Harburg
Leichtathletik

Olympisches Flair beim Advents-Crosslauf

Im Endspurt nach 4000 Metern kann sich Maya Rehberg (l.) knapp gegen ihre Hinderniskollegin Jana Sussmann durchsetzen

Im Endspurt nach 4000 Metern kann sich Maya Rehberg (l.) knapp gegen ihre Hinderniskollegin Jana Sussmann durchsetzen

Foto: Markus Steinbrück / HA

Maya Rehberg und Philipp Pflieger starteten im August in Rio de Janeiro und jetzt bei der LG Nordheide in Winsen.

Winsen.  „Das hab ich mir ja selbst eingebrockt“, sagte Jana Sussmann nach dem Ende ihrer Siegesserie beim Sparkassen-Advents-Crosslauf der LG Nordheide. „Seit einer Woche habe ich sie total bearbeitet, damit sie in Winsen startet.“ Sie – das ist Maya Rehberg von der SG TSV Kronshagen/Kieler TB, und wahrlich keine Unbekannte in der deutschen Läuferszene. Die 22-Jährige aus Bad Segeberg hatte sich vor Sussmann einen von drei deutschen Startplätzen über 3000 Meter Hindernis bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gesichert und gewann vor einer Woche mit dem deutschen U23-Team Silber bei den Crosslauf-Europameisterschaften auf Sardinien. Letztlich konnte Rehberg dem Werben von Sussmann – die aus Tönnhausen stammende Lokalmatadorin dominiert seit vielen Jahren die Rennen im Schützengehölz – nicht widerstehen. „Ich habe kurz überlegt. Aber der Cross am Sonntag passte gut in meinen Trainingsplan. Nach der EM wäre ein Tempolauf am Sonnabend zu früh gekommen“, so Rehberg.

So wurde die 4000 Meter lange Mittelstrecke der Frauen zur spannendsten Entscheidung aller sechs Rennen im Schützengehölz. Vier Runden lang lieferten sich Maya Rehberg und Jana Sussmann einen sehenswerten Kampf. Doch sie waren nicht allein, zwei weitere Läuferinnen ließen sich partout nicht abschütteln. Da war zum einen Tabea Themann vom niedersächsischen SV Molbergen, die zum 1. Januar 2017 zum Lauf-Team Haspa Marathon Hamburg, dem Verein von Jana Sussmann, wechseln wird. Dazu die noch jugendliche Josefine Meyer-Ranke aus den Reihen der gastgebenden LG Nordheide. Dass die 19-Jährige beim Steigerungslauf des Spitzentrios bis kurz vor dem Ziel mithielt, war die eigentliche Überraschung. Über den Sieg entschied erst der Endspurt auf den letzten 300 Metern. Dabei hatte Maya Rehberg in 13:07,25 Minuten für 4000 Meter um winzige fünf Hundertstel die Nase vorn vor Jana Sussmann. Zwei Sekunden dahinter belegte Tabea Themann den dritten Platz, Meyer-Ranke passierte sechs Sekunden hinter der Siegerin die Ziellinie.

Die U20-Jugendliche Josefine Meyer-Ranke überrascht als Vierte

„Ich bin selbst ganz überrascht“, sagte Josefine Meyer-Ranke, die von Gerd Prüsmann beim HSV Stöckte trainiert wird, „der Steigerungslauf vorne war genau richtig für mich. Dass ich am Ende etwas abfalle, war klar. Ich bin nicht so der Sprintertyp.“ Ihre gute Form hatte „Fini“, die seit Monaten endlich verletzungs- und krankheitsfrei trainieren kann, eine Woche vorher beim Hallensportfest des Hamburger SV angedeutet, als sie die 3000 Meter erstmals nach zwei Jahren wieder unter zehn Minuten lief. Seit dem Herbst wohnt die 19-Jährige in Hamburg und studiert an der Universität Betriebswirtschaftslehre.

Und Jana Sussmann? Die 26-Jährige war über ihren zweiten Platz alles andere als verärgert. „Dann habe ich für nächstes Jahr gleich ein Ziel – den Sieg“, sagte sie schmunzelnd. „Wir alle haben von der starken Besetzung profitiert.“ Während sich Sussmann vor drei Jahren noch über Zeiten knapp über 14 Minuten gefreut hatte, legte sie diesmal auf fast identischer Strecke eine Zeit von knapp über 13 Minuten hin. Am 2. Januar 2017 fliegt sie für zwölf Tage ins Trainingslager nach Monte Gordo in Portugal, Mitte März folgt dann ein Höhentrainingslager in Südafrika. Und in der neuen Freiluftsaison will die Studentin für Medien und Information ihre Bestzeit über 3000 Meter Hindernis auf unter 9:40 Minuten drücken.

Der Advents-Crosslauf der LG Nordheide, maßgeblich unterstützt von der Sparkasse Harburg-Buxtehude, konnte diesmal mit einer ungewöhnlich guten Besetzung aufwarten. Das gilt quantitativ für insgesamt 165 Läuferinnen und Läufer aus 40 Vereinen, das gilt aber auch qualitativ. Neben Maya Rehberg lief mit Philipp Pflieger ein zweiter Olympiateilnehmer von Rio durch das Schützengehölz. Der 29 Jahre alte Laufprofi von der LG Telis Finanz Regensburg hatte in Brasilien den Marathonlauf bestritten.

Bis auf den Zweiten überrundet Philipp Pflieger alle Konkurrenten

In Winsen demonstrierte der mehrfache deutsche Meister seine Extraklasse auf der 9000 Meter Langstrecke der Männer. „Das sieht aus, als ob er joggt. Dabei ist er richtig schnell“ oder auch „2:57 Minuten für die ersten 1000 Meter – Wahnsinn“, waren einige Äußerungen der staunenden Zuschauer. Nach der ersten Runde hatte Philipp Pflieger schon 200 Meter Vorsprung herausgelaufen. Mitorganisator Tim Tomczak von der LG Nordheide, wahrlich kein Schlechter, hatte eingangs seiner letzter Runde Mühe, eine Überrundung zu vermeiden. Tomczak belegte immerhin den zweiten Platz hinter Pflieger, der für die 9000 Meter lediglich 26:37 Minuten benötigte.

Über Tomczak waren auch die Kontakte nach Regensburg geknüpft worden. Einst hatte man sich auf einer Läuferparty im Anschluss an deutsche Crosslauf-Meisterschaften kennengelernt. Im Vorjahr war Felix Plinke als erster Regensburger in Winsen gestartet und gewann die Langstrecke. Diesmal brachte er seinen Vereinskameraden mit. Tomczak gewährte den Freunden drei Nächte Unterkunft in seinem Haus in Borstel, trainierte mit ihnen und erkundete Hamburg. Plinke wich 2016 auf die ebenfalls stark besetzte Männer-Mittelstrecke aus, musste sich beispielsweise mit Dan Bürger (SC Magdeburg), Fynn Paul Timm (LG Lüneburg) und vielen Hamburger Läufern auseinandersetzen. Nach 5000 Metern hatte Felix Plinke, der 27-Jährige gab im Oktober in Frankfurt sein Marathondebüt, im Endspurt keine Chance gegen den 1500-Meter-Spezialisten Tim Hoenig (Hamburger SV), der nach 15:03 Minuten mit vier Sekunden Vorsprung gewann.

Weitere Sieger: Schüler M15: Ole Grot (TSG Bergedorf); M14: Jakob Wurmstädt (LG Lüneburg); M13: Fabian Schönke (RSC Lüneburg); M12: Marlon Kweya (LG Lüneburg); M11: Kilian Ostermann (HSV Stöckte); M10: Paul Ring (MTV Germania Fliegenberg); M9: Leon Heidecke (MTV Rottorf); M8: Mika Liam Madsen (MTV Fliegenberg); M7: Lennard Heidecke (MTV Rottorf)
Schülerinnen W15: Mirja Thal (TuS Finkenwerder); W14: Franka Rust (Triathlon Team Lüneburg); W13: Neele Wiesmann (KKSV Wendisch Evern); W12: Laura Maaß; W11: Alina Bier (beide HSV Stöckte); W10: Lina Katharina Madsen (Fliegenberg); W9: Leni Goldenstein (Rottorf); W8: Janne Magdalena Lahne (TSV Eintracht Hittfeld); W7: Kendra Giesler (Hannover Athletics)