Harburg
Motorsport

16.000 Zuschauer zieht es auf den Estering

Der Schwede Kevin Eriksson stellt sich quer und hält seine Konkurrenten Petter Solberg, Andreas Bakkerud und Kenneth Hansen auf Distanz

Der Schwede Kevin Eriksson stellt sich quer und hält seine Konkurrenten Petter Solberg, Andreas Bakkerud und Kenneth Hansen auf Distanz

Foto: Volker Koch / HA

Den Rallycross-WM-Lauf gewinnt Kevin Eriksson aus Schweden, vorzeitig Weltmeister ist sein Landsmann Matthias Ekström.

Buxtehude.  Rekordbesuch mit 16.000 Zuschauern und ein vorzeitiger Weltmeister – das 135. Rallycross-Rennen auf dem Estering wird in die Geschichte der Traditionsrennstrecke in Buxtehude eingehen. „Soviel Zuschauer haben wir noch nie gezählt“, verkündete Ringsprecher Martin Kummerow hocherfreut. Er moderierte zusammen mit dem Schweden Gunnar Fridlund das dritte Gastspiel der FIA World Rallycross Championship mit Schwung, Charme und viel Witz.

Der schwedische Spitzenfahrer Mattias Ekström krönte sich zum ersten Mal in seiner langen Laufbahn zum Rallycross-Weltmeister – und das, obwohl er in einem packenden Finale nur als Fünfter über die Ziellinie rollte. Der erste Titelgewinn ist dem Schweden nicht mehr zu nehmen. Der aus der DTM bekannte Pilot, der extra auf seinen Start beim DTM-Finale auf dem Hockenheimring verzichtet hatte, holte sich vorzeitig die WM-Krone, da sein ärgster Verfolger Johann Kristoffersson nach einem dramatischen Finale hinter Ekström ins Ziel kam. Damit ist die WM-Entscheidung vor dem letzten Rennen in Argentinien gefallen.

Gefeierter Mann im Finale der SuperCars war allerdings ein anderer: der 20 Jahre alte Schwede Kevin Eriksson gewann mit seinem Ford Fiesta ST überraschend das Finale, sorgte mit einem spektakulären Drift auf dem 952 Meter langen Estering für einen Start-Ziel-Sieg. In der Sparkassen-Kurve stellte sich der junge Fahrer aus Skandinavien mit seinem Wagen quer vor die fünf Konkurrenten und ließ bis ins Ziel keinen der hochkarätigen Gegner mehr passieren. Titelverteidiger Petter Solberg wurde Zweiter muss nach zwei Jahren den WRX-Titel an Ekström abgeben. „Er hat es verdient, er hat in diesem Jahr einen guten Job gemacht und war bei fast jedem Rennen sehr schnell“, gratulierte der Norweger dem Rivalen. „Schade, dass wir nicht bis zum Ende um den Titel kämpfen konnten. Aber nächstes Jahr greife ich wieder an“, kündigte Solberg an.

Rallycross-WM-Lauf auch 2017 wieder in Buxtehude

Kevin Eriksson wirkte noch lange nach dem Finale ungläubig. „Ich kann es nicht glauben, aber das ist ein schönes Gefühl“, sagte er zu Tränen gerührt. Er habe davon geträumt und sei mit seinem Team nach drei Jahren harter Arbeit und vielen Anstrengungen belohnt worden. „Das ist ein ganz besonderer Moment“, sagte der Schwede, der zum ersten Mal in einem WM-Lauf die Sektdusche auf dem Podest genoss.

Für das größte Spektakel sorgte jedoch Andreas Bakkerud, der gleich zweimal mit seinem stark angeschlagenen Auto für Furore sorgte. Im Finale fuhr der Norweger auf Rang drei, obwohl an seinem Ford Focus nach mehreren Berührungen der linke Kotflügel weit abstand. Außerdem drang durch eine Beschädigung Rauch ins Cockpit. Unmittelbar nach der Zieldurchfahrt stellte Bakkerud sein Auto ab, sprang heraus und rang nach Atem. Wegen des Verdachts auf Rauchvergiftung wurde er ins Medicalcenter gebracht. Schon im letzten Qualifikationslauf hatte Bakkerud eine ähnlich kämpferische Leistung gezeigt. Nach einer Berührung war die rechte Hinterradaufhängung verbogen, wodurch sein Ford nicht mehr geradeaus fuhr. In der Schlussphase schlug der Norweger noch zweimal mit seinem Auto an, schleppte sich aber als Sieger ins Ziel.

Der Ungar Krisztián Szabo (Klasse Super1600) und der Norweger Ben-Philip Gundersen (Touringcars) holten sich die Titel in der parallel ausgefahrenen Europameisterschaft, jeweils mit nur einem einzigen Zähler Vorsprung.

Für Lokalmatador Andreas Steffen endete die Rennsaison wie sie begonnen hatte. Das Pech bleibt dem Buxtehuder Rallycross-Fahrer treu. Technische Probleme am Ford Fiesta ST sorgten dafür, dass Steffen sich nicht für das Finale in seinem ersten WM-Lauf qualifizieren konnte.

Dennoch strahlte der Vorsitzende des Automobilclubs Niederelbe (ACN) über den Rekordbesuch. Schon am Sonnabend tummelten sich 10.000 Besucher auf dem Estering, am finalen Sonntag zählte der ACN dann 16.000 Zuschauer. Schon lange vor dem Rennwochenende waren die Hotels in der Region ausgebucht. Die ACN-Verantwortlichen lobten ihre immens große Helferschar, 250 Frauen und Männer sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Die Quintessenz: Der vierte WM-Lauf 2017 kann kommen, der Automobilclub Niederelbe ist gerüstet.