Richtungswechsel

Chancen für Harburger Bäder plötzlich wieder gestiegen

| Lesedauer: 6 Minuten
Lars Hansen
Das Freizeitbad MidSommerland am Harburger Stadtpark könnte ab 2025 auch für Schwimmer attraktiv werden. Ein neuer Flügel ist in Planung.

Das Freizeitbad MidSommerland am Harburger Stadtpark könnte ab 2025 auch für Schwimmer attraktiv werden. Ein neuer Flügel ist in Planung.

Foto: Andre Zand-Vakili

Kombibad Neugraben/Neu Wulmstorf und „Schwimmflügel“ am MidSommerland werden nun weiter geplant. Behörde will Geld locker machen.

Harburg. Auf der Kurzbahn müssen Schwimmer häufig wenden. Richtungswechsel sind Schwimmbegeisterte also gewohnt. Für die Schwimmfreunde im Bezirk Harburg scheint sich gerade alles zum Guten zu wenden: Die Freie und Hansestadt Hamburg hat das Projekt eines länderübergreifenden gemeinsamen Kombibades mit Neu Wulmstorf doch noch nicht ad acta gelegt, obwohl es zunächst so schien.

Außerdem bekennen sich die Umweltbehörde und die ihr zugeordnete Bäderland GmbH jetzt offen zu dem Plan, das Freizeitbad Midsommerland um ein lehr- und wettkampftaugliches Becken zu erweitern – auch ohne, dass dies von der Initiative „Yes We Swim“ selbst finanziert werden muss. Bis zum Zielanschlag sind aber noch einige Meter zu schwimmen.

Staatsrat Pollmann überrascht Harburger Bezirkspolitiker

Auf Einladung der Bezirksversammlung berichtete der Staatsrat in der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), Michael Pollmann, über den aktuellen Sachstand zur Bädersituation in Harburg. Dazu hatte es eine ganze Handvoll an Anträgen von SPD, Grünen, CDU und Linken gegeben. Pollmann sprach im Stadtentwicklungsausschuss, der die Abgeordneten des Sportausschusses und – wegen eines anderen Tagesordnungspunktes – des Mobilitätsausschusses dazu geladen hatte.

So nahmen an der Videokonferenz nahezu so viele Mandatsträger teil, wie auch zu einer regulären Sitzung der Bezirksversammlung erschienen wären. Während viele Abgeordnete darauf eingestellt waren, mit Pollmann kontrovers zu diskutieren und ihn mit den Forderungen nach mehr und moderneren Schwimmbadkapazitäten im Bezirk zu konfrontieren, überraschte er sie damit, dass er den Forderungen im Grunde zustimme.

Irritationen beim Thema Kombibad Süderelbe vom Tisch

Gerade im Hinblick auf das gemeinsame Kombibad in Süderelbe hatte es in den vergangenen Monaten Irritationen gegeben, nachdem es der Gemeinde Neu Wulmstorf gelungen war, Bundes- und Landesmittel für die Sanierung des eigenen Hallenbades zu erhalten. Aufseiten der Hamburger Umweltbehörde und der Bäderland GmbH sah man damit die Grundlage des Projekts, die Zusammenlegung der Hallenbäder Neu Wulmstorf und Süderelbe sowie der Freibäder Neugraben und Neu Wulmstorf in einem Neubau an der Landesgrenze, im Neubaugebiet Fischbeker Reethen, nicht mehr gegeben und wollte die Pläne nicht weiterverfolgen. Neu Wulmstorf allerdings sieht in seiner Hallenbadsanierung keinen Widerspruch zum Kombibad-Plan, sagte der Neu Wulmstorfer Fachamtsleiter Ortsentwicklung und Immobilienwirtschaft, Thomas Saunus, der ebenfalls an der Sitzung teilnahm.

„Wir haben die Fördermittel bekommen und genommen, weil wir so in dem Hallenbad im Schulzentrum kontinuierlich das Schul- und Vereinsschwimmen für Neu Wulmstorf gewährleisten können. Viel mehr kann dieses Bad aber auch nicht leisten. Für das Freizeitschwimmen und vor allem das Freibadangebot setzen wir auf alle Fälle auf das Kombibad.“

Hinzu käme, dass das Kombibad in der Abfolge von politischen Beschlüssen und Verträgen, Architektenwettbewerb, Feinplanung, Baugenehmigung und eigentlichem Bau bei optimistischer Schätzung noch mindestens acht Jahre von der Eröffnung entfernt wäre. Dann hätte die Hallenbadsanierung in Neu Wulmstorf auch schon wieder nahezu ihre Halbwertzeit erreicht. Die BUKEA will nun ein neues Gutachten erstellen lassen, um erneut den Schwimmbadbedarf in der Region zu ermitteln – auch vor dem Hintergrund der Neubaugebiete in Fischbek und Neu Wulmstorf. Gemeinsam hätte das Kombibad einen Einzugsbereich von gut 80.000 Menschen, davon drei Viertel auf Hamburger Seite der Grenze. „Das Bad wäre ein positives und anschauliches Beispiel für Sinn und Nutzen der Metropolregion und könnte sicherlich auch darüber gefördert werden“, sagt Saunus.

Planungen bei MidSommerland plötzlich sogar sehr greifbar

Was das MidSommerland angeht, sind die Planungen plötzlich sogar sehr greifbar: Im Zuge der Sanierung des Freizeitbades könnte dies um einen Anbau erweitert werden, in dem eine Sprunganlage und ein vier Bahnen breites Lehr- und Sportbecken untergebracht würden. Die Hanglage des Bades würde dabei helfen, denn man könnte das Becken quasi als Hochbau ans Gebäude anschließen, ohne dafür erst eine Grube graben zu müssen. Es würde dort ansetzen, wo sich jetzt das Kleinkinderbecken „Wikiland“ befindet und dann in Richtung Hang und jetziger Parkplätze gehen. In Aussicht gestellt war dies schon, nur hieß es bislang, dass die Harburger Schwimmfreunde der Initiative „Yes We Swim“ die Kosten aufbringen sollten.

Jetzt übernimmt die Bäderland GmbH auf alle Fälle die Planungskosten und die BUKEA hat die Baukosten bei der Finanzbehörde beantragt. Sanierung und Neubau sollen im Sommer 2023 beginnen und zwei Jahre dauern. „Allerdings kann es passieren, dass der Finanzbehörde wegen der Corona-Krise am Ende das Geld fehlt.“ sagte Pollmann.

Die Ausgangslage:

  • Die Idee des interkommunalen Kombibades auf der Grenze zwischen Hamburg und Neu Wulmstorf ist, aus vier Bädern eines zu machen: Sowohl in Neu Wulmstorf, als auch in Neugraben-Fischbek sind die Bäder in die Jahre gekommen.
  • Für die Sanierung des Freibads Neu Wulmstorf wären Millionen Euro fällig, das Hallenbad wird jetzt noch einmal für die nächsten 20 Jahre fit gemacht.
  • Mit dem Schwimm-Flügel am Midsommerland hätte die 100.000 Einwohner zählende Kernregion Harburgs 25 Jahre nach Schließung der Schwimmhalle wieder eigene Schul- und Sport-Schwimm-Kapazitäten. Dafür eingesetzt hatte sich vor allem die Bürgerinitiative „Yes We Swim“ mit einem Bürgerbegehren

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