Verkehr Hamburg

Pannen-Metronom in Hamburgs Süden nervt Fahrgäste

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André Lenthe
Verkehr Hamburg: Eine Bahn der Metronom in schneller Fahrt. Zu oft bleiben die Züge derzeit stehen.

Verkehr Hamburg: Eine Bahn der Metronom in schneller Fahrt. Zu oft bleiben die Züge derzeit stehen.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Weil die Software bei zwei neueren Zügen immer wieder Probleme macht, fallen zahlreiche Zugverbindungen aus.

Hamburg/Lüneburg.  Der Start in den Arbeitstag könnte für viele Berufspendler aus dem südlichen Hamburg und dem Umland ganz entspannt beginnen, wäre da nicht die Unsicherheit mit den Zügen – auch des Metronoms. Regelmäßig so berichten es Bahnfahrende, fallen Züge aus oder fahren teilweise mit erheblicher Verspätung. Beispielsweise an einem Freitag Ende April, an dem zwischen 17.05 Uhr und 19.05 Uhr von siebzehn Verbindungen sieben Verbindungen ab Hamburg im Feierabendverkehr gänzlich ausfielen und ein Zug deutlich verspätet war.

Keine Seltenheit, wie auch die Metronom Eisenbahngesellschaft einräumt. „Es stimmt, wir haben aktuell bei Metronom auf den von Ihnen genannten Strecken im Großraum Hamburg mit Zugausfällen und Verspätungen zu kämpfen. Das hängt zum einen mit einem aktuell leider deutlich erhöhten Krankenstand, aber auch mit technischen Fahrzeugstörungen zusammen“, räumt Unternehmenssprecherin Miriam Fehsenfeld auf Abendblatt-Nachfrage ein. Viele Berufspendler haben dafür kein Verständnis mehr. Sie sind mehr und mehr genervt. In den sozialen Netzwerken heißt es, „Meiden Sie diesen Zug“ oder „Lieber Stress auf der Autobahn, als stundenlanges warten am Bahnsteig und dann doch mit dem Auto fahren, weil der Zug mal wieder ausfällt – Danke Metronom“. Und damit nicht genug. Viele Bahnnutzende beschweren sich, dass wenn die Züge kommen, sie oftmals so stark ausgelastet sind, dass Corona-Abstände zwischen den Passagieren nicht gewährleistet werden können.

Probleme sind dem Unternehmen seit dem Herbst bekannt

Die Probleme sind dem Unternehmen seit dem Herbst vergangenen Jahres bekannt. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) aktualisiert noch bis 2026 ihren Fuhrpark und setzt bereits zwei der neueren Zugmodelle beim Metronom ein. Vier Züge dieser neueren Baureihe sollen es schrittweise bis 2026 werden.

Der Metronom mietet die Züge bei jener Landesnahverkehrsgesellschaft, die auch für die Wartung zuständig ist. Aktuell sorgen jedoch gerade diese modernen Schienenfahrzeuge für die größten technischen Probleme und Zugausfälle. Dabei unternimmt das Eisenbahnunternehmen aus Uelzen offenbar große Anstrengungen, um die moderne Modellreihe pünktlich auf die Schiene zu bringen. Erst kürzlich seien die Triebwagenführer nachgeschult worden. Die LNVG versuchte mit einem Softwareupdate die Probleme in den Griff zu bekommen, doch bisher ohne Erfolg. Im Gegenteil, Zugführer berichten, seit dem Update käme es noch häufiger zu Störungen zwischen Triebfahrzeug und den Waggons. Dem Fahrer werden Türprobleme gemeldet, der Zug fährt dann einfach nicht los. „In der Tat gibt es bei diesen Fahrzeugen häufiger Probleme mit einer speziellen Software, wodurch offenbar die Kommunikation zwischen Lok und Wagenpark unterbrochen ist.

Hoher Krankenstand wegen Corona

Die Züge können natürlich erst losfahren, wenn das behoben ist“, erklärt Miriam Fehsenfeld, „meines Wissens ist die LNVG mit dem Hersteller in intensiven Abstimmungen, um das Problem zu beheben.“ Doch auch Corona stellt das Unternehmen immer noch vor große Herausforderungen. „Fällt ein Lokführer krankheitsbedingt aus, betrifft das im Schnitt circa fünf Zugfahrten, die ganz oder auf Teilstrecken ausfallen. Je nachdem, für welchen Umlauf ein Zugverband eingeplant ist, zieht dies weitere Verspätungen oder sogar Zugausfälle nach sich – nicht nur kommen die Züge nicht zu den Fahrgästen, auch das fahrende Personal kommt gegebenenfalls nicht dahin, wo es eingeplant war“, bedauert Fehsenfeld die aktuelle Situation.

Um die Auswirkungen auf den Gesamtfahrplan so gering wie möglich zu halten, versuche das Unternehmen tagesaktuell so umzudisponieren, dass die großen Umläufe, also die im Stundentakt fahrenden Züge, vorrangig aufrechterhalten werden können. Das bedeutet leider im Umkehrschluss, dass gerade die Verstärkerzüge und die Züge mit allen Unterwegs-Halten häufiger ausfallen.

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Ersatzverkehr mit Bussen

„Bei kurzfristigen Krankmeldungen ist es leider auch nicht immer möglich, tagesaktuell einen Ersatzverkehr mit Bussen anzubieten. Wo es geht, versuchen wir, das zu organisieren, aber auch die Busunternehmen haben nicht immer kurzfristig Kapazitäten“, sagt Miriam Fehsenfeld. „Beim aktuell hohen Krankenstand spielt die Pandemie sicher nach wie vor eine Rolle. Aber die Gesamtsituation ist natürlich nicht zufriedenstellend und wir können uns dafür bei den Fahrgästen nur entschuldigen“, sagt die Unternehmenssprecherin.

Am Montagabend war der Schienenpersonennahverkehr auch Thema bei der Sitzung des Wirtschaftsausschusses im Landkreis Harburg. In Abstimmung mit dem Fahrgastbeirates des Landkreises hatte die Verwaltung eine Beschlussvorlage erarbeitet, die nun beschlossen wurde. Der Ausschuss bittet jetzt den zuständigen Verkehrsminister in Hannover um Stellungnahme zu den andauernden Problemen mit der Zugversorgung. Außerdem soll die Geschäftsführung der LNVG in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, ÖPNV und Tourismus Rede und Antwort stehen.

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