Harburg
Inline-Skaterhockey

Die Flames sind Landesligameister

Wieder ist Flames-Torhüter Timo Graudegus zur Stelle und pariert den Schuss von Holtenaus Benno Dinser (l.) mit dem rechten Schoner

Wieder ist Flames-Torhüter Timo Graudegus zur Stelle und pariert den Schuss von Holtenaus Benno Dinser (l.) mit dem rechten Schoner

Foto: Volker Koch / HA

Das Inline-Skaterhockey-Team der Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft gewinnt Finalrückspiel mit 9:6 gegen Holtenau Huskies.

Fischbek.  „Jaaaaa! Basti! Jaaaaa!“ Ein super Tor. Mach noch eins!“ Die altehrwürdige Uwe-Seeler-Halle auf dem ehemaligen Kasernengelände in Fischbek scheint zu beben unter dem Geschrei und den Freudentänzen der Anhänger. Unten in der Halle hatte Sebastian Alsgut, der Mann mit der 21 auf dem Rücken, den roten Hartgummiball auf der linken Außenposition erwischt. Er kurvt nach innen, trickst den ersten, den zweiten Abwehrspieler aus, dann auch noch den Torwart. Und die Fans der HNT-Flames sind nicht mehr zu halten. Wer dicht gedrängt neben ihnen steht, muss um sein Trommelfell fürchten.

Es geht um Inline-Skaterhockey, sozusagen um ein Eishockey-Finale – nur ohne Eis. Die HNT Flames haben die Holtenau Huskies aus Kiel zu Gast. Auf dem Spiel steht der Meistertitel in der Landesliga. Das erste Finale hatten die Turner mit den Hockeyschlägern aus Hausbruch und Neugraben mit 4:5 in Kiel verloren. Das entscheidende Rückspiel müssen sie also mit zwei Toren Vorsprung gewinnen. Der Spielverlauf sorgt immer wieder für einen Wirbelsturm der Gefühle. Aus dem ersten Drittel (je 20 Minuten reine Spielzeit) waren die gepolsterten HNT-Kämpfer mit einer 2:0-Führung herausgegangen. Im zweiten erkämpften sie ein 2:2, nahmen also einen 4:2-Vorsprung mit in das letzte Drittel.

In der 50. Spielminute schoss Marcel Säland, der zuverlässigste Torjäger der Saison, im Finalspiel aber glücklos, endlich sein zweites Tor. Er brachte die HNT mit 7:5 in Führung. Noch aber waren zehn Minuten auf der Uhr. Da kann sich beim Skaterhockey wie auch beim Eishockey alles drehen. Eine Minute später fällt das frenetisch gefeierte 8:5 durch Kapitän Sebastian Alsgut.

Doch gibt es keine Entwarnung für Spieler und Anhänger. In der 53. Minute verkürzen die Kieler Huskies auf 6:8. Und drehen mächtig auf. Aber immer wieder ist von der Tribüne zu hören: „Schön Timo! Fantastisch Timo!“ Der 18 Jahre alte Timo Graudegus im Kasten der Flames bringt die gegnerischen Angreifer immer wieder zur Verzweiflung. Das große Talent aus Neugraben steht auch noch im Juniorenteam in Lüneburg zwischen den Pfosten.

Es ist erneut Sebastian Alsgut, der in der 56. Spielminute mit seinem dritten Treffer zum 9:6 für etwas Entspannung in der Mannschaft, besonders aber bei den rund 100 Fans sorgt. Aber vier Minuten können unendlich lang werden. Die Schlusssirene ist kaum zu vernehmen. Unten in der Halle fliegen die Helme in die Luft, die Schläger werden weggeschmissen, die Handschuhe hinterher. Ein Knäuel von Männern in rot-weißen Trikots tanzt durch die Uwe-Seeler-Halle. Oben auf der Balustrade rollen die Fan-Girls das vorbereitete Papierbanner aus, auf dem nur ein Wort steht: „Meister!“

Unten muss Zeitnehmerin Kerstin Compart, die Mutter des zweiten Flames-Torwart Florian, erst einmal ihre Tränen trocknen, ehe sie die Liste der Torschützen vollenden kann. Das erste Tor für den neuen Landesligameister erzielte Alexandros (Alexi) Economou. Danach trafen Marcel Säland, Sebastian Alsgut, Alexander Boswinkel, Henrik Bolduan (fünftes und sechstes Tor), Marcel Säland und schließlich Sebastian Alsgut (achtes und neuntes Tor).

Der IT-Fachmann Alsgut gehörte vor fast zehn Jahren schon zu den leidenschaftlichen Inlineskatern, die sich sonntags auf dem IKEA-Parkplatz in Schnelsen einfanden, um Hockey zu spielen. „Vor acht Jahren haben wir dann beschlossen, hier bei der HNT etwas eigenes aufzuziehen“, erzählt der Gründer, Spieler, langjährige Trainer und Leiter der etwa 30 Aktiven zählenden Gemeinschaft. „Zuerst hatten wir eine Jugendmannschaft. Mit der sind wir zweimal Hamburger Meister geworden. Jetzt nehmen wir nur mit der Herrenmannschaft am Spielbetrieb teil“, ergänzt der Familienvater. Sein zwei Jahre alter Sohn Ben bekam in den Pausen Sonderapplaus, als er mit dem Ball das Tor traf und Mia, die drei Monate alte Schwester, war mit der Mama natürlich auch bei der Meisterfeier dabei. „Da wir eine so kleine Gemeinschaft sind, muss praktisch jeder auch Aufgaben außerhalb des Spielfelds übernehmen“, sagt Alsgut. So ist Eduard Ross inzwischen Abteilungsleiter und Thomas Vieten hat die Verantwortung als Trainer übernommen.

Die Meisterschaft in der Landesliga fordert von den HNT Flames noch eine wichtige Entscheidung. Als Meister dürfen sie in die Regionalliga aufsteigen – wenn sie denn wollen. „Aber die Uwe-Seeler-Halle wird in der kommenden Saison renoviert“, erläutert der Initiator der Inlinehockey-Skater. „Wir müssten wohl alle Spiele auswärts austragen und wissen nicht einmal, ob wir eine andere Halle fürs Training zugewiesen bekommen.“

Eines aber haben die Aktiven und ihr treuer Anhang mit dem Landesligatitel und ihrer Meisterschaftsfeier, die auf der Reeperbahn ausklang, bewiesen: Die Flames sind wohl die kleinste Sportgemeinschaft innerhalb der großen Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft. Aber wahrscheinlich auch die leidenschaftlichste, die dynamischste und die mit der größten Begeisterung.