Stadtteil-Entwicklung

Neues Leben im Stadtteil: Sie übernehmen den Wasserturm

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Lars Hansen
Britta (links), Lily und Achim de Buhr ziehen als Familie und Betreiber in den Moorburger Wasserturm..

Britta (links), Lily und Achim de Buhr ziehen als Familie und Betreiber in den Moorburger Wasserturm..

Foto: Lars Hansen / xl

Im Hafenerweiterungsgebiet Moorburg tut sich etwas: Lange leerstehende Gaststätte wird neu eröffnet, die Saga schafft Wohnraum

Moorburg. Will der Senat Moorburg sterben lassen? Die Befürchtung hatten vor allem grüne Bezirkspolitiker in Harburg zuletzt häufiger geäußert. Grund waren zunehmende und langanhaltende Leerstände von Wohnraum im Stadtteil. Vermieter ist die städtische Wohnungsbaugesellschaft SAGA.

Dittmar Loose, Leiter der SAGA-Geschäftsstelle Harburg widersprach diesen Befürchtungen am Dienstag im Regionalausschuss Süderelbe: Die SAGA sei aktuell dabei, leerstehende Wohnungen in Moorburg zu sanieren und zu vermieten. Und noch eine andere Entwicklung zeigt, dass Moorburg keineswegs stirbt, sondern auch Neues zur Blüte bringt: Die Gaststätte „Zum Wasserturm“ hat neue Pächter und Bewohner. Damit erhält das Dorf seinen beliebten Treffpunkt zurück. Die neuen Wirte sind im doppelten Sinne keine Unbekannten: Britta und Achim de Buhr leben schon seit Jahren in Moorburg und betreiben in Harburg erfolgreich das „KommDu“, eine Hybridgaststätte aus Restaurant, Café und Kulturkneipe.

Lange wurde nach neuen Pächtern für alte Gaststätte gesucht

„Wir hatten schon länger ein Auge auf den Wasserturm geworfen“, sagt Achim de Buhr. „Aber es hat etwas gedauert, bis wir mit der SAGA ins Gespräch kamen. Jetzt arbeiten wir mit Hochdruck daran, den Wasserturm wieder herzurichten.“

In der Vergangenheit war die Suche der SAGA nach neuen Pächtern für die alte Gaststätte stets daran gescheitert, dass die Wohnetage über dem Lokal bei einer Neukonzessionierung nicht, wie zuvor, als Fremdenzimmer hätte genutzt werden können. Die wachsende Wirtsfamilie de Buhr kann das verkraften: Sie zieht einfach selbst ein. „Wir leben ja schon länger in Moorburg und mögen es hier. Und wir brauchen eine größere Wohnung“, sagt Britta de Buhr. Sie betreibt seit fast zehn Jahren ihre Kulturgaststätte an der Buxtehuder Straße. Vor fünf Jahren kam Achim de Buhr erst als Koch und dann als Ehemann hinzu.

„Wir wollen im Wasserturm ein ähnliches Konzept verwirklichen, wie im Komm Du“, sagt Achim de Buhr. „Gutes, günstiges und gesundes regionales Essen; eine gemütliche Einrichtung und ein feines Kulturprogramm. Aufgrund des Zuschnitts des Wasserturms eignet sich dieser auch gut, um hier private Feiern auszurichten.“

Eröffnung verschiebt sich aufgrund von Lieferschwierigkeiten

Um sich nicht zwischen zwei Lokalen zerreißen zu müssen, hat Achim de Buhr, der seine Ausbildung im ostfriesischen „Hotel Stadt Aurich“ absolvierte, sich die zukünftige Hilfe eines befreundeten Kochs gesichert, der derzeit in der gehobenen Hotelgastronomie Töpfe rüttelt. Weitere Köche hat er ebenfalls schon im Blick, denn das Bekochen von Gästen im Lokal ist nur eins seiner Standbeine. Das Catering für Feiern und Events ein anderes. So freuten sich Künstler und Personal des dreiwöchigen Harburger „Südkultursommers“ über ein Backstage-Buffet, das weit über dem Üblichen lag.

Auf die Wiedereröffnung des Wasserturms werden die Moorburger allerdings noch etwas warten müssen. „Wir wollten eigentlich zu Silvester eröffnen“, sagt Achim de Buhr. „Da musste uns unser Einrichter allerdings trocken auslachen. Ob Kasse oder Küche: Alles, was elektronische Komponenten benötigt, hat gerade lange Wartezeiten. Wir hoffen jetzt, Ende Januar, Anfang Februar, eröffnen zu können.“

Substanz mancher Häuser bereitet SAGA große Sorgen

Mit Schwierigkeiten hat auch die SAGA bei der Sanierung ihrer Moorburger Wohnobjekte zu kämpfen, berichtet Dittmar Loose. Zu den Häusern, die die SAGA hier schon länger vermietet, kamen vor einigen Jahren noch weitere, die im Besitz der Landesbetriebs Immobilien und Grundvermögen waren. Unter diesen Häusern befinden sich Sorgenkinder. Ihre Substanz lässt eigentlich keine Vermietung zu, die Sanierung ist kompliziert und teuer. Dabei ist es nicht nur das Geld, das bremst, sondern auch die Manpower: „Wir sind ja darauf ausgerichtet, große Häuser und Siedlungen zu bauen“, sagt Loose. „Diese Kleinteiligkeit ist für uns noch ungewohnt. Grundsätzlich wollen wir aber alle Wohnungen sanieren, denn unser Auftrag ist es Wohnungen zu schaffen!“

Dabei gibt es allerdings ein Hindernis: Moorburg ist Hafenerweiterungsgebiet. Muss die SAGA hier ein Haus abreißen, darf sie hier kein neues bauen. Und es gibt Abrisspläne: „Wo sich ein Haus nicht so sanieren lässt, dass man es wirtschaftlich zu einer vertretbar vermieten kann, kommen wir an unsere Grenzen“, sagt Loose „Hier Verluste zu machen würde heißen, woanders weniger neue Wohnungen bauen zu können.“

Problematisch: SAGA möchte Häuser am Deich abreißen

Die Häuser Moorburger Kirchdeich 18 und Moorburger Elbdeich 143 möchte die SAGA abreißen. „Dann stellt sich die Frage, wie wir die leeren Grundstücke so herrichten, dass sie eine positive Wirkung in der Nachbarschaft haben“, sagt Loose. „Für das Haus Nehusweg 2 suchen wir gerade händeringend nach Ideen, wie wir es erhalten können. Persönlich bin ich da wenig euphorisch, aber das täte mir auch weh, wenn das alte Haus verschwände. Loose hatte auch gute Neuigkeiten: Noch in diesem Jahr kommen zwei fertig sanierte Wohnungen in die Vermietung. Im kommenden Halbjahr sind es noch einmal fünf.

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