Fußball

Angst vor großen Namen gehört der Vergangenheit an

| Lesedauer: 4 Minuten
Volker Stahl

Die U17-Junioren des TV Meckelfeld messen sich in der Fußball-Niedersachsenliga erfolgreich mit Bundesliga-Nachwuchs. Trainer Michel Welke ist zugleich Chefcoach bei der U14 des FC St. Pauli.

Meckelfeld. Sie rocken zwar nicht ihre Spielklasse, sind aber auf einem guten Weg, den Klassenerhalt in der Niedersachsenliga zu schaffen – die Fußball-B-Junioren des TV Meckelfeld. Trainiert wird die erfolgreichste U17-Juniorenmannschaft aus der Region von einem treuen Anhänger des FC St. Pauli. Michel Welke, 27, ist nicht nur seit zehn Jahren im Besitz einer Dauerkarte, sondern trainiert auch die U14 des Kiezclubs.

Seine St. Paulianer wollen mindestens so erfolgreich werden wie der 1998er-Jahrgang des TV Meckelfeld. „Sechs Spieler bilden den Kern der Mannschaft“, erklärt Welke das Erfolgsgeheimnis von mehreren Aufstiegen in Folge. „Die spielen schon seit der D-Jugend zusammen. Da ist etwas zusammengewachsen.“ Der Rest des Teams gehört seit zweieinhalb Jahren dazu – genauso lange ist der Lehramtstudent für Geografie und Informatik Cheftrainer der Mannschaft, die schon zahlreiche Titel einheimsen konnte. Sie holte den Kreishallenpokal 2008 und 2012, errang die Kreisligameisterschaft 2007, 2008, 2009 und 2011, die letzte hatte den Aufstieg in die Bezirksliga zur Folge. Dort wurde der TVM-Nachwuchs Zweiter, ging eine Klasse höher in die Landesliga und anschließend sogar in die Niedersachsenliga.

Dort überwintert die U17 des TV Meckelfeld mit zwölf Punkten und 15:16 Toren auf dem neunten Tabellenplatz. Nach einem guten Saisonstart mit vier Punkten aus zwei Auswärtspartien schwächelte der TVM zuletzt und verabschiedete sich Am Anger mit einer unglücklichen 0:1-Heimniederlage gegen SV Meppen in die Winterpause – der Schiedsrichter verweigerte einem Freistoßtreffer von Leandro Louro die Anerkennung. Der Ball war von der Unterkante der Latte hinter die Linie gesprungen.

Welke zieht zum Jahresende 2014 ein positives Zwischenfazit. „Ich bin zufrieden damit, wie sich die Jungs in der neuen Liga präsentiert haben. Sie haben hohen Aufwand betrieben, sind aber nicht immer dafür belohnt worden.“ Damit spielt der junge Coach auf vier 0:1-Niederlagen an, bei denen Meckelfeld nie die schlechtere Mannschaft war. In der Rückrunde setzt Welke deshalb auf den Faktor Erfahrung: „In den ersten Spielen hat die Angst vor großen Namen noch eine Rolle gespielt.“ Die hießen Arminia Hannover, VfL Osnabrück, Hannover 96 und Eintracht Braunschweig. Beim Bundesliga-Nachwuchs mussten sich seine Jungs sogar fiese Sprüche anhören. „Na, und in welcher Liga spielt Eure Erste Herren denn?“, feixten die Junglöwen vor der Partie. Trotz der Sticheleien stand es nach 90 Minuten aus Eintracht-Sicht „nur“ 2:2. Und der TV darf sich darüber freuen, dass Braunschweig II derzeit hinter den forschen Jungs aus der Provinz rangiert.

Torwart Kennett Wentzin ist der Spieler der Hinrunde

Michel Welkes Ziel ist es, in der Rückrunde schnell den Abstand zu den Abstiegsrängen – aktuell sind es zwei Punkte – zu vergrößern. „Uns fehlt noch die Kreativität im Spiel nach vorne, daran müssen wir arbeiten.“ Defensiv steht die Mannschaft schon gut, lässt selten mehr als ein Gegentor zu. Weitere Stärke ist die taktische Disziplin des breiten Kaders, zu dem laut Welke „14 richtig gute Leute“ gehören – darunter Torwart Kennett Wentzin, 15. „Er ist ein super Rückhalt und für mich der Spieler der Hinrunde“, lobt der Trainer.

Der fast zwei Meter lange Keeper ersetzte den zum FC St. Pauli gewechselten Tim Burgemeister, der das Pauli-Tor in der Junioren-Bundesliga hütet. Auch seinem aktuellen Schützling Jan Langschwager, rechter Verteidiger und Abwehrchef mit Übersicht, traut Welke den Sprung in den Profibereich zu: „Er bringt alles mit: Talent, eine gute Einstellung und den nötigen Willen, sich durchzusetzen.“ Langschwager könnte nach Burgemeister und Florian Carstens der dritte Meckelfelder sein, der sich den Braun-Weißen anschließt.

Dort gehört Welke, der früher bei Grün-Weiss Harburg gekickt und trainiert hat, seit einem Jahr zum Trainerstab, seit Oktober ist er U14-Chefcoach: „Der Verein hat 2013 Kontakt zu mir aufgenommen. Da konnte ich trotz der Dreifach-Belastung durch Studium, Meckelfeld und St. Pauli nicht ‚nein‘ sagen.“ Als größten Unterschied hat Welke das Verhalten der Eltern ausgemacht: „Während es in Meckelfeld sehr familiär zugeht, bekommt man auf St. Pauli von 13 am Spielfeldrand stehenden Bundesliga-Trainern Ratschläge.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport