Harburg
Radsport

Neuer Schwung für den Großen Preis

Die Radrennfahrer belauern sich. Beim Eliterennen des Großen Preises von Buchholz bestimmt weitgehend auch die Team-Taktik das Renngeschehen

Die Radrennfahrer belauern sich. Beim Eliterennen des Großen Preises von Buchholz bestimmt weitgehend auch die Team-Taktik das Renngeschehen

Foto: Volker Koch

Spitzensport und Nachwuchsförderung prägen das traditionelle Straßenrennen von Blau-Weiss Buchholz am Himmelfahrtstag bei der 24. Auflage

Buchholz.  Es ist keine der vielen mitreißenden Szenen beim Großen Preis von Buchholz. Aus dem Steinbecker Mühlenweg biegt ein einsamer Fahrer in die Bremer Straße ein und quält sich den steilen Anstieg hoch. Der Mann mit der Startnummer 15 hat längst den Anschluss verpasst. Und doch applaudieren die Zuschauer jenem Shane Riedel vom Kieler RV. Und rufen dem Letzten Aufmunterungen zu. Das gehört zu den liebenswürdigen Besonderheiten beim Radsport. Auch in aussichtsloser Position Mut und Kampfgeist zu zeigen, wird von den Zuschauer anerkannt und belohnt.

Als Minuten später mit aufgeblendetem Licht der schwarze Audi aus der Kurve schießt, dreht sich auch die lautstarke Gruppe mit dem Bollerwagen zur Rennstrecke um. Die Vatertagstour hat die jungen Männer aus Jesteburg zum Radrennen nach Buchholz geführt. Als die beiden Führenden im Eliterennen vor ihnen das Tempo anziehen, stellen einige der Jesteburger ihre Bierbecher ab und feuern die Spitzenfahrer kräftig an.

Auch beim 24. Rundstreckenrennen in Buchholz hat sich der Rahmen für die Radsportveranstaltung im Grunde nicht verändert. Die Radrennen bleiben der spektakuläre Mittelpunkt am Vatertag. Und auch Udo Krapf ist wieder als Zuschauer an der Strecke, der diese Veranstaltung einst etablierte und ihr über viele Jahre zu bundesweiter Bedeutung verhalf. Mehr als zwei Jahrzehnte lang jubelten die Besucher internationalen Stars wie Erik Zabel zu. Als die Doping-Skandale den Radsport aus der Bahn warfen, musste auch Udo Krapf die Segel streichen. Es ist Norbert Stein, dem Leiter der Radsportabteilung von Blau-Weiss Buchholz zu verdanken, dass die Traditionsveranstaltung neu belebt werden konnte. Wenn auch bescheidener als reines Straßenrennen für Amateure.

Dabei ist der junge Mann, der an der Spitze das Geschehen auf dem 2,8 Kilometer langen Rundkurs bestimmt, ein Athlet mit großen Hoffnungen. Yannick Gruner, ein 20-Jähriger aus Herford, dominiert gemeinsam mit dem Berliner Sebastian Wotschke das Rennen. Die beiden jagen bis zu einer Minute vor dem Hauptfeld her. Damit Spannung im Rennen bleibt, locken die Veranstalter immer wieder mit Spurtprämien für die Verfolger. In der letzten Runde erst setzt sich Yannick Gruner entscheidend ab. Schon weit vor der Ziellinie reckt der Radsportler, der 20 und mehr Stunden wöchentlich trainiert, die Arme in den Himmel und rollt lachend dem Sieg beim 24. Großen Preis von Buchholz entgegen. Sebastian Wotschke, mit dem er sich so lange die Führungsarbeit geteilt hatte, wurde genauso deutlich Zweiter.

Unter den vielen Dauergästen war am Rande immer wieder die Frage zu hören: „Und wo bleibt Jannick Geisler?“ Vor genau zehn Jahren hatte der zweimalige deutsche Jugendmeister von der Harburger RG hier sein erstes Rennen gewonnen. Diesmal aber wurde er überrundet. Das allerdings beleuchtet eine der Schwachstellen solcher Straßenrennen. Wie der Sieger Yannick Gruner fährt auch der Harburger Jannick für das Stevens Racing Team. „Wenn einer von uns an der Spitze liegt“, so der Student, „dürfen wir nicht angreifen. Das ist Team-Taktik, aber irgendwie auch Wettbewerbsverzerrung.“

Das heißt allerdings nicht, dass beim Großen Preis getrödelt wurde. Beim Kampf über 112 Kilometer wurden schließlich mehr als 42 Stundenkilometer im Durchschnitt getreten. Die Elitefahrer sorgen für den Höhepunkt. Aber die Veranstaltung in Buchholz ist auch Stolz und Freude für die Kinder. „Das Rennen für die Altersklassen U11 und U13 haben wir extra um die Mittagszeit gestartet“, sagt Norbert Stein. „Dann sind viele Zuschauer an der Strecke. Für die Mädchen und Jungen, die ihre Rennen sonst meist ohne Zuschauer bestreiten, ist das ein tolles Erlebnis.“ Diese Art der Nachwuchsförderung soll den Großen Preis von Buchholz wieder in Schwung bringen. Stein: „Mit fast 100 Teilnehmern im Eliterennen und mehr als 300 Fahrern insgesamt hatten wir gegenüber dem Vorjahr wieder eine deutliche Steigerung. Und es waren auch deutlich mehr Besucher an der Strecke“.

Die Buchholzer haben dabei nicht nur applaudiert. Aktive von Blau-Weiss wurden auch als Sieger gefeiert, wie Annika Pawlus, das schnellste Mädchen auf der Strecke. Ihr Bruder Franz wurde Vierter bei der U17. Am meisten umjubelt aber wurde diesmal Vater Peter Pawlus. Der 44-Jährige, der erst seit drei Jahren bei Lizenz-Rennen startet, fuhr 14 von den 20 Runden ganz alleine vorne weg.