Harburg

"Ja, wir haben ihn"

Buxtehudes Handball-Frauen gewinnen den Europacup und lassen ihre Fans nach 16 Jahren wieder jubeln

Buxtehude. Die Feierlichkeiten wollten gar nicht aufhören und dauerten bis zum frühen Morgen. Ausgelassen und voller Emotionen bejubelten 2000 Fans in der ausverkauften Halle Nord ihre Handball-Frauen vom Buxtehuder SV, die nach 16 Jahren wieder den Europacup gewinnen konnten. Im deutsch-deutschen Finale des Challenge-Cups gegen den Bundesliga-Konkurrenten Frisch Auf Göppingen setzte sich das Team von Trainer Dirk Leun auch im Rückspiel mit 28:26 (16:15) durch. Den Grundstein zum Triumph hatte der Buxtehuder SV schon im Hinspiel mit dem sensationellen 40:28-Erfolg in Göppingen gelegt.

Ein überglücklicher Trainer Dirk Leun sagte bei der Eurocup-Party im Autohaus Tobaben am Brillenburgsweg unter dem Jubel der Fans, dass er eine geile Mannschaft habe, die sich diesen Erfolg absolut verdient hat. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff hatte der Trainer seine Frau in den Arm genommen, die mit den vier Kindern in Oberursel lebt. "Sie hat es mir ermöglicht, hier Trainer zu sein", sagte er. Und Dirk Leun versprach den BSV-Fans, in der neuen Saison um den EHF-Pokal zu kämpfen. Seine Handball-Frauen haben sich für den sportlich höherwertigen Pokalwettbewerb qualifiziert. Und wenn das eintritt, was der Trainer zu Saisonbeginn prophezeit hat, dürfen die BSV-Fans noch viel erwarten. "Wir holen den Challenge-Cup", hatte Leun seiner Spielerin Janne Wode versprochen, die sich einen Kreuzbandriss zugezogen hatte und erst seit kurzer Zeit wieder zum Kader gehört. Sein Dank galt aber auch Manager Peter Prior, der Tag und Nacht für den BSV im Einsatz ist. Der Trainer sprach den Buxtehuder Fans ein Riesenkompliment aus. "Die Stimmung hier in der Halle Nord ist einmalig und sorgt immer für Gänsehautatmosphäre", sagte er.

Heute Nachmittag wird Peter Prior zusammen mit der Mannschaft im Buxtehuder Rathaus erwartet. Bürgermeister Jürgen Badur, der schon am Pfingstsonntag in der Halle und auch beim offiziellen Bankett dabei war, hat die Mannschaft zum Empfang gebeten. Am Freitag fliegen die BSV-Mädels auf die Ferieninsel Mallorca und werden dort fünf Tage Saisonabschluss feiern. Erst dann wird den meisten wohl erst bewusst, was sie sportlich in dieser Saison erreicht haben.

Wehmut kam in der Halle Nord auf, als Christina Vogt nach acht Jahren verabschiedet wurde. Die Kreisläuferin beendet ihre Handball-Karriere und erlebte ein Wechselbad der Gefühle. Tränen und Freude wechselten sich ab. Nach langer Verletzungspause konnte "Tine" zum letzten Mal das BSV-Trikot anziehen und verabschiedete sich mit drei Toren. Das Erlebnis, den Europapokal in die Höhe zu stemmen, wird sie wohl nie vergessen. "Der BSV ist für mich eine zweite Familie geworden", sagte sie. Auch Svenja Spriestersbach sagte den BSV-Fans "Tschüs". Nach nur einem Jahr wird die Rückraumspielerin, die aus Dortmund kam, den Buxtehuder SV verlassen, muss zunächst aber ihren Kreuzbandriss auskurieren.

Michael Jungblut hatte ebenfalls Freudentränen in den Augen, als er den Challange-Cup in den Arm nahm. Der Obmann war am Dienstag im Elbe Klinikum Stade an der Bandscheibe operiert worden. Weil "Michi" sich diesen Triumph aber nicht entgehen lassen wollte, hatte er sich für ein paar Stunden aus dem Krankenhaus beurlaubt. Und der langjährige Betreuer erhielt einen Extra-Applaus, schon 1994 gehörte er zum BSV-Team, dass sensationell in Oslo den City-Cup gewinnen konnte.

Komplimente gab es auch für Frisch Auf Göppingen. Trotz der deutlichen Niederlage im Hinspiel ließ sich das Team von Trainer Aleksandar Knezevic nicht hängen und lieferte ein Duell auf Augenhöhe. "Buxtehude war besser als wir", sagte er, "wir hatten die Kraft, noch einmal zu zeigen was wir können." Vor allem die ehemalige Nationaltorhüterin Alexandra Meisl überzeugte, obwohl sie wegen einer Verletzung gar nicht spielen sollte.

Verletzt zusehen musste beim Buxtehuder SV Rückraumakteurin Jana Stapelfeldt, die beim Abschlusstraining auf dem neuen Hallenboden (vom HSV Hamburg aus der O2-Arena ausgeliehen) umgeknickt war.

Die Tore: Diane Lamein (8/3), Susanne Henze (5), Isabell Klein (4/1), Cristina Vogt (3), Friederike Lütz (2), Kaja Schmäschke (2), Jessica Oldenburg (2), Janne Wode (1), Lisa Prior (1/1)