Harburg
Volleyball

Die Zeit der Berufssportler ist passé

Lisa Schwarz, Karine Mujlwijk, Nina Braack, Lilian Kemper, Maria Kirsten, Sandra Schneider, Laura Blömer, Julia Schneidler, Saskia Radzuweit, Anisa Sarac und Bonny Jatzko bilden den neuen Zweitligakader des Volleyball-Teams Hamburg

Lisa Schwarz, Karine Mujlwijk, Nina Braack, Lilian Kemper, Maria Kirsten, Sandra Schneider, Laura Blömer, Julia Schneidler, Saskia Radzuweit, Anisa Sarac und Bonny Jatzko bilden den neuen Zweitligakader des Volleyball-Teams Hamburg

Foto: Katrin Beyer

Volleyballfrauen des VT Hamburg starten mit gedrosseltem Aufwand, aber zuversichtlich in die 2. Bundesliga.

Neugraben.  Am 17. September geht es los für die Volleyballdamen des VT Hamburg mit dem Heimspiel um 17 Uhr in der CU-Arena gegen die Wildcats Stralsund. Manches bleibt wie es war, anderes ändert sich gravierend. Vor dem Neuanfang in der 2. Bundesliga Nord als Volleyball-Team (VT) Hamburg und damit als Nachfolger des bisherigen Erstligisten VT Aurubis Hamburg dürfen die Volleyballfans aus dem Hamburger Süden zwar weiter auf Sport der Spitzenklasse hoffen – immerhin vier Spielerinnen aus dem Erstligakader konnten gehalten werden – doch vereins- und mannschaftsintern sieht vieles anders aus.

Als da wäre die Trainingshäufigkeit: Nur noch dreimal pro Woche ruft der neue Trainer Fabio Bartolone sein Damenteam am Abend in die CU-Arena. Zu Erstligazeiten waren es bis zu zwei Trainingseinheiten pro Tag. Tagsüber gehen die Zweitliga-Spielerinnen zumeist ihren Berufen nach, studieren oder suchen sogar noch nach Beschäftigungs- oder Ausbildungsmöglichkeiten. Sie alle sind keine Vollprofis, was besonders für die vier verbliebenen Erstligaspielerinnen eine Neuorientierung bedeutet.

„Das ist eine extreme Umstellung. Ich habe jetzt viel mehr Freizeit, die ich sinnvoll verbringen muss“, schildert die in den vergangenen Jahren von der Diagonalangreiferin zur Mittelblockerin umgeschulte Nina Braack ihre neue Situation, vor die sie nach drei Jahren als Vollprofi gestellt wurde. Drei Jahre lang wurde fast jeden Tag trainiert, die Fahrten zu den Auswärtsspielen dauerten mindestens zwei, manchmal auch drei Tage. In der 2. Bundesliga wird alles an einem Tag abgewickelt. Gearbeitet hat Nina Braack allerdings fast immer nebenbei, als studierte Sport- und Eventmanagerin bei der Vermarktungsagentur Sportfive, die Hamburgs Spitzensportler – zuletzt auch das Olympiateam – unter ihre Fittiche genommen hat. Bis September übt sie in der Agentur einen Halbtagsjob aus, dann will die 23 Jahre alte Tochter von HSV-Volleyball-Legende Hauke Braack ihren Master in Corporate Community machen, also wieder Vollzeit studieren.

Volleyball steht auch für die meisten anderen Spielerinnen des VT Hamburg nur an zweiter Stelle hinter Beruf, Ausbildung oder Studium. Selbst der neue Trainer und Nachfolger von Dirk Sauermann, Fabio Bartolone, und sein Team mit Co-Trainer Vaclav Schmidt und André Thurm (Co-Trainer, Teammanager und Scout in einer Person) sind alles andere als Vollprofis. Der Chefcoach beispielsweise ist hauptberuflich Sportlehrer an einer Berufsschule in Cuxhaven und muss zu jeder Trainingseinheit oder jedem Spiel aus seinem Wohnort Lamstedt im Landkreis Cuxhaven anreisen. „Zur Not mit der Bahn, die hält ja direkt vor unserer Haustür“, wie VT-Hamburg-Präsident Volker Stuhrmann sagt und dann einschränkt: „Wenn es denn mal schneit oder die Straßen vereist sein sollten.“

Dass das Hamburger Volleyballspitzenteam nicht mehr in der Eliteliga spielt, wird sich wohl auch in der Zuschauerresonanz niederschlagen. „Wenn wir es in jedem Heimspiel auf 500 Zuschauer bringen, wäre ich sehr zufrieden. Tausend fände ich toll“, sagt Stuhrmann, der annähernd die Hälfte des Etats für die kommende Saison mit einer Spende von 100.000 Euro persönlich eingebracht hat. Keiner weiß es besser als er, dass es noch ein langer Weg ist, bis Spitzenvolleyball in Hamburg sich nach dem Ausscheiden des Hauptsponsors Aurubis AG langfristig etablieren kann.

Einig sind sich der Vereinspräsident und die sportliche Leitung darin, dass VT Hamburg alle Ziele nur über sportlichen Erfolg erreichen kann. „Als Trainer will ich natürlich jedes Spiel gewinnen,“ sagt Fabio Bartolone über die Erwartungshaltung. Co-Trainer, Teammanager und Scout André Thurm geht einen Schritt weiter: „Wir sind jetzt schon so weit, dass wir von heute auf morgen in den Spielbetrieb einsteigen könnten.“ Die Mehrzahl seiner Heimspiele will das VT Hamburg am Sonnabend um 17 Uhr in der CU-Arena in Neugraben austragen.