Harburg
Leichtathletik

Malte Stangenberg geht nach Jena

Foto: Ralf Görlitz / HA

HNT-Sprinter gewinnt Doppel-Silber bei U16-DM. Mit Thorben Hast wagt ein zweites Talent den Schritt an ein Sportinternat.

Hausbruch/Winsen.  Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Der Spruch, der für viele Athleten am Ende ihrer Karriere gilt, bekommt in diesen Tagen eine besondere Bedeutung für zwei 15 Jahre alte Leichtathleten aus dem Hamburger Süden. Thorben Hast (LG Nordheide) und Malte Stangenberg (Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft) erreichten bei den deutschen U16-Meisterschaften in Bremen die Endläufe in ihren Spezialdisziplinen. Stangenberg räumte mit dem Gewinn von zwei Silbermedaillen (100 Meter und 80 Meter Hürden) groß ab, Hast belegte den fünften Platz über 300 Meter Hürden.

So erfreulich diese Erfolge sind, umso nachdenklicher macht die Nachricht, dass es für beide Talente der letzte große Wettkampf für ihren bisherigen Verein gewesen sein dürfte. Thorben Hast lebt und trainiert seit dem 1. August am Sportinternat in Hannover, wird dort von Niedersachsens Landestrainerin Beatrice Mau-Repnak betreut. In Kürze wird auch Malte Stangenberg einen ähnlichen Schritt tun. Der
15-Jährige wird das heimische Rönneburg verlassen und an das Sportgymnasium Jena mit angeschlossenem Internat wechseln. Spätestens zum 1. Januar 2017 wird sich Malte Stangenberg auch dem LC Jena anschließen.

„Das ist schade für uns als Verein und die Leichtathletik in Hamburg insgesamt“, sagt HNT-Heimtrainer Daniel Neidhold. „Malte möchte die Herausforderung annehmen und sich später nicht vorwerfen müssen, es nicht probiert zu haben.“ Zugleich spricht der Verlust Bände über die Strukturen der Sportstadt Hamburg. Eine derart enge Verzahnung zwischen Schule, Sport und Lebensmittelpunkt, wie sie vor allem die Sportschulen der neuen Bundesländer zu bieten haben, finden Athleten in Hamburg nicht vor.

Malte Stangenberg war 2010 von Grün-Weiss Harburg zur LG HNF gekommen und hatte sich prächtig entwickelt. Neben zahllosen Hamburger Rekorden und norddeutschen Meistertiteln ragen der Gewinn der deutschen Meisterschaft 2015 im Blockwettkampf Wurf und die zwei Silbermedaillen bei der Einzel-DM 2016 in Bremen heraus. „Es war wirklich eine schöne Zeit. Ich hätte gern mit ihm weitergearbeitet“, so Neidhold, der seinem scheidenden Schützling eine mutige Entscheidung attestiert: „Der Schritt nach Jena wird Malte so oder so weiterbringen: sportlich und menschlich.“

Zuvor gab es noch einmal eine große Feierstunde für das HNT-Duo. Die angestrebte Einzelmedaille fuhr Malte Stangenberg gleich am ersten Tag der Titelkämpfe ein. Nach 11,31 Sekunden im 100-Meter-Vorlauf konnte der 15-Jährige den klar favorisierten Dominik Wache im Endlauf 60 Meter lang ärgern, bevor der Cottbusser vorbeizog. Stangenberg sicherte in persönlicher Bestzeit von 11,14 Sekunden Rang zwei.

Offensichtlich befreit vom Druck legte er tags darauf eine enorme Steigerung über 80 Meter Hürden hin, die in dieser Saison nicht immer reibungslos gelaufen waren. Von der zehntbesten Vorleistung kommend, qualifizierte er sich zunächst für den Endlauf der besten Acht und musste nach dem knappen Zieleinlauf lange warten, bevor über die zweite Silbermedaille und die nächste Bestzeit (10,83 sek.) gejubelt werden durfte. Den Erst- und Viertplatzierten im Hürdensprint trennten gerade einmal acht Hundertstel.

„Das Ergebnis ist okay, auch wenn nach den Vorleistungen eine Medaille das Wunschergebnis gewesen wäre“, sagte Trainer Georg Bernhart über den fünften Platz von Thorben Hast (LG Nordheide) über 300 Meter Hürden (41,80 sek.). Bei den Norddeutschen hatten nur vier Hundertstel zwischen Hast und Johannes Schaaf (Bredstedt) gelegen. In Bremen war es mehr als eine Sekunde, Schaaf wurde deutscher Meister. Im Endlauf verlor Thorben Hast schon an der zweiten von zehn Hürden seinen Rhythmus und den Anschluss an die Spitze. Die zweite Nordheide-Starterin, Jolana Lohmann (VfL Jesteburg), verfehlte ihre Bestzeit über 3000 Meter um sieben Sekunden und landete in 11:19,14 Minuten auf dem 20. Platz unter 29 U16-Läuferinnen.