Verkehr Hamburg

ZOB-Umbau in Harburg: Wo die größten Staufallen drohen

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Lars Hansen
Die wichtigsten Buslinien des Stadtteils werden den Bahnhof eineinhalb Jahre nicht anfahren können.

Die wichtigsten Buslinien des Stadtteils werden den Bahnhof eineinhalb Jahre nicht anfahren können.

Foto: Frank Hasse / HA

Entlang der Wilstorfer Straße müssen auf 80 bis 100 Metern Parkplätze in Anspruch genommen werden. Fahrbahn wird zur Bushaltestelle.

Hamburg. Die Grundsanierung des „Doppelknotens“ von B 73, Hannoverscher Straße und Moorstraße am Harburger Bahnhof beginnt nicht direkt auf dem wichtigsten Kreuzungskomplex des Bezirks, sondern an einem seiner losen Enden. Bevor die Kreuzung in Angriff genommen wird, kommt ab September die Hannoversche Straße im Abschnitt von der Hohen Straße bis zum Fernbahnhof dran, erfuhren die Harburger Bezirkspolitiker am Montag im Stadtentwicklungsausschuss.

Schwere Auswirkungen auf den Harburger Verkehr werden aber auch die ersten zwei von derzeit neun geplanten Bauphasen der Knotensanierung und des Umbaus der Harburger Busumsteigeanlage haben. Vor allem auf die Wilstorfer Straße kommen in den nächsten zweieinhalb Jahren große Belastungen zu.

Verkehr Hamburg: Baustellen im Bezirk Harburg geplant

Die Sanierung der Hannoverschen Straße in ihrem Südabschnitt soll bis zum April 2023 andauern. Dabei soll jeweils eine Fahrspur gesperrt und die andere befahrbar sein. In beiden Phasen rollt der Verkehr in Richtung Bahnhof auf der verbleibenden Fahrspur. Der Verkehr von der Moorstraße in Richtung Winsener Straße wird über die Wilstorfer Straße geleitet.

Das gilt auch für die Buslinien des so genannten „Harburger Korridors“, das sind die 14, 143 und 443 sowie für die Linien 141, 241, 146 und 4148. Sie werden in der Wilstorfer Straße auch Ersatzhaltestellen bekommen. „Wir rechnen mit einem Bedarf von bis zu drei Haltebereichen hintereinander“, sagt Verkehrsplaner Felix Brittling aus dem Vorbereitungsstab der Hamburger Hochbahn AG.

Parkraum im Phoenix-Viertel ist ohnehin knapp

Das würde bedeuten, dass entlang der Wilstorfer Straße auf 80 bis 100 Metern Parkplätze in Anspruch genommen werden müssen. Den Anliegern wird dies nicht gefallen: Der Parkraum im Phoenix-Viertel knapp. Und an der Wilstorfer Straße sind viele Kleingastronomen mit Lieferdiensten. Diese werden auch in den weiteren Bauphasen nicht entlastet: Wenn der eigentliche Kreuzungsumbau ab Mai 2023 beginnt, startet auch die Erweiterung der Busanlage am Bahnhof. Dann wird bis zum Herbst 2024 kein Bus mehr den Bahnhof anfahren. Die Linien, die zuvor schon stadtauswärts durch die Wilstorfer Straße geleitet wurden, werden dann auch in Richtung Innenstadt durchfahren. Auch für sie wird eine weitere Haltestelle eingerichtet.

Da die Nebenflächen nicht viel Platz hergeben, müssen die Busse wohl auf der Fahrbahn halten. Autofahrer sollten sich andere Wege in die Stadt suchen. Darüber hinaus will die Hochbahn „lieber früher als später“, die Haltestelle Harburger Ring wieder in Betrieb nehmen.

Verkehr: Autofahrer sollten Harburger Innenstadt umfahren

Autofahrer-Alternativrouten in die Innenstadt könnten, je nach Bauphase auf dem Doppelknoten, über die Hörstener Straße zum Knoten oder über Hörstener Straße und Schlachthofstraße durch den Binnenhafen oder über B 75, Abfahrt Neuland und den Binnenhafen erfolgen, für weiträumige Umfahrer aus dem Osten auch über Marmstorf und Bremer Straße.

In den eineinhalb Jahren, in denen kein Bus am Bahnhof Harburg halten wird, wird sämtlicher Umsteigeverkehr zwischen Bus und S-Bahn am S-Bahnhof Harburg Rathaus erfolgen. Für Pendler aus dem Harburger Osten verlängert sich damit der Weg nach Hamburg um mindestens fünf Minuten. Auf den Bürgersteigen am Harburger Ring wird es in den Baumonaten eng.

Auf dem Bushaltestreifen auch. Für alle Busse, die dann ihre Endhaltestelle hier haben, müssen so genannte Überliegerplätze vorgehalten werden, auf denen Fahrer ihre vorschriftsmäßigen Fahrzeitpausen einlegen können. „Wir werden alle Ablaufpläne so anpassen müssen, dass die längeren Überlagen an den jeweils anderen Endhaltestellen der Linien eingelegt werden können und nicht am Harburger Ring erfolgen müssen“, sagt Brittling.

Harburg: Buslinien werden umgeleitet

Während die Linien des Harburger Korridors über die Wilstorfer Straße auf den Harburger Ring geführt werden, kommen die Linien aus dem Raum Marmstorf und Appelbüttel über den Krummholzberg und den Ring nach Harburg Rathaus und haben dann ihre Endhaltestelle dort, wo sie derzeit noch ihren Zwischenhalt Richtung Marmstorf haben. Die Abfahrt Richtung Marmstorf soll dann ab Knoopstraße, Höhe Museum, erfolgen.

In der Knoopstraße sollen auch die Linie 349 nach Neuland und die 152 nach Wilhelmsburg einsetzen. Sie sollen über die Hohe Straße auf die B 75-Hochstraße geführt werden und dann ab Großmoordamm ihren gewohnten Weg fortsetzen. Ebenso soll es die Linie 543 nach Groß Moor tun, die bereits in Eißendorf einsetzt. Die Linie 142 wird in der Bauphase mit jeder Fahrt im Binnenhafen enden, diesen allerdings über Buxtehuder Straße und Seehafenbrücke anfahren, ebenso, wie die Linien 149 nach Winsen und X 30 nach Bergedorf über Seehafenbrücke und Binnenhafen auf ihre Routen gehen.

Wenn der Harburger ZOB fertig ist, soll er statt wie bisher durchschnittlich 40.000 Umstiege täglich bis zu 60.000 bewerkstelligen. Dieser Anstieg wird bis 2030 erwartet. „Bis 2030 sollen sich die Ankünfte und Abfahrten von Bussen am ZOB Harburg um ca. 25 Prozent gegenüber heute erhöhen“, sagt Hochbahn-Sprecherin Lena Steinat. „Die gesamte nutzbare Haltestellenlänge wird um über 50 Prozent verlängert, so dass Kapazitäten für mehr und größere Busse zur Verfügung stehen und dieser Fahrgastanstieg gut abgewickelt werden kann.“ Während der Bauzeit, so Steinat und Brittling übereinstimmend, wird sich die Buskapazität in Harburg kaum erhöhen lassen.

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