Harburg
Jahreshauptversammlung

Generationswechsel beim Harburger Turnerbund steht an

Abschied vom Ehrenamt: HTB-Präsident Claus Ritter (r.) und sein Vize Klaus Buchholz leiten den Generationswechsel beim Traditionsclub ein

Abschied vom Ehrenamt: HTB-Präsident Claus Ritter (r.) und sein Vize Klaus Buchholz leiten den Generationswechsel beim Traditionsclub ein

Foto: Katrin Beyer

Abschied und Neuanfang: Beim Harburger TB scheiden Präsident Claus Ritter und fast der komplette Vorstand aus. Wie es weitergeht.

Harburg.  Irgendwie steht Claus Ritter unter Beobachtung. Wenn er an seinem Schreibtisch im Hause der Familie im Breitscheidweg Platz nimmt, ruht jedenfalls ein strenger Blick auf den 72-Jährigen. Denn an der Wand gegenüber hängt in Öl porträtiert Hermann Ritter, der Großvater mit Stehkragen, Krawatte und weißem Bärtchen. Man kann diesen täglichen Blickkontakt aber auch anders deuten. Im Büro zu Hause, dem Zentrum seiner Handelsfirma, hält der Präsident des Harburger Turnerbundes (HTB) engen Kontakt mit der Tradition.

In der Haakestraße ist Claus Ritter groß geworden. „Seit mehr als 150 Jahren ist unsere Familie in Harburg geschäftlich aktiv“, sagt er, „die alten Gebäude im Seehafen stehen noch und auch der Firmenname Renck-Hessenmüller ist noch zu lesen. Ein Großteil meiner Kindheit aber habe ich beim HTB verbracht. Für mich ist der Verein wie eine zweite Familie.“

Claus Ritter ist seit 51 Jahren für seinen HTB ehrenamtlich im Einsatz – seit 1994 als Vizepräsident, seit 14 Jahren als Präsident. Heute, am Freitag bei der Hauptversammlung (19 Uhr, Clubhaus) wird die Ritter-Ära beim HTB zu Ende gehen. Sicher mit Ovationen, für fast das gesamte scheidende Präsidium. Die Freunde hinterlassen ein Kapitel in der 150-jährigen Vereinsgeschichte, das verdient, mit goldenen Lettern verewigt zu werden.

Aber bei aller Würdigung und Lob für den scheidenden Präsidenten und seinen Führungsstab, mit Sicherheit lässt sich voraussagen: Wenn Claus Ritter in seiner letzten Rede als HTB-Präsident „Danke für all die Unterstützung“ sagt, darf auch gelacht werden. Wie immer seit 14 Jahren, wenn der Mann mit dem grauen Haar ein Mikrofon in die Hand genommen hat. „Alle und alles zusammen zu führen, das habe ich als meine wichtigste Aufgabe angesehen“, sagt der Vater von zwei Töchtern und Großvater von drei Enkeln. „Interessen ausgleichen, auch mal schlichten, das war mein wichtigster Zuständigkeitsbereich. Für mich war und ist der HTB immer mehr als ein reiner Sportanbieter. Ich spreche lieber von unserer Vereinsfamilie. Und bei allen Veränderungen und Neuerungen, wir haben im Präsidium dafür gesorgt, dass dieser Zusammenhalt und die Freundschaften über Generationen in die Zukunft gerettet werden.“

Wie stark sein Verein und erst recht der Handballsport sein Leben begleiten und prägen, wird einem bewusst, wenn Claus Ritter mit geradezu jugendlicher Begeisterung von Früher erzählt. „In der Halle Kerschensteinerstraße haben in den 60er Jahren die HSV-Handballer gespielt. Beim Punktspiel gegen Gummersbach war ich als 16-Jähriger schon Torrichter.“ Mit 26 hat Claus Ritter, meist mit Michael Horstmann als Partner, zwei Jahre in der Hallen-Bundesliga gepfiffen. „Wir wurden damals als Schiedsrichter anerkannt“, sagt er, „auch in der hitzigsten Situation konntest du mit den Spielern reden.“ Ungemein gerne erzählt er von seinem Einsatz in Kuwait. Das war 1979 und im Auftrage des Deutschen Handball-Bundes leitete er Finalspiele um die Landesmeisterschaft. „Zehn Tage waren wir Ehrengäste der Scheichs, mit allem Luxus, der dazugehört. Das war schon irre.“

Aber zurück zu seinen 14 Jahren an der Spitze des Turnerbundes. Auf die Frage nach seiner größten Leistung, ist die Antwort so typisch für Claus Ritter. „Dass ich Klaus Buchholz, den ich vorher nicht kannte, als Vize fürs Präsidium gewinnen konnte, das war das Beste, was ich für den HTB getan habe.“ Zwei Jahre später kam Ralph Fromhagen dazu, der als einziger im Präsidium bleiben wird. Die drei vor allem waren es, die ihrem HTB eine neue Zukunft schufen. Aus der traditionsbeladenen Jahnhöhe wurde innerhalb von drei Jahren ein moderner Sportpark mit dem für 2,5 Millionen erbauten Clubhaus als stolzem Mittelpunkt.

Heute Abend wird der Generationswechsel vollzogen. Als Nachfolger für Claus Ritter steht Michael Armbrecht aus der Tennisabteilung zur Wahl. Für Klaus Buchholz ist mit Olaf Gayko erneut ein Mann aus der Fußballsparte bereit. Für Jürgen Kolbow, der dritte Vize im Präsidium, kandidiert Sven Vogler und als Nachfolger von Ulrich Meya auch aus der Fußballsparte Andreas Deden.