Harburg
Leichtathletik

110 Kilometer sind nur eine Zwischenstation

Foto: Hendrik Spöring / HA

Der 24-jährige Hendrik Spöring aus Winsen meistert Ultralauf auf Korsika auf Rang 22 und will 2016 um das Mont-Blanc-Massiv laufen.

Winsen.  Es gab Zeiten, da lief der Junge aus dem Winsener Ortsteil Pattensen einfach nur 1000 Meter – mal allein, mal in der Staffel. Das ist ungefähr zehn Jahre her. Heute beschäftigt sich Hendrik Spöring, der immer noch das Trikot der LG Nordheide trägt, mit Distanzen, die zwei weiteren Nullen aufzuweisen haben. Sein jüngsten Projekt führte ihn auf die Mittelmeerinsel Korsika. Auf dem Programm stand der Ultra Trail di Corsica (UTC), ein unglaublicher Ultralauf über 110 Kilometer und 8000 Höhenmeter.

Für den 24-jährigen Spöring bedeutet die erfolgreiche Teilnahme nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum ganz großen Ziel: dem Start beim Ultra Trail du Mont Blanc (UTMB) 2016, einem der längsten Läufe der Welt über 166 Kilometer rund um das Mont-Blanc-Massiv in den französischen Alpen. Um sich überhaupt bewerben zu dürfen, müssen die Extremsportler innerhalb von 24 Monaten drei große Ultraläufe absolviert haben. 2014 legte Spöring mit dem 80 Kilometer langen Mountainman über 5000 Höhenmeter in der Schweiz den Grundstein. Nun folgte der zweite Schritt.

In den malerischen Bergen von Korsika traute sich Hendrik Spöring zum ersten Mal an eine Distanz jenseits der 100 Kilometer heran. Als wären die 110 Kilometer des Ultra Trail di Corsica nicht schon genug, verläuft die Strecke auch noch über den 2706 Meter hohen Monte Cinto und viele unlaufbare Geröllfelder. Insgesamt türmen sich vor den Athleten mehr als 8000 Höhenmeter auf.

Wie kann der Körper solche Belastungen überstehen? Hendrik Spöring habe sich akribischer als in den letzten Jahren auf die enormen Höhenunterschiede vorbereitet. „Während des Winterurlaubs in den Alpen konnte ich die verschneiten Berge zum Aufbautraining nutzen. Anschließend habe ich mit befreundeten Ultra-Marathonläufern viel in Schottland trainiert, wo ich bis vor kurzem studiert habe“, erzählt der ehemalige Schützling von Gerd und André Prüsmann aus Winsen. Zusätzlich bereitete er sich mit Krafttraining auf die vielen Bergan-Passagen vor.

Aufgrund der enormen Distanz wird der Ultra Trail di Corsica um Mitternacht gestartet. Dieses Jahr stellten sich 150 Ausnahmesportler der Herausforderung, nur die Hälfte war ihr letztlich gewachsen. Spöring startete nervös und vorsichtig, arbeitete sich am ersten 1500-Meter-Anstieg aus dem letzten ins erste Drittel nach vorn. Doch auch er musste beim Überqueren des Monte Cinto schwer kämpfen. Die hohen Temperaturen von bis zu 37 Grad und die dünne Höhenluft brachten die Teilnehmer viel früher als erwartet an ihre körperliche Belastungsgrenze.

„Das Klima und die vielen Geröllfelder haben mir im weiteren Tagesverlauf sehr zu schaffen gemacht. Teilweise konnte ich mehr als zehn Kilometer nicht laufen, weil ich einfach nicht mehr tief durchatmen konnte”, beschriebt Hendrik Spöring die Tücken. Bei Sonnenuntergang verspürte der LG-Nordheide-Athlet ein unglaubliches „Runner’s High“, das ihn in der zweiten Nacht nach vorn katapultierte. Für den Pattensener blieben die Uhren nach 110 Kilometer bei unglaublichen 25:38:58 Stunden stehen. Spöring belegte den sehr guten 22. Platz.

„Für eine solche Leistung braucht man unglaublichen Biss und ein in die Wiege gelegtes Talent“, lobte auch Tim Tomczak seinen Vereinskameraden. Hendrik Spöring sagte: „Die bisherigen Erfahrungen will ich in Zukunft nutzen, um die langen Strecken vom Start weg selbstbewusster angehen und bei den nächsten Wettkämpfen noch weiter vorn zu landen.“ Die nächsten Ziele sind weniger anspruchsvolle Ultramarathons in Frankreich und Südostasien, um sich auf die 100 Meilen im Sommer 2016 am Mont Blanc vorzubereiten.