Die Stadtteilserie

Heimfeld

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Oliver Schade

Wo Rehe, Sportbegeisterte, Musikliebhaber und der Mercedes-Stern zu Hause sind

Wer in Heimfeld wohnt, betont dies auch gerne. Man kommt nicht aus Harburg, man kommt aus Heimfeld. Obwohl die Grenzen doch selbst für einen echten Heimfelder schwer zu ziehen sind. Der Stadtteil ist ein Mikrokosmos Hamburgs. Ein pittoreskes Villenviertel, moderne Wohngebiete für sozial Schwächere, ein Luxushotel, zwei große Krankenhäuser, ausufernde Waldgebiete, ein großes Sportzentrum. Heimfeld bietet viel. Nur zum großen Einkauf fährt man ins Phoenix-Center nach Harburg. Und genau diese Vielfalt macht den Stadtteil so lebens- und liebenswert.

Gute Bedingungen für Sportler

Die idyllisch im Wald gelegene Jahnhöhe, Heimat des traditionsreichen Harburger Turnerbundes von 1865 (HTB), ist eine der modernsten Sportanlagen Hamburgs. Ein Sportpark mit zwei großen Kunstrasenplätzen, einer Tennisanlage mit Außenplätzen und Hallenbetrieb sowie einer Gastronomie, die auch weniger Sportbegeisterte zum Mittagsimbiss oder zur Familienfeier einlädt. Guten Fußball gibt es selbstverständlich auch zu sehen. Wenn die HTB-Herren in der Bezirksliga Süd die Ärmel hochkrempeln oder eines der unzähligen Nachwuchsteams spielt. In mehr als 40 Sportarten versuchen sich die HTBler. Zum Teil mit großem Erfolg. Doch nicht nur auf der Jahnhöhe kann man Vereinssport treiben. Nur wenige Hundert Meter entfernt hat die Tennisgesellschaft Heimfeld - bekannt für gutes Hockey und Tennis - ihre Heimat. Und nördlich der B 73 finden Sportbegeisterte beim Bostelbeker SV und dem TUS Harburg interessante Angebote.

+++ Zahlen & Fakten +++

+++ Kurz & knapp +++

+++ Name & Geschichte +++

+++ Bekannte Söhne +++

+++ Der Stadtteil-Pate: Oliver Schade +++

Musik ist Trumpf

Nicht nur beim jährlichen Stadtteilfest rund um die Friedrich-Naumann-Straße geht es musikalisch zu. In Heimfeld ist Musik Trumpf. So setzen vor allem die Schulen im Stadtteil auf den richtigen Rhythmus mit Chören und Orchestern. Weit über Heimfeld hinaus strahlt der Musikzweig des altehrwürdigen Friedrich-Ebert-Gymnasiums (FEG). Die zweitälteste Schule Hamburgs nach dem Johanneum, die im Jahr 1628 erstmals urkundlich erwähnt wurde, lockt musikbegeisterte Kinder aus ganz Harburg an. Für ihre Auftritte und Proben nutzen nicht nur die Schüler die große Friedrich-Ebert-Halle mit Platz für mehr als 1000 Zuschauer. Operettenstars, Musicaldarsteller und Schlagersänger wie Gunter Gabriel haben hier ebenfalls ihre Heimat auf Zeit. In den 1960er-Jahren wurden aus der Halle Abendshows mit dem Entertainer Peter Frankenfeld übertragen. Und im Keller des Gebäudes nahmen im Juni 1961 die Beatles ihre erste Platte ("My Bonnie") auf. Noch heute erinnert eine Gedenktafel im Eingangsbereich an dieses historische Ereignis. Doch nicht nur im FEG wird musiziert. Darüber hinaus gibt es eine alteingesessene Musikschule in der Heimfelder Straße. Und im Café Leben wenige Hundert Meter entfernt begeisterten schon viele Livebands das Publikum.

Bunt und kreativ

Selbstverständlich gibt es in Heimfeld auch die bekannten Discounter und Drogerieketten. Aber seinen besonderen Charme verdankt das Viertel den vielen kreativen Einzelhändlern und engagierten Bewohnern. Ob Jeanettes Haarburg (Friseur), Perlenträume (Perlenladen), das kleine Café Wattenberg Acht oder Leicher's Buchhandlung - im Hamburger Süden finden sich zahlreiche Geschäfte abseits des öden Mainstreams. Und wegen der vielen Nationalitäten, die in Heimfeld wohnen, ist Multikulti an beinahe jeder Ecke zu Hause. Ob Döner-Imbiss, türkischer Gemüseladen, der Afro Beauty Shop oder der russische Supermarkt - wer aus der Fremde kommt, findet ein kleines Stück Heimat.

Mehr Betten als Einwohner

Wegen der Nähe zur Natur und der guten Anbindung zur Hamburger City ist Heimfeld auch bei auswärtigen Gästen beliebt. Zwei Hotels finden sich direkt gegenüber eines riesigen Waldgebiets. Das privat geführte First-Class-Hotel Lindtner mit seinen 128 Zimmern und Suiten sowie einem großzügigen Wellness-Bereich blickt auf eine mehr als 70-jährige Tradition zurück. Zwischen 1992 bis 1994 wurden die Gebäude bis auf den Großen Festsaal abgerissen und neu gebaut. Der Heimfelder - mit dem entsprechenden Budget - geht im Lindtner gerne sonntags brunchen oder feiert dort runde Geburtstage, Taufen und Hochzeiten. Auch Kongresse finden hier häufig statt. Nur wenige Hundert Meter entfernt bietet das Hotel Heimfeld guten Komfort zu reellen Preisen. Des Weiteren übernachten in Heimfeld täglich viele Auswärtige ungewollt - in einem der beiden Krankenhäuser. So befinden sich in dem Stadtteil das Allgemeine Krankenhaus Harburg (AKH) des Asklepios-Konzerns mit 772 Betten und die Maria-Hilf-Klinik des Betreibers Helios mit 169 Betten. An Blaulicht, Martinshorn und die gelegentlichen Rotorengeräusche eines Rettungshubschraubers, der neben dem AKH landet, hat sich der Heimfelder denn auch gewöhnt.

Alt und jung zusammen

Viele kleine Kinder, viele Senioren: Heimfeld ist auch von der Altersstruktur ein sehr gemischter Stadtteil. Das Konzept lautet deshalb: Generationen zusammenführen. So wurde in direkter Nachbarschaft zu einem modernen Alten- und Pflegeheim An der Rennkoppel die Kindertagesstätte Farbenspiel gebaut. Während die Senioren ihren Kaffee in einem großzügigen Aufenthaltsraum trinken, toben draußen die Kleinen auf dem Spielplatz umher. In der Friedrich-Naumann-Straße finden sich zudem für Kinder mit schulischen Schwierigkeiten umfangreiche Lern- und Freizeitangebote. Das Stadtteilzentrum berät und im Kindertreff gibt es viermal in der Woche nachmittags Hausaufgabenhilfe.

Ausgezeichnete Wohnsiedlung

Nördlich der Bundesstraße 73 beginnt eigentlich ein ganz anderes Stück Hamburger Süden, aber auch das industriell geprägte Bostelbek gehört zu Heimfeld. Hier befindet sich die mehrfach ausgezeichnete Wohnsiedlung Am Radeland. Die Satteldachhäuser wurden 1932 von arbeitslosen Handwerkern gebaut. Nur einen Steinwurf entfernt liegt das Hamburger Werk des Autoherstellers Daimler, in dem unter anderem Achsen, Pedalanlagen und Lenksäulen hergestellt werden. Mehr als 2600 Beschäftigte zählt die Marke mit dem Stern im Hamburger Süden und ist damit einer der größten Arbeitgeber der Region. Richtung Wasser findet man vier von Industrieanlagen geprägte Seehäfen - eine Region, die das Gros der Heimfelder kaum kennt. Denn hier fährt der Ortskundige nur entlang, wenn der Stau auf der Bundesstraße 73 zu einem Schleichweg zwingt.

In der nächsten Folge am 21.4.: Wellingsbüttel

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