Scharnebeck

Reitsport auf höchstem Niveau

Investitionen des Reit- und Fahrvereins Echem-Scharnebeck werden mit hochklassigem Himmelfahrtsturnier belohnt.

Scharnebeck. Die Dramaturgie der spektakulärsten Springprüfung beim traditionsreichen Himmelfahrtsturnier in Scharnebeck war vorgegeben. Das Gütesiegel für das Zwei-Sterne-S-Springen, mit dem die vier Turniertage ausklangen, wurde auf der Internetseite des Vereins mit "Sowas gab es in Scharnebeck noch nie" vorgegeben. Dieser schwierigste und mit 3750 Euro höchst dotierte Wettbewerb wurde im Stechen entschieden. Sechs Reiter durften noch einmal die neun Hindernisse überwinden. Das Dramatische dabei ist, dass der Schnellste des ersten Umlaufs im entscheidenden Durchgang als Letzter startet. Nervenzerren also bis zum allerletzten Sprung.

Der Mann, der den atemberaubenden Schlusspunkt beim Reit- und Fahrverein Echem-Scharnebeck setzte, heißt Marcel Buchheim. Der international erfahrene Reitersmann kommt aus Allersehl, wo über Pfingsten das mit mehr als 4000 Teilnehmern größte deutsche Reitturnier stattfindet. In Scharnebeck schlugen die Herzen der rund 600 Zuschauer jedoch für einen 19-Jährigen, den die meisten Vereinsmitglieder seit seiner Kindheit kennen. Als Glenn-Vincent Gerner auf das Startzeichen wartet, wird es still rund um den Springparcours. Konzentriert treibt er Vento, sein junges, hochbegabtes Pferd, an. Sie nehmen das erste, dann das zweite Hindernis. Als die oberste Stange scheppert, sind leise Aufschreie unter den Zuschauern zu hören. Dann der letzte Sprung, der letzte Kampf um Hundertstelsekunden. Beifall, Pfiffe, Johlen, Zurufe. Das große Talent Glenn-Vicent Gerner, der kein Berufsreiter ist, hat null Fehler und 47,43 Sekunden auf der Uhr. Das ist die Führung. Aber noch kommen zwei der erfahrenen Profis.

Hauke Luther aus Preetz mit dem großen Familiennamen im internationalen Springsport und Chaio sind 68 Hundertstel schneller. Dann kommem Marcel Buchheim und sein wendiger Trakehner Abahatschi. Was die beiden zum Abschluss zeigen, wird den Pferdesportfreunde in Scharnebeck noch lange in Erinnerung bleiben. Ihre Siegerzeit beträgt 44,83 Sekunden.

"Wir können voller Stolz Bilanz ziehen", sagt Tanja Vogt, Geschäftsführerin des 350 Mitglieder starken Reit- und Fahrvereins Echem-Scharnebeck, "das war das sportlich hochwertigste und am stärksten besetzte Turnier, das wir je veranstaltet haben." Vereinsvorsitzender Christian Vosgerau ergänzt. "Daran und dafür arbeiten wir seit Jahren. Wir haben den Turnierplatz aufgefrischt und in die gesamte Anlage investiert, damit sich die Reiter wohl fühlen. Um Profis zu gewinnen, muss man heute die schweren S-Prüfungen anbieten. Und dann auch gleich mehrere, denn wegen einer S-Prüfung kommen sie inzwischen auch nicht mehr."

Begabte junge Pferde auszubilden und bis in die S-Prüfungen, quasi die Bundesliga des Reitsports, hochzubringen, ist schließlich das Hauptgeschäft der Frauen und Männer, deren Beruf die Ausbildung von Pferden ist. "Der Preisunterschied für ein Pferd, das nur M-Prüfungen geht und einem S-Klasse-Talent ist gewaltig", erzählt der junge Berufsreiter Jordi Sander aus Granderheide. "Es gibt inzwischen auch viel mehr S-Klasse-Pferde, weil die Zucht bei uns so hochklassig geworden ist. Als Bereiter hast du immer den Traum, einmal ein zukünftiges Championatspferd unter dem Sattel zu haben."

Die eigentliche Talentschau, was zum einen die jungen Pferde und zum anderen die Nachwuchsreiter betrifft, ist traditionell der Himmelfahrtstag. Weil die vielen Mädchen und wenigen Jungen in den Anfängerprüfungen oft von allen Verwandten begleitet werden, weil zum anderen aber auch viele Züchter kommen, gab es mit mehr als 1000 Besuchern einen Zuschauerrekord.

Beim Familienunternehmen Vick aus Tespe sind es die Töchter, die sportlichen Glanz mit nach Hause bringen. So gewann Sarah Vick mit Deichhof's Chiriqui das Zwei-Phasen-S-Springen und verwies Jörg Möller (Lübtheen-Garlitz) auf For Felicila auf den zweiten Platz. Der junge Glenn-Vicent Gerner wurde hier mit West-Virginia Dritter.

Höhepunkt der vielen Dressurprüfungen war das St. Georg-Special mit 38 Startern in zwei Abteilungen. In der einen siegte Mike Bünger vom Gastgeberverein mit Dycos DOr vor Sarah Joanna de Boer (Garstedt-Ochenzoll) mit Sternsturm und Michael Spethmann (Luhmühlen) mit Roubioso. Die erste Abteilung hatte Esther Maruhn (Kirchwalsede) mit Wilson Pickett vor Dominic-Nathanael Erhart (Harsefeld) mit Rousewell und Katharina Tietz (Luhmühlen) mit Donelli gewonnen.