Harburg
Handball

Länderspiel in Stove – ein Erlebnis fürs Leben

Flankiert von den Einlaufkindern singt die deutsche Handball-Jugend-Nationalmannschaft kurz vor dem Anpfiff die Nationalhymne mit. Im Hintergrund das siegreiche französische Team

Flankiert von den Einlaufkindern singt die deutsche Handball-Jugend-Nationalmannschaft kurz vor dem Anpfiff die Nationalhymne mit. Im Hintergrund das siegreiche französische Team

Foto: Markus Steinbrück / HA

450 Zuschauer bejubeln die Handball-Jugend-Nationalmannschaften von Deutschland und Frankreich beim Testspiel in der Elbmarschhalle.

Stove.  An ihnen hat es mit Sicherheit nicht gelegen, dass Deutschland verloren hat. Unablässig und je höher der Rückstand wurde, umso lauter, feuerten die Nachwuchshandballer der HSG Elbmarsch die deutsche Jugend-Nationalmannschaft an. Mit schwarz-rot-goldener Gesichtsbemalung, ausgestattet mit Pappklatschen, Deutschland-Schal und natürlich mit Fähnchen saßen sie in den ersten Reihen der Stover Elbmarschhalle und schrien, was das Zeug hält.

Ihr Enthusiasmus sollte nicht ungehört verpuffen. Die von Klaus-Dieter Petersen trainierte DHB-Auswahl des Jahrgangs 1999 riss sich in der zweiten Halbzeit noch einmal am Riemen, zeigte großen Kampfgeist und konnte die sich abzeichnende hohe Niederlage in Grenzen halten. Mit 14:7 lagen die Gäste aus Frankreich beim Halbzeitpfiff dieses Test-Länderspiels in Front, bauten diese auf 16:8 (35.) aus. Mit einem energischen Endspurt konnten die Gastgeber noch zum 20:26-Endstand verkürzen. Im ersten Vergleich zwei Tage zuvor in Aumühle hatte es ein 24:24-Unentschieden gegeben.

Für die jungen Fans auf der Tribüne war es das Ergebnis zweitrangig. Die Aufschrift auf ihren einheitlich neongrünen T-Shirts drückte die Botschaft dieses Abends aus: „Wir waren dabei!“, war dort zu lesen, daneben die Eckdaten „Deutschland – Frankreich, Länderspiel, Stove, 10.07.2015“. Wann kann man schon einmal ein Länderspiel in seiner Trainingshalle erleben? Viele der jungen Herrschaften waren noch nicht geboren, als es vor fast genau zehn Jahren das letzte Mal in Stove der Fall gewesen war.

Und so feuerten sie lautstark an, durften als Einlaufkinder an der Hand der Spieler einmarschieren, trugen die Flaggen beider Nationen in die Halle, legten bei der Nationalhymne die rechte Hand aufs Herz und sammelten nach dem Schlusspfiff kräftig Autogramme. Alles in allem ein tolles Erlebnis für die jungen Handballer aus der Elbmarsch. Für ein Team wird das Länderspiel ein erfreuliches Nachspiel haben. „Den internen Wettbewerb, welche Mannschaft am besten kostümiert ist, hat eindeutig die weibliche E-Jugend gewonnen“, sagte Hauptorganisatorin Gitta Wieberneit.

Gemeinsam mit insgesamt 40 Helferinnen und Helfer aus der HSG Elbmarsch und mit finanzieller Unterstützung der Wir-Leben-Apotheken und der Sparkasse Harburg-Buxtehude hatte sie ein rundum gelungenes und liebevoll arrangiertes Event auf die Beine gestellt. Belohnt wurde der Aufwand mit der beachtlichen Resonanz von 450 Zuschauern, in Aumühle waren es 60 weniger gewesen.

Auch Bundestrainer Klaus-Dieter Petersen machte deutlich, dass Stove ein besonderer Spielort für ihn sei. 2003 hatte er mit dem THW Kiel ein Testspiel gegen den seinerzeit noch in den Kinderschuhen steckenden HSV-Handball bestritten und war 2005 bereits in der neuen Funktion als Jugend-Bundestrainer in die Elbmarschhalle zurückgekehrt. „Ich habe viele Freunde hier. Gitta an der Spitze, aber beispielsweise auch Dirk Düvel“, sagte Petersen. „Er ist nicht nur der potente Geldgeber im Hintergrund. Er läuft auch die ganze Zeit durch die Halle und macht Fotos. Dirk lebt einfach den Handball. Er gehört zur Familie und ich fühle mich immer wohl, wenn ich zur Familie nach Stove zurückkehren kann“, schloss Petersen seine Lobeshymne.

Etwas Besonderes waren die Länderspiele auch für zwei spielende Lokalmatadoren, Rückraumspieler Tobias Höricke (3 Tore) und Kreisläufer Dominik Vogt (1) vom HSV-Handball, die in Stove von einigen Mitgliedern des HSV-Fanclubs Störtebeker unterstützt wurden. „Unser Hotel in Bergedorf war nur zehn Minuten von Lohbrügge entfernt, wo ich herkomme“, erzählt Höricke, „einmal sind wir mit dem Bus sogar an meiner Schule vorbeigefahren.“ Den meisten Kontakt mit den französischen Gäste in der gemeinsamen Trainingswoche hatten sie mit Noah Gaudin. Er ist der Sohn von Ex-HSV-Trainer Christian Gaudin und kann am ehesten etwas Deutsch sprechen. „Wir können auch leider kein Französisch“, ergänzt Dominik Vogt.

Übermäßig traurig sind die beiden HSVer nicht, dass sie nicht zu dem Teil der DHB-Auswahl gehören, die Ende Juli beim Olympischen Jugendfestival in Tiflis (Georgien) mitspielt. „Nächstes Ziel Sommerurlaub“, sagt ein erschöpfter Tobias Höricke grinsend. Erst am 7. August geht es für die beiden Nordlichter wieder mit Handball los, wenn sie mit dem HSV beim Trainingslager auf Usedom in die Vorbereitung zur A-Jugend-Bundesliga starten.