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Das letzte Fußballspiel im Lüneburger Wilschenbruch

Abschied nach 110 Jahren: LSK trifft auf Drochtersen/Assel

Lüneburg. Beim Trauerspiel um den Wilschenbruch fällt am Sonntag der letzte Vorhang. Nach 110 Jahren verabschieden sich die Fußballer des Lüneburger SK Hansa mit der Oberliga-Partie gegen die SV Drochtersen/Assel vom ihrem Traditionssportplatz. Anpfiff ist um 15 Uhr, eine große Kulisse ist gewiss. Lüneburgs Co-Trainer Thomas Oelkers ist froh darüber, dass das Tal der Tränen endlich durchschritten ist: „Es ist gut, wenn der Tag vorbei sein wird und wir uns wieder auf den Fußball konzentrieren können.“

Die frühesten Erinnerungen des gebürtigen Lüneburgers kreisen um den Wilschenbruch. Als Vierjähriger fuhr er mit seinem Vater zum ersten Mal zum Training und „war überwältigt von dem Ort“. Er saß mit anderen Buttjes bei großen Spielen auf der Außenlinie, später pflügte er als Aktiver mit seinen Stollen von 1973 bis 1990 den Rasen um. „Der Wilschenbruch ist mein zweites Zuhause“, sagt er, „es ist ein seltsames Gefühl, nach dem letzten Heimspiel seine Sachen zum letzten Mal einzusammeln.“ Erhard Rölcke, der Vereinschronist des LSK, hat 13 Jahre lang vergeblich um den Erhalt des Stadions gekämpft. „Einer der Hauptbeteiligten, die es zu dieser Schieflage haben kommen lassen, hätte den Abriss verhindern können“, erhebt er Vorwürfe. Die Kritik richtet sich an den Lüneburger Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Statt den Verein zu unterstützen, wie es seine Aufgaben im Wirtschaftsrat des LSK gewesen sei, habe er mit dazu beigetragen, dass dem Club von der Sparkasse ungesicherte Kredite gewährt worden seien, wettert Rölcke: „Das hätte er verhindern müssen.“ Nun ist es zu spät. Am 24. März kommen die Bagger, viele Bäume am Wilschenbruch sind bereits gefällt. „Das tut weh. Lüneburg ist einfach keine Sportstadt“, bedauert auch Fußball-Legende Ralf Sievers: „Wenn ich sehe, wie viel Geld bei der Leuphana-Universität verpulvert wird, ist man sauer, der Lüneburger Sport verfügt nicht einmal über einen einzigen Kunstrasen.“

Am 31. März muss der LSK das Gelände räumen. Seit Mitte Februar sind zahlreiche Helfer dabei, den Rückbau der Sportplatzausstattung vorzunehmen und taugliches Material in Kisten zu verpacken. Für den großen Umzug nach dem Drochtersen-Spiel sucht der Oberliga-Club weitere Ehrenamtliche, die mit anpacken (Informationen unter: www.lsk-umzugshelfer.de). Alle Unterstützer erhalten eine Urkunde.

Die Liga-Mannschaft schlüpft bis zur Fertigstellung des neuen Sportgeländes auf dem Areal der Theodor-Körner-Kaserne beim befreundeten TSV Bardowick unter. Die Jugendmannschaften weichen auf die Anlagen der Lüneburger SV, des VfL Lüneburg, VfB Goseburg und TuS Erbstorf aus.

Vor diesem Hintergrund verblasst der sportliche Wert des Spiels des Aufstiegsaspiranten LSK gegen den Tabellensiebten ein wenig. Positiv aus Lüneburger Sicht: Dem Trainergespann Elard Ostermann und Thomas Oelkers steht der komplette Kader zur Verfügung. „Wir wollen natürlich zum Abschied gewinnen, und wenn es nur ein 1:0 ist“, sagt Oelkers, der dem auswärts extrem starken Gegner Respekt zollt. Die Kehdinger seien unberechenbar und stark im Kontern. Auch Trainer Lars Jagemann bedauert den Abschied vom Wilschenbruch: „Schade, dort habe ich viele Klassiker erlebt.“