Wohnen Hamburg

Bauen in City-Nähe: Wer jetzt eine Chance erhält

| Lesedauer: 4 Minuten
Lars Hansen
Im Wilhelmsburger Rathausviertel bleibt die Brücke der ehemaligen Wilhelmsburger Reichsstraße als Landschaftselement stehen.

Im Wilhelmsburger Rathausviertel bleibt die Brücke der ehemaligen Wilhelmsburger Reichsstraße als Landschaftselement stehen.

Foto: IBA Hamburg GmbH / bloomimages / IBA

4800 neue Wohnungen: Für die Wilhelmsburger Neubaugebiete Rathausviertel und Elbinselquartier startet die Interessenbekundung.

Hamburg. Bis alle Neubaugebiete der IBA in Wilhelmsburg fertig sein werden, dauert es noch bis in die 2030er Jahre, schätzt Projektkoordinator Christian Hinz. Dennoch konkretisieren sich die Planungen immer weiter und auch eine spezielle Gruppe von Bauinteressierten erhält jetzt wieder eine Chance.

Ab Montag, 1. November, eröffnet die IBA das Interessenbekundungsverfahren für Baugemeinschaften in den Quartieren „Wilhelmsburger Rathausviertel“ „Elbinselquartier“. Auch im dritten Quartier, dem „Spreehafenviertel“ soll das Bauen in Baugemeinschaften möglich sein. Das Verfahren dafür beginnt allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt. Für Freitag ist eine eigene Informationsveranstaltung zu diesem Thema geplant.

Wohnen Hamburg: Neue Chance für Baugemeinschaften

Baugemeinschaften sind der Zusammenschluss vieler Einzelner zum gemeinsamen Schaffen von Wohnraum. Das ist ein boomender Trend in deutschen Großstädten und das Interesse an solchen Projekten ist derzeit größer als die Möglichkeiten, sie umzusetzen.

Wer in einer Baugemeinschaft bauen will, verbindet damit die Vorstellung, die Vorteile von Wohneigentum ohne viele als nachteilig empfundene oder befürchtet Aspekte verwirklichen zu können. Die Vorteile sind der tatsächliche Besitz der eigenen Wohnung sowie die Möglichkeit, noch im Bau Einfluss auf ihre Gestaltung zu nehmen. Und dies ohne hohe Grunderwerbskosten wie bei einem Einzelhaus.

Baugemeinschaften: Nachbarn selbst aussuchen

In einer Baugemeinschaft hat man sich seine Nachbarn zudem vorher ausgesucht und sich auf gemeinsame Umgangsgepflogenheiten, Rechte und Pflichten geeinigt. Oft ist mit einer Baugemeinschaft auch ein gemeinsam verfolgtes Ideal des Zusammenwohnens verbunden – sei es generationenübergreifendes, inklusives oder besonders klimafreundliches Wohnen.

„Die IBA hat ein besonderes Interesse daran, diese neue Form des Wohnungsbaus zu ermöglichen“, sagt IBA-Geschäftsführerin Karen Pein. „In den Neubauquartieren der IBA in Wilhelmsburg und Oberbillwerder streben wir an, dass Baugemeinschaften bis zu 20 Prozent der Wohnungen in Eigenregie errichten.“

Um diese Quote in den drei Quartieren entlang der Wilhelmsburger Mittelachse zu erreichen, müssten 960 der 4800 geplanten Wohnungen zu Baugemeinschaften gehören. In den zwei Neubaugebieten im ehemaligen „Niemandsland“ zwischen Bahngleisen und alter Schnellstraßentrasse sind sieben Baufelder mit zusammen 630 Wohneinheiten für Baugemeinschaften vorgesehen.

Im weiter nördlich gelegenen Spreehafenviertel sollen noch einmal zwei Baufelder vergeben werden. Die ersten sieben Felder umfassen etwas über 33.000 Quadratmeter. Auf ihnen sollen 63.000 Quadratmeter Wohnfläche verwirklicht werden. „Für die Baugemeinschaften vorgesehen ist hauptsächlich Geschosswohnungsbau, sagt Christian Hinz, „einige Stadthäuser sind allerdings auch dabei. Außerdem sollen Kreativhöfe verwirklicht werden.“

Dezentral erzeugte Wärme

Alle drei neuen Quartiere sollen komplett über die Geothermieanlage von Hamburg Energie mit Fernwärme versorgt werden. Bei einem Baugemeinschaftsvertreter im Projektdialog warf dies die Frage auf, ob das Projekt denn auch selbst Energie erzeugen dürfe. Bei einigen Baugemeinschaften gehört das Erzeugen eigener Energie mittels Solarpaneelen oder Wärmepumpen zum ökologischen Wohnkonzept. Das integrierte Wärmekonzept für Wilhelmsburg sieht auch vor, dass dezentral erzeugte Wärme in das Netz eingespeist werden kann, solange sie aus erneuerbaren Quellen stammt.

Im kommenden Jahr will die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte den Bebauungsplan für das Wilhelmsburger Rathausviertel feststellen, die Bebauungspläne für das Elbinselquartier und das Spreehafenviertel sollen 2023 folgen. Erst mit den beschlossenen Bebauungsplänen, kann die Erschließung der Gebiete begonnen werden. Für das Rathausviertel rechnet Christian Hinz mit einem Erschließungsbeginn im Jahr 2023 und dem eigentlichen Baubeginn 2025; für die beiden anderen Quartiere dementsprechend ein Jahr später.

Für die Neubaugebiete sind große Infrastrukturmaßnahmen geplant: Eine zentrale Achse, die auch mit einer eigenen Buslinie erschlossen wird, parallel dazu ein Radschnellweg mit Verzweigungen in die Quartiere, Grünachsen und sogar die vorhandenen Wasserwege werden mit eingeplant.

Informationsveranstaltung

Die Informationsveranstaltung findet am Freitag ab 17 Uhr statt. Die Plätze im Bürgerhaus Wilhelmsburg sind bereits ausgebucht, aber online kann man der Präsentation noch beiwohnen und auch an der Diskussion teilnehmen oder Fragen stellen. Den Link kann man unter www.iba-hamburg.de finden.

Ab 16 Uhr stehen im Foyer des Bürgerhauses Info-Stände der IBA und der Agentur für Baugemeinschaften. Die Agentur für Baugemeinschaften begleitet Interessenten von der ersten Idee bis zur Realisierung des Kollektivprojekts und berät über Verfahren, Rechtsformen und Fördermöglichkeiten. In der Kontaktbörse der Agentur können sich zukünftige Bauherren zusammenfinden.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Harburg