Harburg
Pferdesport

Mit 100 Pferden am Limit

Lara Krüger und Hulingshofs Winchester, genannt Winni, gehören zu den Gewinnern bei der Vielseitigkeit in Neu Wulmstorf.

Lara Krüger und Hulingshofs Winchester, genannt Winni, gehören zu den Gewinnern bei der Vielseitigkeit in Neu Wulmstorf.

Foto: Thomas Ix

Zuspruch bei Vielseitigkeitsreitern in Neu Wulmstorf ist so groß wie nie. Lara Krüger wird Hamburger Jugendmeisterin.

Neu Wulmstorf.  Im kleinen Zelt auf dem Hügel an der Meldestelle für das Pfingstturnier beim Verein der Reiter vom Wesenberg in Neu Wulmstorf sind Kaffee und Kuchen, Würstchen und Nudelsalat im Angebot. An­drea Hupfeld, Hausherrin und Hamburger Landestrainerin der Vielseitig­-keits­reiter, serviert gerne auch einen Longdrink. Vom Hügel fällt der Blick auf eine junge Reiterin, die hinter den Bäumen auftaucht, ihr Pferd den Abhang hochtreibt, das erste und das zweite Hindernis nimmt und dann wieder aus dem Blickfeld verschwindet.

Seit zwölf Jahren lädt der kleine Reitverein über die Pfingsttage zu einem Vielseitigkeitsturnier ein. Und auch dieses Mal war es wieder ein Familientreffen der Hamburger Vielseitigkeitsreiter. Vor allem Amateurreiter aus dem niedersächsischen Umland und aus Schleswig-Holstein waren der Einladung gefolgt. „So viele Reiter hatten wir noch nie bei uns“, sagt Kristin Rohde, Ehefrau des Vereinsvorsitzenden Timo Rohde und Chefin der Meldestelle. „Mit mehr als 100 Pferden an den beiden Tage sind wir fast am Limit.“

Während Kristin Rohde erzählt, füllt Andrea Hupfeld einen Korb mit Siegerschleife und kleinen Ehrenpreisen. Den Korb hält der sechsjährige Max in der Hand. Die Siegerschleife ist für seine große Schwester bestimmt. Lara Krüger, 14 Jahre alt, ist mit „Winni“, ihrem gleichaltrigen Wallach, Hamburger Jugendmeisterin in der Vielseitigkeit geworden. „Winni“, ein mächtiges Pferd, heißt offiziell Hulingshofs Winchester.

Das Pferd und seine junge Reiterin stehen für die engen Verknüpfungen des Vielseitigkeitssports im Heimatgebiet. Als Lara Krüger mit ihrem Pferd am Zügel die Glückwünsche entgegen nimmt, freuen sich nicht nur ihr kleiner Bruder Max, die Mutter Katinka und die jüngeren Schwestern Julia und Ella. Mit dem Familienhund an der Leine steht auch Großvater Dr. Manfred Giesch dabei und lächelt. Der Chirurg aus Harburg, dessen eigener Traum von Olympia sich als junger Vielseitigkeitsreiter nicht erfüllte, hat für die Spiele in Rio das Flugticket schon in der Tasche. Er ist der Mannschaftsarzt der deutschen Championatsreiter, von den Vielseitigkeitsspezialisten bis zu den Kutschenfahrern und Voltigierern.

Höhere Sicherheit beim Geländeritt ist für ihn die aktuellste Sorge. „Wir machen uns Gedanken, ob wir den eigentlichen Sturz mit den Aktiven besser trainieren können“, sagte er, während seine Enkelin eine kleine Ehrenrunde drehte, und erzählte von Chris Bartle, der mit Bundestrainer Hans Melzer für den Nationalkader verantwortlich ist. Der habe sich auf seinem Reiterhof in England ein Holzpferd zugelegt. „Darauf lassen sich Stürze und das Gleichgewicht hervorragend trainieren“, erläuterte der reiterfahrene Mediziner. Und wiegelt sofort ab. Die frisch genähte Wunde über dem rechten Auge stamme nicht vom Training auf dem Holzpferd. „Nein, ich bin nicht vom Pferd gefallen“, kommt er allen Fragen zuvor. „Ich bin mit dem Fahrrad gestürzt.“ Mit den Risiken und Gefahren bei Sprüngen über feste Hindernisse ist auch Tochter Katinka Krüger vertraut. Gleich vierfach sogar, denn alle ihre Kinder reiten.

Die elfjährige Julia ist am Tage zuvor beim Bundeswettbewerb der Ponyreiter um die „Goldene Schärpe“ in der Einzelwertung 22. unter 90 Teilnehmern geworden. In der Mannschaft ritt sie für das Rheinland und wurde Achte. Ihr Pony, die Schimmelstute Canterville Fair, ist 20 Jahre alt und gehört schon lange zu der Neu Wulmstorfer Vielseitigkeits-Familie. „Die Stute gehörte der Schwester von Andrea Hupfeld“, erzählt Katinka Krüger. Das Pony der elfjährigen Ella heißt Kartoon, ist sogar schon 23 Jahre alt und der eigentliche Liebling der Mama. „Das Pony hat einen Herzfehler und ist doch ein so unglaublicher Kämpfer“, erzählt sie, „das lässt Julia nie im Stich.“

Und die Familie Krüger auch nicht ihre Pferde. „Winni“, der große Wallach, war als junges Vielseitigkeitstalent in die Obhut von Andreas Dibowski gekommen. Nach einer Huferkrankung nahmen die Krügers ihn auf ihre Weide. Als der Wallach wieder trainieren konnte, verletzte er sich erneut. Jetzt aber hat Lara, die Hamburger Meisterin, einen verlässlichen Partner in Winni gefunden.

Die Mutter und ihre drei Mädchen sind im Sommer an fast jedem Wochenende auf Turnieren unterwegs. Nur Max schwankt noch. Er begeistert sich auch für den Sport des Vaters. Peter Krüger ist Hockey-Cheftrainer bei Klipper Hamburg.