Lüneburg

In jedem Ausrutscher steckt auch ein Sieger

Mit dem Engagement für Jugendliche im Freizeitarrest gewinnt Todtglüsinger SV den großen Stern des Sports in Bronze von drei Kreissportbünden

Lüneburg. Der größte Sportverein im Landkreis Harburg ist auch in puncto gesellschaftliches Engagement eine große Nummer. Bei dem von der Volksbank Lüneburger Heide und drei Kreissportbünden initiierten Vereinswettbewerb "Sterne des Sports" wurde der Todtglüsinger SV als Gesamtsieger mit dem großen Stern des Sports in Bronze ausgezeichnet. Der Verein gewann nicht nur 2000 Euro Preisgeld, sondern vertritt die Landkreise Harburg, Lüneburg und Heidekreis auch beim niedersächsischen Landesentscheid Anfang Dezember in Hannover. Vor fünf Jahren stand Todtglüsingen sogar überregional im Rampenlicht, als die mittlerweile 6300 Mitglieder starke Gemeinschaft den dritten Platz auf Bundesebene erreichte.

Volksbank Lüneburger Heide schüttet 15.000 Euro Gesamtpreisgeld aus

"Wer kümmert sich um die Ausrutscher?", heißt das aktuell preisgekrönte Projekt, das nicht nur die Jury, sondern auch die Vertreter aller 37 am Wettbewerb beteiligten Vereine bei der Siegerehrung in Lüneburg beeindruckte. In enger Kooperation mit dem Amtsgericht Tostedt betreut der Todtglüsinger SV straffällig gewordene Jugendliche im Freizeitarrest und bei der Ableistung von Sozialstunden. Während des von Freitagabend bis Montagmorgen währenden Arrests dürfen sie an zwei Vormittagen ihre Zelle verlassen. "Einmal leisten die Jugendlichen Hand in Hand mit anderen Vereinsmitgliedern körperlich schwere Arbeit an unserem Baggersee", erklärt die erste Vorsitzende Renate Preuß, "am zweiten Tag können sie ihre Aggressionen durch Kraftsport in der Halle dämpfen." Das in der Wettbewerbskategorie Integration ausgezeichnete Ausrutscher-Projekt läuft erfolgreich seit mehr als sechs Jahren.

Neben den vielen ehrenamtlichen, in den Vereinen meist im Verborgenen wirkenden Sternen hatte die Siegerehrung im Rittersaal der Handwerkskammer Lüneburg auch einen wahrhaftigen Sportstar zu bieten. Skispringer Dieter Thoma feierte einst Siege bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, bevor er mit dem Millenniumssprung an der Jahrtausendwende seine Karriere nach acht Knie-Operationen beenden musste. Seitdem ist er als Co-Moderator im Fernsehen an den Schanzen präsent. Sympathisch wie eh und je, nahm der 43-jährige Schwarzwälder die Gäste mit seinem Vortrag "Jeder ist als Sieger auf die Welt gekommen" mit auf eine Zeitreise durch seine Karriere und zeigte Parallelen zwischen Leistungssport und dem wahren Leben auf.

"Ich bin immer auf der Suche nach dem nächsten Traum. Ein bisschen Fantasie muss man dafür natürlich mitbringen", ermunterte Thoma zu einer optimistischen, in die Zukunft gerichteten Denkweise. Der dreifache Familienvater engagiert sich neben den Tätigkeiten als Moderator, Referent und Berater von Unternehmen auch für die Stiftung "Spielend helfen e.V.". Mit Benefiz-Golfturnieren haben Thoma und der ehemalige Kunstrad-Weltmeister Harry Bodmer schon 430.000 Euro für die Krebsnachsorge-Kinderklinik Katharinenhöhe in Schönwald im Schwarzwald gesammelt.

FFN-Moderator Peter-Michael Zernechel rief bei der Siegerehrung mit der SV Bothmer/Norddrebber und dem VfL Lüneburg auch die Gewinner des Stern des Sports für die Landkreise Heidekreis und Lüneburg, dotiert mit jeweils 1500 Euro, aus. Unter dem Motto "Kinder stark machen" fördert der VfL Lüneburg mit speziellen Angeboten im Erlebnissport und in der Psychomotorik die individuelle Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. "Es ist normal, anders zu sein", beschrieb Übungsleiterin Astrid Müller im Interview mit Zernechel den Grundgedanken des Projekts.

Dieter Thoma sammelt Spenden für Kinderkrebsklinik im Schwarzwald

Umrahmt wurde die stilvolle Abschlussveranstaltung, bei der die Volksbank Lüneburger Heide Gesamtpreisgelder von fast 15.000 Euro plus weitere Gutscheine ausschüttete, von zwei spektakulären Auftritten der Funny Skippers aus Lüneburg. Die jungen Damen bewiesen eindrucksvoll, dass modernes Rope Skipping viel mehr ist als das Seilspringen aus Kindertagen.