Fußball

Bewegender Abschied vom Wilschenbruch

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Volker Stahl

Mit einem 1:1 gegen Drochtersen/Assel nehmen die Oberliga-Fußballer des Lüneburger SK Abschied von ihrer historischen Spielstätte. Im Kampf um die Spitze liegt der LSK jetzt sechs Punkte hinter FT Braunschweig.

Lüneburg. Bewegender Abschied vom Wilschenbruch nach 110 Jahren. 1600 Zuschauer waren gekommen, um das letzte Heimspiel der Oberliga-Fußballer des Lüneburger SK Hansa auf dem Traditionssportplatz mitzuerleben. Ein Sieg war dem Aufstiegsaspiranten in die Regionalliga jedoch nicht vergönnt – die SV Drochtersen/Assel wurde ihrem Ruf als Auswärtsschreck gerecht und erkämpfte sich ein verdientes 1:1.

Die besondere Stimmung war schon lange vor Spielbeginn zu spüren. An den Eingängen verteilten LSK-Mitglieder 1000 Zettel mit dem Text der Fußball-Hymne „You’ll Never Walk Alone“ an die Zuschauer. Wer wollte, konnte nach dem Abpfiff in den traurigen Chor mit einstimmen. Doch zuvor rollte noch einmal 90 Minuten lang der Ball über den Rasen. Die Hausherren nahmen das Heft in die Hand und versuchten, die Partie in den Griff zu bekommen. Das gelang zunächst. In der 13. Minute segelte eine Flanke in den Drochtersener Strafraum. Angreifer Lukas Hertting und Drochtersens Abwehrspieler Meikel Klee stiegen zum Kopfball-Duell hoch. Der Lüneburger sank zu Boden, Schiedsrichter Stefan Zielsdorf pfiff und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Onur Saglam ließ sich die Chance nicht entgehen und schoss den Ball flach in die rechte untere Ecke zum 1:0 für den LSK ins Tor. Gäste-Keeper Christoffer Schellin hatte seine Fingerspitzen noch an die Kugel bekommen, konnte den Treffer aber nicht verhindern.

Nach dem Spiel schrieb der Unparteiische den Vermerk „Elfmeter nach Stoßen im Strafraum“ in den Spielberichtsbogen – sehr zum Verdruss von Gäste-Coach Lars Jagemann, der die Situation anders beurteilt: „Beide stiegen normal zum Kopfball hoch. Wenn man den gibt, muss man fünf oder sechs Elfer pro Spiel pfeifen. Das war eine Lachnummer.“ Nach diesem Aufreger tat sich bis zur Halbzeitpause nicht mehr viel. Der LSK war das spielbestimmende Team, weitere Torchancen sprangen trotz intensiven Bemühens nicht heraus. Auch die Gäste strahlten keine Gefahr aus. Ihre meist lang geschlagenen Bälle waren eine leichte Beute für die Lüneburger Abwehr.

Nach dem Seitenwechsel bot sich der Rekordkulisse ein anderes Bild. Drochtersen ging nun aggressiver in die Zweikämpfe. Nur vier Minuten nach Wiederanpfiff wurde der Tabellensiebte für sein größeres Engagement belohnt. Nico Matern steckte den Ball geschickt durch das Lüneburger Abwehrgeflecht, Daniel Gröne verlängerte ihn auf Angreifer Danny-Torben Kühn, der plötzlich mutterseelenallein auf LSK-Keeper Maximilian Wulf zusteuerte. Der Schlussmann wusste sich in dieser Situation nur durch ein Foul zu helfen – Elfmeter! Nico Matern schnappte sich die Kugel und verwandelte sicher zum Ausgleich, indem er Wulf in die rechte Ecke schickte und den Ball in die linke Ecke schob.

Der LSK war geschockt und wurde erst nach einem Doppelwechsel in der 71. Minute (Sven Möller für Gökhan Iscan und Benjamin Tillack für Lukas Herrtin) agiler und setzte voll auf Sieg. Doch mehr als zwei Chancen sprangen bei den Angriffsbemühungen nicht heraus. Um ein Haar wäre die Schlussoffensive sogar nach hinten losgegangen. In der 84. und 87. Minute tauchten Nico Matern und Daniel Gröne jeweils frei vor Wulf auf, scheiterten jedoch am LSK-Torwart und ihren Nerven. „Solche Chancen muss man machen“, ärgerte sich Jagemann, „heute haben wir Abschiedsgeschenke verteilt.“

Lüneburgs Obmann Thomas Wiebe bedauerte zwar, dass seine Mannschaft nicht gewonnen hat, konstatierte aber: „Das war eine enge Geschichte mit gerechtem Ausgang. Mit dem Remis bleiben wir im Aufstiegsrennen.“ Nach dem Abpfiff verabschiedeten sich die Lüneburger Fußballer mit Würde von „ihrem“ Platz. Die Liga-Mannschaft bildete zusammen mit Jugendspielern am Anstoßpunkt einen Kreis und sang nach Leibeskräften. Der Rest war Tränen.

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