierenden Deutschen Meister der Senioren über 50 von Blau-Weiß Buchholz. Er hatte sich, genau wie Stefan Danowski neben ihm, als persönliche Herausforderung für den Wettkampf gegen die 20- und 30 Jahre jüngeren entschieden. Als nächster in der Startreihe, Jannick Geisler, 24 Jahre inzwischen und seit Jahren der erfolgreichste Cross-Spezialist der gastgebenden Harburger RG. Geisler startet inzwischen für das Stevens-Team, genau wie die Brüder Max und Jan Lindemann neben ihm. Dann noch Ole Quast und als Letzter in der ersten Reihe Tim Rieckmann, wieder ein Harburger. Sie alle haben national und international, als reine Amateure und auch als Halbprofis, dem Hamburger Cross-Sport neues Ansehen in Deutschland verschafft.

Der beißend kalte Wind hielt sich bei der Elite freundlich zurück. Sogar die Sonne zeigte sich kurz. Sie sorgte wenigstens für freundlichere Stimmung unter den Fahrern und ihrer mitgereisten Verwandtschaft.

Die Experten, an den spektakulärsten Stellen im Wald versammelt, freuten sich auf harte Duelle der Hamburger Elite. Aber dann tritt schon auf der kurzen Gerade ein Däne so kraftvoll in die Pedalen, das alle nur noch seinen Rücken sehen. Dieser Sebastian Fini, wie über Lautsprecher bekannt gegeben wird, hat schon nach der ersten von acht Runden einen riesigen Vorsprung. Dann Max und dahinter Paul Lindenau.

Und Jannick Geisler, der Vierte, scheint schon hoffnungslos abgeschlagen. Aber der angehende Wirtschafts-Informatiker, Harburgs Radsport-Freunde bewundern das seit mehr als 10 Jahren (als 14-jähriger wurde er in Harburg Deutscher Schülermeister), ist ein großer Kämpfer. In der Runde zwei schiebt er sich auf Platz drei vor. In der vierten Runde hat er alle anderen Hamburger hinter sich gelassen. Der Rückstand zu dem Dänen verringert sich. Aber er kommt ihm nicht gefährlich näher. Der Applaus für Sebastian Fini, den überlegenen Sieger, ist schon verstummt. Eine halbe Minute später wird auch Jannick Geisler, der Lokalmatador, freundlich im Ziel gefeiert. Dritter wurde Max Lindenau und Vierter Ole Quast, alle drei Mannschaftskollegen im Stevens-Racing-Team.

Der Renntag übrigens gehört zu Norddeutschlands wichtigster Cross-Serie, dem Stevens Cup. Im vergangenen Jahr zählte der Weihnacht`s Cup noch zur Rennserie um den Deutschland Cup, also zum nationalen Adel für die Crosser. „Dann aber wäre uns der Tag heute um 5000 Euro teurer gekommen“, gestand Frank Plambeck. „Das können wir uns nicht mehr leisten. Es wird ja ohnehin immer schwieriger, Kinder für den Radsport zu gewinnen und auch eine solche Großveranstaltung auf die Beine zu stellen.“

An Heiligabend, um auch das einmal anerkennend zu erwähnen, waren fast 30 Vereinsmitglieder für Stunden im Wald aktiv. Sie haben die 2100 Meter Strecke gefegt und sauber gemacht. Der erste im HRG-Trikot, der sich dafür mit einem Sieg bedankte, war der kleine Max Oertzen, der das Rennen der U-13 gewann. In der U-17 wurde Jasper Pahlke vom Ausrichter Zweiter hinter dem Bayer Henri Uhlig. Das Rennen der Damen gewann die Bremerin Caro Lin Schiff vor Lena Bischof-Stein von Blau-Weiß Buchholz. Armin Raible, der deutsche Seniorenmeister war im Wettkampf mit denen, die seine Söhne sein könnten, immerhin Zehnter geworden.