Harburg
Fussball

Borstel ist auf dem Sprung in die Landesliga

Kommt ein Oleg geflogen. Oleg Lich (MTV Borstel-Sangenstedt/rechts) befördert den Ball mit energischem Einsatz zu Mitspieler Marten Will. Ilmenaus Jan-Ole Rosenhauer (Mitte) ist geschlagen

Kommt ein Oleg geflogen. Oleg Lich (MTV Borstel-Sangenstedt/rechts) befördert den Ball mit energischem Einsatz zu Mitspieler Marten Will. Ilmenaus Jan-Ole Rosenhauer (Mitte) ist geschlagen

Foto: Erwin Sawert

Bezirksliga-Vizemeister gewinnt Relegations-Halbfinale mit 2:1 gegen SV Ilmenau. 500 Zuschauer bei strahlendem Sonnenschein in Bardowick.

Bardowick.  Das Endspiel um den Aufstieg in die Fußball-Landesliga Lüneburg bestreiten der MTV Borstel-Sangenstedt und der TuS Zeven. Damit geht der Wunsch von Sven Kathmann in Erfüllung. Dass der Borsteler Trainer von einem Sieg seiner Mannschaft überzeugt war, ist selbstverständlich. „Ich wünsche mir Zeven als Gegner“, sagte Kathmann unmittelbar nach dem 2:1 (1:0)-Erfolg des MTV Borstel-Sangenstedt im Relegations-Halbfinale gegen den SV Ilmenau.

Zu diesem Zeitpunkt kannte der Vizemeister der Bezirksliga zwei seinen Finalgegner noch nicht. Das Parallelspiel in Bremervörde zwischen TuS Zeven und SG Stinstedt ging in die Verlängerung und später sogar ins Elfmeterschießen. Erst in dieser knappsten aller Entscheidungen setzte sich Zeven mit 7:6 durch.

Kathmanns Wunsch resultierte nicht etwa aus der Überlegung, dass Zeven der vermeintlich leichtere Kontrahent wäre oder er deren Spielweise besser kennt. Nein, es ging ihm einzig und allein um den Austragungsort. Den hatte der Spielausschussvorsitzende Jürgen Stebani (Melbeck) schon vor den Halbfinals festgelegt. Bei einem Zevener Sieg ginge es nach Moisburg, sollte Stinstedt gewinnen, hätte Borstel nach Sottrum (an der A1 kurz vor Bremen) fahren müssen. Nun also Moisburg. „Das ist für uns und unsere Fans der deutlich kürzere Weg. Und wir kennen den Estepark gut“, sagte Kathmann. Erst eine Woche zuvor hatte der Altherren-Torhüter der SG Borstel/Luhdorf dort 1:1 gegen Gastgeber FC Este 2012 gespielt und war Kreisliga-Vizemeister geworden. Die entscheidende Partie um den Landesliga-Aufstieg wird am kommenden Sonnabend, 13. Juni, um 17.30 Uhr angepfiffen.

Das erste K.o.-Spiel in Bardowick wollten bei strahlendem Sonnenschein 500 Zuschauer sehen. Die in Grün und Weiß gehaltenen Borsteler Fans waren nummerisch, stimmlich und in puncto Kreativität deutlich in der Überzahl. Mit Claudio d´Ambrosio hatten sie sogar einen Einpeitscher mit Trommel auf dem Zaun postiert – wie beim HSV.

Endspielgegner am nächsten Sonnabend in Moisburg ist TuS Zeven

Beiden Teams war von Anfang an die Bedeutung der Partie anzumerken, sie kamen schwer ins Spiel. Die erste Gelegenheit bot sich Ilmenau. Doch MTV-Keeper Björn Nüsken kratzte den Schuss aus der Drehung gerade noch aus der unteren Ecke (3. Minute). Ilmenau versuchte in erster Linie mit langen Bällen zum Erfolg zu kommen und fand in der nicht immer sattelfesten Defensive Borstels regelmäßig Lücken. Borstel setzte mehr auf die spielerische Karte, ließ aber lange die Präzision vermissen. So dauerte es bis zur 42. Minute, bevor erstmals grün-weißer Jubel losbrach. In bester Messi-Manier ließ David Mehl auf der linken Seite vier Gegenspieler stehen und lupfte auf den in der Mitte völlig frei stehenden Lennart Woltmann. Der hatte alle Zeit der Welt, nahm das Leder jedoch volley aus der Luft und versenkte es unten links zur 1:0-Halbzeitführung.

Drei Minuten nach Wiederanpfiff hätte der junge Ehemann, der über Pfingsten seiner Isabell das Ja-Wort gegeben hatte, endgültig zum Helden werden können. In ähnlicher Position knallte er diesmal aber haushoch drüber. Zwei Minuten später verpasste David Mehl mit einem Kopfball, der über die Latte strich, die Vorentscheidung. Das 2:0 besorgte schließlich Kapitän Dominik Heuer (66.), der eine Freistoßflanke aus dem Halbfeld von Niklas Lingen aus zehn Metern einköpfte. Für Lingen war der Freistoß die erste Ballberührung nach seiner Einwechslung. Sogar auf das übliche Zurechtlegen des Balles per Hand hatte er verzichtet.

Dass es wieder spannend wurde, lag an Borstel selbst. Im Gegenzug landete der Ball nach einer verunglückten Rettungsaktion von Marten Will im eigenen Netz und bescherte Ilmenau den 1:2-Anschluss. Auf und neben dem Spielfeld wurde es hektischer. In der 76. Minute zeigte Schiedsrichter Nikolas Wilckens (SV Drochtersen/Assel) nach einem Zusammenprall zwischen Ilmenau-Torhüter Felix Pfanzagl und David Mehl auf den Elfmeterpunkt. Sein Assistent hatte die Situation anders gesehen und Wilkens entschied nach kurzer Diskussion auf Freistoß für Ilmenau. „Respekt für die mutige Entscheidung, den Elfmeter zurückzunehmen“, sagte Sven Kathmann später.

Bestimmt auch deshalb, weil sich beiden Mannschaften zwar noch einige Halbchancen boten, es letztlich aber beim verdienten 2:1-Sieg für den MTV Borstel-Sangenstedt blieb. „Für unsere junge Truppe war es heute eine besondere Situation und wir haben lange gebraucht, um die Verkrampfung zu lösen“, bilanzierte Kathmann, „über die 90 Minuten war es aus meiner Sicht ein verdienter Sieg. Auch weil wir das spielerisch bessere Team waren.“