Krieg in der Ukraine

Kinder demonstrieren in Harburg für den Frieden

| Lesedauer: 11 Minuten
Lena Thiele, Andre Lenthe, Katy Krause, Axel Tiedemann und Holger Grevenbrock
Fast 200 Kinder der Harburger Sternipark-Kitas protestierten gegen den Krieg in der Ukraine

Fast 200 Kinder der Harburger Sternipark-Kitas protestierten gegen den Krieg in der Ukraine

Foto: Andre Lenthe Fotografie / HA

200 Kinder ziehen durch die Straßen. In Lüneburg glüht das Hilfetelefon. In fast allen Orten werden Spenden gesammelt

Harburg/Lüneburg/Stade.  Die Welle der Hilfsbereitschaft ist überwältigend: Seit die Stadt Lüneburg ihre Hotline freigeschaltet hat, haben zahlreiche Lüneburger ihre Unterstützung für Menschen aus der Ukraine angeboten. „Wir sind überwältigt von der Vielzahl an Hilfsangeboten, die uns über unsere Hotline bisher erreicht haben“, sagt die städtische Ehrenamtskoordinatorin Sonja Jamme. Angesichts der Vielzahl der Anrufe weist die Stadt darauf hin, dass die Hotline 04131/309 45 67 nur für Angebote aus der Hansestadt gilt.

Noch können viele Fragen jedoch nur vorläufig beantwortet werden. Die Lage sei dynamisch, heißt es aus dem Rathaus. Trotz des Beschlusses vom Mittwoch, der Ukrainern in der EU einen Schutzstatus zusichert, sei der konkrete Ablauf noch nicht abschließend geklärt. Angebote für Privatunterkünfte werden ebenso wie andere Hilfsangebote zunächst auf einer Liste gesammelt. In der kommenden Woche werden sich Vertreter der Stadt mit Vereinen, Initiativen und anderen Organisationen austauschen, um die Angebote zu bündeln. Um selbst Platz für Ukrainer zu schaffen, bereitet die Stadt ihre Gemeinschaftsunterkünfte vor und stellt Hygieneartikel sowie Lebensmittel bereit.

Appartements bezugsfertig hergerichtet

„Wir haben vier Appartements bezugsfertig hergerichtet, in denen jeweils sechs Personen untergebracht werden können“, sagt Ute Simkes, Bereichsleiterin Integration und Teilhabe. Für kurzfristige Unterbringungen sei rund um die Uhr jemand aus ihrem Bereich erreichbar. Weitere Unterbringungsmöglichkeiten werden derzeit geprüft. Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch betont, die Stadt sei bereit, Vertriebene und Geflüchtete aufzunehmen und zu unterstützen. „Die immense Solidarität zeigt die Stärke unserer Stadtgesellschaft.“

In Neu Wulmstorf hat sich unterdessen ein eigenes Hilfs-Netzwerk unter dem Namen „Neu Wulmstorf hilft“ gebildet, das Anfang der Woche von Bürgermeister Tobias Handtke (SPD) initiiert worden war. Am Donnerstag traf sich eine große Runde von Verwaltungsmitarbeitern, Politikern, Kirchenvertretern, Hilfsorganisationen und verschiedenen Vereinen aus dem Ort, um ein gemeinsames Vorgehen zu besprechen. Dabei wurde bekannt, dass in der Kirche am Bredenheider Weg bereits Flüchtlinge aus der Ukraine untergekommen sind. Dabei soll es sich meist um Mütter mit Kindern und auch Jugendliche handeln. In einer Spontanaktion leistete das Netzwerk daraufhin erste Unterstützung, organisierte beispielsweise Matratzen. „Das ging alles Schlag auf Schlag“, sagt Bürgermeister Handtke.

In Neu Wulmstorf gibt es auch verschiedene musikalische Friedensandachten, zum Beispiel dienstags um 19.30 Uhr mit der Kantorei, mittwochs um 18.15 Uhr mit dem Posaunenchor und donnerstags um 19.30 Uhr mit dem Gospelchor, jeweils im Saal des Gemeindehauses oder der Kirche. Weitere Termine auf www.kirchenkreis-hittfeld.de.

Gebete für die Ukraine, Glockenläuten in Harburg-Süd

Gemeinsam für die Ukraine zu beten – dazu ruft der Kirchenkreis Hittfeld auf. Die Friedensgebete beginnen zu wiederkehrenden Zeiten: donnerstags um 18 Uhr in der Buchholzer St.-Paulus-Kirche und in der Hittfelder Mauritiuskirche, freitags um 17 Uhr in der Thomaskirche in Klecken und freitags um 18 Uhr in der Tostedter Johanniskirche sowie täglich um 18 Uhr vor der Kirche in Meckelfeld und in der Kirche in Vahrendorf.

Am Donnerstag hatten überall in Europa um 12 Uhr die Kirchenglocken für den Frieden geläutet. „Die Gemeinden der Region Harburg-Süd haben sich entschlossen, von sofort an täglich um 18 Uhr für den Frieden zu läuten und zum Gebet einzuladen“, wie Pastor Burkhard Senf von der Apostelkirche in Harburg mitteilt. An vielen Kirchen und Gemeindehäusern würden außerdem Friedensbanner angebracht mit der Aufschrift „Suche Frieden“. Viele Gemeinden sammeln auch Geld- und Sachspenden für die Ukraine in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen. Interessierte wenden sich, so Senf, für weitere Informationen an die Kirchengemeinde vor Ort.

Rund 150 Kitakinder bei Friedensdemo in Hamburg-Harburg

Dass auch die jüngsten der Krieg beschäftigt, zeigte sich am Freitag in Harburg. Pünktlich um 10 Uhr versammelten sich rund 150 Kitakinder zwischen vier und sechs Jahren auf dem Museumsplatz. Sie demonstrierten gegen den Krieg in der Ukraine. In einem bunten und lautem Umzug ging es für die Kids über den Harburger Rathausplatz und die Lüneburger Straße, durch die Bremer Straße, in die Knoopstraße zurück zur Kita im ehemaligen Standesamt. An der Antikriegsdemonstration nahmen sechs Kitas des Trägers Sternipark teil, eine Gruppe kam mit rund 20 Kindern extra aus Wilhelmsburg.

Viele Kinder haben die ganze Woche an ihren Plakaten und Fahnen gearbeitet, gebastelt und vor allem diskutiert. Die Ergebnisse präsentierten sie voller Stolz und mit eindeutigen Botschaften. Die Idee zur Kinderdemo war nach dem Faschingsfest entstanden. Eine Erzieherin der Kita kam als Friedenstaube verkleidet, daraufhin fragten die Kinder den Erzieherinnen und Erziehern ein Loch in den Bauch. Kitaleitung und Pädagogen entschieden sich das Thema Krieg kindgerecht aufzuarbeiten und besprachen das Weltgeschehen mit ihnen.

In der Gruppe Polarstern aus der Kita am Museumsplatz, kam der Demo-Wunsch auf. Die Kinder übernahmen die Organisation und wollten genau wie die Großen auf die Straße gehen, um ihre Meinung gegen den Krieg zu äußern. Schließlich würden vor allem die Kinder unter den Bomben leiden, betonten mehrere Kinder und die Väter auf beiden Seiten zögen in den Krieg und sehen ihre Kinder vielleicht nie wieder, so die traurigen, aber lauten Kinderstimmen.

Idee stammt von den Kindern selbst

„Die Idee stammt von den Kindern selbst. Der Krieg beschäftigt die Kleinen sehr und es gibt viele Fragen. Der große gemeinsame Wunsch ist der Frieden. Und dafür sind wir auf die Straße gegangen und zeigten unsere Solidarität mit der Ukraine“, sagt SterniPark Geschäftsführerin Leila Moysich. Den Harburger Bürgerinnen und Bürgern gefiel der Aufzug, viele äußerten Sympathie und solidarisierten sich mit den Forderungen der Kinder. Bereits seit einigen Nächten ist das markante Gebäude der Kita Sternipark am Museumsplatz, auf der Seite zur Knoopstraße gelb und blau in den Nationalfarben der Ukraine beleuchtet.

In der Gemeinde Seevetal laufen die Planungen für ein Benefiz-Konzert. Am Freitag, 11. März, 19 Uhr, treten in der Burg Seevetal unter anderem die Coverband „Papa Rockt“, die Musical Company mit einem Ausschnitt ihres Musicals „Rent“, die Bigbands der Gymnasien Hittfeld und Meckelfeld und viele andere Musiker aus der Region auf. Alle verzichten auf eine Gage. Der Einlass beginnt um 18 Uhr. Es gelten die 2G-Bedingungen. Der Eintritt beträgt fünf Euro. Weitere Spenden sind willkommen. Die Einnahmen des Abends fließen zweckgebunden entsprechenden Hilfseinrichtungen zu. Karten gibt es in der Burg Seevetal, in der Wassermühle Karoxbostel, beim Getränkehandel Otto Bode in Hittfeld, im Gartenfachzentrum Matthies sowie im Restaurant Horse in Pub in Harburg/Langenbek.

Tief bestürzt über das schwere Leid, das der Krieg über die Ukraine bringt, haben auch die Strandkorbprofis aus der Strandkorb-Manufaktur Buxtehude eine besondere Aktion initiiert, um zu helfen und die Menschen in der Ukraine zu unterstützen. Gemeinsam mit den befreundeten Stars Mickie Krause, Oli P., Atze Schröder und Till Hoheneder versteigern sie vom 7. bis zum 16. März einen exklusiven Strandkorb im Wert von 3000 Euro. Um ein noch höheres Gebot zu erzielen, hinterlassen die vier Stars ihre persönliche Widmung auf jeweils einem extra Strandkorbkissen.

Stars Oli P und Atze Schröder signieren Strandkorb

„Wir hatten die Idee, gemeinsam etwas für die Ukraine zu tun“, so Nils Gosebeck, Geschäftsführer der Manufaktur. „Micki, Oli, Atze und Till haben direkt zugesagt und werben auch am Montag in ihren Podcasts und über ihre Social Media-Kanäle für die Aktion.“ Der volle Erlös geht schließlich an den ehemaligen Spieler und Trainer des SV Werder Bremen, Viktor Skribnik, der sich aktuell in der ukrainischen Stadt Luhansk befindet. Mit dem Geld wird er einen Kindergarten in seiner Heimat unterstützen; es fehlen Lebensmittel, Kleidung, Möbel.

„Der Kontakt zu Viktor Skribnik entstand über Willi Lemke, der auch jetzt in Verbindung mit ihm steht“, erklärt Kay Gosebeck, zweiter Geschäftsleiter und Vater von Nils Gosebeck. „Am Tag der Strandkorb-Übergabe wird er den Scheck stellvertretend für Viktor Skribnik entgegennehmen.“ Im Anschluss an die Übergabe darf sich der Höchstbietende auf ein gemeinsames Essen mit dem SPD-Politiker und ehemaligen Manager des SV Werder Bremen im italienischen Restaurant Piccolo freuen. Die Gebote für die Strandkorb-Auktion können per E-Mail an ukraine@strandkorbprofi.de eingereicht werden. Das aktuelle Höchstgebot wird im Aktionszeitraum jeden Morgen auf der Webseite der Strandkorb-Manufaktur Buxtehude bekannt gegeben.

Anlässlich des Fußball Kreisligaderbys zwischen dem TuS Nenndorf und dem FC Rosengarten am Sonntag, 6. März, 16 Uhr in Nenndorf, Vaenser Grund, wird der Sportverein Geldspenden für die Kriegsopfer in der Ukraine sammeln. Es wird kein Eintrittsgeld erhoben, stattdessen wird um Geldspenden gebeten. Außerdem wird der Überschuss aus dem Verkauf von Speisen und Getränken ebenso gespendet. Der Gesamtbetrag wird dann an eine Hilfsorganisation zur Verfügung gestellt.

Hilfskonvoi mit fünf Fahrzeugen gestartet

Währenddessen sind weitere Hilfskonvois aus der Region aufgebrochen. Zwei Fahrzeuge waren ursprünglich geplant, fünf volle Fahrzeuge sind es am Ende geworden – trotz kurzfristigem Aufruf. Wir bedanken uns bei vielen Firmen und vielen privaten Spendern aus Hamburg, den Landkreisen Harburg, Lüneburg und Stade. „Die Menge an Spenden die uns erreichte war derart groß, dass wir unseren Konvoi kurzfristig aufstocken mussten“, berichtet Holger Grinnus, Chef der Rettungshundestaffel Hamburg und Harburg.

Am Donnerstagabend startete der Konvoi dann voll bepackt. 12 Helfer, darunter ein Arzt, bringen nun Beatmungsgeräte, Verbandsmittel, Medikamente, warme Kleidung, Isomatten, Schlafsäcke, 400 Powerbanks, Lebensmittel, Babynahrung, Hygieneartikel, Hundefutter und vieles mehr in die Krisenregion. Alles in Abstimmung mit den örtlichen Hilfskräften und auf Bitten genau in dieser Zusammenstellung. Nach Übergabe der Hilfsgüter wird das Team Flüchtlinge aufnehmen und nach Hamburg bringen, wo bereits die Unterbringung geplant ist.

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