Harburg
Motorsport: Rennserie auf Stoppelfeldern in Wümme

Wenn qualmende Reifen den Acker durchpflügen

Towje Gastinger ist der Garant für die Erfolge einer Clique aus Königsmoor in ihren selbst gebastelten Rennkisten.

Königsmoor/Wümme. Es war noch einmal alles zu erleben, was die Rennsaison auf dem abgeernteten Acker so einmalig faszinierend, so spannend und so unterhaltsam macht. Qualmende Reifen, die tiefe Rinnen in das Feld wühlten, verbeulte Reste von einst glänzenden Autokarossen, aufheulende Motoren und Fahrzeuge, die hochkant mit durchdrehenden Reifen liegen blieben. Und dann waren da noch die Fans, die ihre Freunde und Favoriten lautstark feierten.

Auf einem Acker in Wümme wurden die Finalläufe einer ungewöhnlichen Autorennserie ausgetragen, die jeden Sommer wieder für lautstarkes Spektakel in den ländlichen Gefilden sorgt. Stoppelfeld-Rennen, das sind Autowettfahrten mit selbst gebastelten und aufgemotzten Schrottkisten auf Rundkursen, die auf Feldern abgesteckt werden.

Insgesamt sechs solcher Veranstaltungen werden jedes Jahr in Heidenau und Dibbersen, in Wistedt, Tostedt, Königsmoor und Wümme durchgeführt, je nach Stärke der Motoren in vier verschiedenen Klassen. Die zwei Schnellsten der einzelnen Rennen traten zum großen Finale in Wümme noch einmal gegeneinander an. Dabei ging es diesmal, neben dem Tagessieg, auch um den Gesamtsieg der Rennserie.

Und hier zeigte sich, dass sich auch bei den leidenschaftlichen Autofreaks, die sich für ein paar hundert Euro in den Wintermonaten ihre Rennkisten zusammen basteln, allmählich eine kleine Elite an der Spitze festgesetzt hat.

Dazu gehört Dennis Schlegel in der A-Klasse mit seinem Opel Kadett. "Der ist ja Dauersieger, seit Jahren schon", sagt Sebastian Ludwig, selbst Fahrer und zugleich Chef der Tostedter Racing Farmers: "Wenn der Schlegel fährt, resignieren inzwischen viele". Beim Finale in Wümme allerdings fand auch der Dauersieger vom Team Königsmoor seinen Meister. Robert Voigts (Typ 1-Team) siegte mit seinem Karmann Ghia und verwies Dennis Schlegel auf den zweiten Platz. Trotzdem wurde Schlegel auch in diesem Jahr wieder Gesamtsieger. Ohnehin dominierten in diesem Sommer die Fahrer vom Team Königsmoor die Stoppelfeld-Rennen. Neben Dennis Schlegel wurde Frank Pollack in der Klasse B mit seinem Honda CRX sowohl Sieger im Finale als auch im Gesamtergebnis.

Die dritte Sektdusche aus dem Team Königsmoor ergoss sich über Towje Gastinger, dem eigentlichen Garanten für die Dominanz dieser Clique. Er war gerade 18 Jahre alt, da fuhr er das erste Autorennen auf dem Acker mit. Vor fünf Jahren hat er den ersten Gesamtsieg in der A-Klasse herausgefahren. Im vergangenen Jahr, beim Rennen in Wistedt, war er rund 100 Stundenkilometer schnell, als sich sein Wagen überschlug. "Es ist unglaublich", erzählt Towje Gastinger von dieser unvergessenen halben Sekunde, "wie viele Gedanken einem dabei durch den Kopf gehen und wie man glaubt, das nimmt nie ein Ende. So ein Mist", schoss es ihm bei den zwei Überschlägen seines Fahrzeugs durch den Kopf.

Sein Auto war zum Glück stärker demoliert als der eigene Körper, der nur ein paar Blutergüsse und Verstauchungen davon trug, die von selbst ausheilten. "Als ich meinen Opel Astra in diesem Winter für die neue Saison zusammengeschraubt habe", bekennt Towje Gastinger, "habe ich mir gesagt: Du willst mal wieder Gesamtsieger werden." Das ist dem inzwischen 28 Jahre alten Fahrer, der eine Autowerkstadt in Tostedt betreibt, mit klarem Vorsprung gelungen. Beim Finale in Wümme allerdings war er nur Dritter in der C-Klasse geworden hinter dem Sieger Volker Voigts vom Typ 1-Team und Kai Wolkenhauer vom Team Valvoline.

Der einzige Gesamtsieger, der nicht zur Gastinger-Gruppe aus Königsmoor gehört, war Hans-Jürgen Hauschild, der die offene Klasse beherrschte. Sein Klub ist der MC Sittenstrolch und sein Auto nennt er "Hühnerstall-Projekt". Im Hühnerstall hat sich Hauschild eine verwegene Rennkiste mit einem Motorradmotor zusammengebastelt. "Seine Karre hat 230 PS und wiegt nur etwa 400 Kilo", sagte Konkurrent Sebastian Ludwig von den Racing Farmers Tostedt: "Mein Audi dagegen ist dreimal so schwer." Da konnte für ihn kaum mehr als der gute dritte Platz herausspringen.