Beckdorf/Fredenbeck

Remis ist eine gefühlte Niederlage

Ein Unentschieden, das die gegnerischen Spieler wie einen Sieg feierten, den SV Beckdorf aber wie eine Niederlage traf.

Beckdorf/Fredenbeck. Einfach irre! Drei Sekunden hatten die Handballer vom SV Beckdorf noch Zeit, um beim Spielstand von 36:36 gegen die Füchse Berlin II einen letzten Angriff erfolgreich abzuschließen. Und tatsächlich landet der Ball noch im gegnerischen Tor. Ausgerechnet der bis dahin erfolglose Rechtsaußen Christian Jansen hatte getroffen. Die Halle stand Kopf, der Jubel kannte keine Grenzen. Die ganze Anspannung aus nervenaufreibenden 60 Spielminuten entlud sich in einem frenetischen Freudentaumel.

Doch dann die Ernüchterung: Die Unparteiischen machten keine Anstalten, den Treffer anzuerkennen, wandten sich stattdessen an die Zeitnehmer und winkten nach einer für Spieler wie Zuschauer gleichermaßen endlosen Beratungsdauer ab. Kein Tor und damit kein Sieg für die Beckdorfer Drittliga-Handballer. Es blieb beim 36:36 (15:14).

Ein Unentschieden, das die gegnerischen Spieler wie einen Sieg feierten, den SV Beckdorf aber wie eine Niederlage traf. Ein Sieg gegen den Tabellenzweiten wäre das i-Tüpfelchen ihres Höhenflugs gewesen, auf dem sich der SV Beckdorf in der 3. Handball-Liga gerade befindet. Zumal Tabellenführer VfL Potsdam gleichzeitig bei der SG Flensburg/Handewitt II mit 23:37 unterging. Um diese Niederlage ranken sich Gerüchte, dass sich der VfL Potsdam, der zuletzt den Weggang von Alexander Auerbach verkraften musste, finanziell übernommen haben könnte.

Mit einem Sieg wäre der SV Beckdorf auf einen Punkt am Spitzenreiter dran gewesen. Doch mit der Tabelle und Gedanken an einen möglichen Aufstieg in die 2. Bundesliga will sich Trainer Lars Dammann nicht beschäftigen. Und auch die Frage, ob der Ball noch innerhalb der Spielzeit oder tatsächlich erst nach Ablauf der letzten drei Sekunden im Tor landete, war für Dammann nicht entscheidend. "Wir haben den Angriff davor zu früh abgeschlossen. Deshalb haben wir nicht gewonnen", sagte er.

Beim Spielstand von 36:35 war Maris Versakovs überhastet am gegnerischen Schlussmann gescheitert. Dadurch kamen die Füchse - zudem in Überzahl, weil Stefan Völkers seine dritte Zeitstrafe kassiert hatte - noch zum Ausgleich.

Viel hatte Lars Dammann allerdings nicht zu kritisieren. In der ersten Halbzeit war die Wurfquote zwar schlecht, dafür bescheinigte der Trainer seinem Team aber eine hervorragende Abwehrleistung. Torhüter Stefan Stielert konnte in der Anfangsphase mehrere Bälle abwehren und parierte bis zum 10:10 sogar zwei Siebenmeter.

Andererseits scheiterten Maris Versakovs und Benjamin Murray ihrerseits von der Strafwurflinie. Stefan Völkers fand nicht wie gewohnt ins Spiel, Benjamin Murray (2 Treffer) agierte phasenweise unglücklich. Wirklich Verlass war im Angriff hingegen auf Linksaußen Henning Scholz, der bei Tempogegenstößen und mehreren Einzelaktionen über Außen mit insgesamt elf Treffern bester Werfer war. Maris Versakovs war achtmal erfolgreich, verwandelte dabei drei Siebenmeter. Auf sechs und zwei Treffer brachten es die Kreisläufer Markus Bowe und Jens Westphal.

Bis auf Benjamin Murray und Jens Westphal hat Beckdorfs Manager Klaus Meinke bereits alle Spieler des Vereins vertraglich über die Saison hinaus gebunden. Zuletzt haben Till-Oliver Rudolphi und Hauke Herbst beim SV Beckdorf unterschrieben. Am kommenden Sonntag kann der SV Beckdorf wieder zum Sprung auf Tabellenplatz zwei ansetzen. Dann geht es zum Auswärtsspiel bei Tabellenführer VfL Potsdam.

Das 26:35 (15:18) des VfL Fredenbeck beim Oranienburger HC hört sich nach einer bitteren Niederlage an. Doch das hat Trainer Uwe Inderthal ganz anders empfunden. "Wir haben in der ersten Halbzeit lange geführt und konnten den Ausfall von Maciek Tluczynski und Ghenadi Golovici lange gut kompensieren", sagte er in seiner Spielanalyse. Am Ende sei dem VfL Fredenbeck dann aber der Saft ausgegangen.

Fredenbecks bester Werfer und Spielmacher, Maciek Tluczynski, fehlte wegen einer Grippe, Golovici aus beruflichen Gründen. Dafür kam Neuzugang Kristinn Björgúlfsson zu seinem Debüt. Der 31 Jahre alte Isländer war mit acht Treffern gleich bester Werfer, die übrigen VfL-Tore erzielten Lars Kratzenberg (6), Benedikt Philippi (5), Birger Tetzlaff (4) sowie Lukas Kraeft, Jonas Buhrfeind und Maximilian Lens (je 1).

Uwe Inderthal: "Wir standen zeitweise mit zwei A-Jugendlichen auf der Platte. Was meine Mannschaft gezeigt hat, war bis zur 53. Minute mehr als ordentlich." Da hieß es 26:28 aus Sicht des VfL Fredenbeck, der nach der Auswärtsniederlage in Oranienburg auf den drittletzten und damit einen Abstiegsplatz zurückgefallen ist. Nächster Gegner beim Heimspiel am Sonnabend in der Geestlandhalle ist Altenholz.