Harburg
Handball

BSV-Derbysieg macht Lust auf mehr

Neuzugang Michelle Goos (Mitte) feiert ihr Debüt in der Halle Nord

Neuzugang Michelle Goos (Mitte) feiert ihr Debüt in der Halle Nord

Foto: Hans Kall

Handballfrauen des Buxtehuder SVbezwingen zum Bundesliga-Saisonauftakt den VfL Oldenburg mit 29:27.

uxtehude. B„Die hält ja gar nichts“, schimpfte ein Zuschauer laut auf der Tribüne in der Halle Nord und meinte damit Torfrau Julia Gronemann vom Buxtehuder SV, die gerade den Gegentreffer zum 23:21 im Handball-Nordderby der Frauen-Bundesliga gegen den VfL Oldenburg kassiert hatte. Gronemann musste für Antje Lenz einspringen, die sich im Training eine Rückenverletzung zugezogen hatte.

Am Ende war aber ausgerechnet die gescholtene Torhüterin die Garantin des Erfolgs mit vier Paraden in den letzten zehn Minuten nach dem 26:26-Ausgleich der Gäste. Die BSV-Frauen setzten sich nach 126 Tagen Bundesliga-Handballabstinenz gegen den VfL Oldenburg verdientermaßen mit 29:27 (20:16) durch und feierten auch dank ihrer Torfrau anschließend einen gelungenen Start in die neue Handballsaison.

In der Vorbereitung konnten drei Turniere in Stove, Oldenburg und Blomberg gewonnen werden, der Sieg zum Auftakt der neuen Bundesligasaison schließt sich damit nahtlos an diese Erfolge an. Und die BSV-Frauen scheinen auch wieder an frühere Zeiten anknüpfen zu können, als ihre Heimspielstätte als „Hölle Nord“ bei den Gegnerinnen eine schier uneinnehmbare Festung war und Angst und Schrecken verbreitete. In der vorigen Saison hatte dieser gute Ruf allerdings arg gelitten bei nur 15:11 Punkten aus den Bundesliga-Heimspielen.

Zweite wesentliche Personalie des 48. Nordderbys war neben der Verletzung von Antje Lenz, dass beim VfL Oldenburg deren Ausnahmespielerin Angie Geschke wieder halbwegs gesund war und auflaufen konnte. Und die traf gleich scheinbar nach Belieben, erzielte die ersten vier Treffer für den VfL Oldenburg.

Doch die BSV-Frauen zogen auf 10:5 davon; es schien für kurze Zeit eine klare Angelegenheit zu werden. Doch in nur fünf Minuten verspielte das Team von Trainer Dirk Leun durch eine Reihe von technischen Fehlern und unnötigen Ballverlusten die Fünf-Tore-Führung.

Der BSV war in dieser kurzen Phase völlig von der Rolle und hatte sich doch bis zur Pause mit 20:16 wieder einen scheinbar komfortablen Vorsprung herausgespielt. Der letzte Treffer vor der Halbzeitsirene durch Maike Schirmer resultierte aus einer traumhaften Ballstafette des BSV und war der schönste Treffer des Spiels.

In Halbzeit zwei brachte Oldenburg beim Stand von 21:19 eine Zwei-Minuten-Strafe von Angie Geschke unbeschadet über die Zeit, dann aber traf Emily Bölk zum 22:19 für den Buxtehuder SV. Bei 24:21 betrat Buxtehudes jüngster Neuzugang Michelle Goos erstmals das Parkett, ihr erster Torwurf ging noch daneben. Aber sie traf später zum 29:26.

Da wussten die 1200 Zuschauer (darunter 750 Dauerkartenbesitzer) bereits, dass das Spiel gewonnen war und stimmten laute Freudengesänge an. „Oh, wie ist das schön“, klang es durch die Halle. Es war so schön, dass BSV-Manager Peter Prior später von einem „verdammt heißen Derby“ sprach und damit bestimmt nicht nur die hohen Temperaturen meinte.

„Wir waren nahe dran, haben aber die Big Points nicht gemacht“, bilanzierte Oldenburgs Trainer Leszek Krowicki und BSV-Coach Dirk Leun räumte ein, dass es ein glücklicher Sieg seines Teams war, das aber sein ganzes Potenzial gezeigt habe. „Wir haben phasenweise begeisternden Tempohandball gespielt. Das hat Lust auf mehr gemacht“, sagte er fast etwas überschwänglich.

Und: „TuS Metzingen kann kommen.“ Der Vizemeister und Mitanwärter auf den Titel ist am 25. September der nächste Gast in der Halle Nord; ein Wochenende später kommt Pokalverteidiger HC Leipzig nach Buxtehude, dann geht es ums Weiterkommen im Wettbewerb um den DHB-Pokal.

Beste Werferinnen des Buxtehuder SV gegen den VfL Oldenburg waren Lone Fischer und Emily Bölk mit je sechs Treffern. Die beiden Nationalspielerinnen des BSV werden wohl auch dabei sein, wenn die deutsche Frauen-Nationalmannschaft am 7. Oktober in der Inselparkhalle in Wilhelmsburg gegen den EM-Zweiten Spanien testet. Der BSV-Handball-Förderverein und die Handball-Marketing subventionieren die Tickets für dieses Länderspiel für Kinder und Jugendliche, die nur 12 statt 18 Euro berappen müssen.