Stadtentwicklung

Baustart im Harburger Binnenhafen verzögert sich um ein Jahr

| Lesedauer: 6 Minuten
Angelika Hillmer
Diese Ansicht zeigt die geplanten Gebäude des Projekts Aqua2Dock mit Blick von der Blohmstraße aus. Links das Hotel, rechts das Bürogebäude.

Diese Ansicht zeigt die geplanten Gebäude des Projekts Aqua2Dock mit Blick von der Blohmstraße aus. Links das Hotel, rechts das Bürogebäude.

Foto: Imentas

Bauherren des Projekts Aqua2Dock nehmen sich Zeit für Detailplanung. Auch das Hotelprojekt am Goldenen Engel dauert länger.

Harburg. Neue Ausgangslagen durch die Corona-Pandemie, gestiegene Baukosten, Materialmangel: Viele der zahlreich geplanten Bauprojekte im Harburger Binnenhafen kommen nicht recht voran.

Das betrifft auch die zwei kleineren der einstmals fünf im Hafenquartier anvisierten Hotels, das 165-Zimmer-Haus der Marke „the niu“ im Rahmen des Projekts Aqua2Dock an der Blohmstraße und ein mit gut 140 Zimmern geplantes Altstadthotel an der Harburger Schloßstraße, für das die Traditionsgaststätte Goldener Engel im Sommer 2019 aufgeben musste.

Im Mai 2019 begann Abriss, um Platz für Hotelneubau zu schaffen

Im Mai 2019 wurden die im Hinterhof des denkmalgeschützten Fachwerkgebäudes liegenden Werkstätten und Garagen abgerissen um Platz für den Hotelneubau zu machen. Es sah so aus, als ob der Goldene Engel in absehbarer Zeit eine Zukunft als Hotelrezeption mit Frühstücksraum, Bar und vielleicht auch wieder einem Restaurant erhalten wird. Doch dann schlug das Corona-Virus zu. Das Fachwerkhaus ist bis heute verwaist, das Baugrundstück eine Grünfläche. Wann und wie es weitergeht, kann Christian Feck, Geschäftsführer des Investors aestate Immobilienentwicklung, noch nicht sagen: „Wir sind am Sondieren. Wir haben jetzt andere Voraussetzungen als vor 24 Monaten.“

Die ehemalige Pächterin des Goldenen Engels Waltraud Hörlberger ist mit ihrem Catering nach Rönneburg umgezogen und bietet an der Vogteistraße 20 täglich, auch am Wochenende, Mittagstische sowie Kuchen an. Aufgrund der Jahreszeit eher zum Mitnehmen, weil sie nur im Außenbereich Tische und Stühle hat. „Wir vermissen den Goldenen Engel immer noch“, sagt Hörlberger, die ihr Personal auf zwei Köche reduzieren musste. „Und andere Leute vermissen ihn auch. Ich habe die Telefonnummer vom Engel mitgenommen und erhalte jetzt einige Anfragen für Weihnachtsfeiern im Goldenen Engel.“ Nicht jeder hat mitbekommen, dass die Gastro-Adresse Harburger Schloßstraße 7-9, deren Wurzeln mindestens bis ins Jahr 1730 zurückreichen, nicht mehr existiert.

An den Kaimauern der Kanäle sollen Boote anlegen

Für das zweite Bauprojekt an der Blohmstraße mussten nur zwei alte Lagerhallen weichen. Hier hat der Paletten-Service Hamburg seinen Sitz, geführt von den Brüdern Ingo, Guido und Heiko Mönke. Sie planen den Bau eines fünfgeschossigen Bürogebäudes plus Staffelgeschoss mit einer Nutzfläche von insgesamt 7500 Quadratmetern. Nebenan soll ein Hotel auf fünf Etagen heranwachsen, das die Hamburger Hotelgruppe Novum Hospitality betreiben will, unter der Marke niu hotel Quay. Der Beiname Quay spielt, wie auch der Projektname Aqua2Dock, auf die Wasserlage am Lotse- und am Ziegelwiesenkanal an.

Die Bauherren wollen nicht nur ihr Grundstück, sondern auch die Wasserflächen jenseits der neu gebauten Kaimauern nutzen. Auf der Seite des Lotsekanals ist eine Infrastruktur für Dauerliegeplätze installiert. „Hier können wir uns zum Beispiel Traditionssegler vorstellen“, sagt Ingo Mönke. Die vom Bezirk geäußerten Bedenken, dass Großsegler die Kanaldurchfahrt zu sehr verengen, teilt er nicht. Am Ziegelwiesenkanal würden die Mönkes gern eine Steganlage für einen kleinen Yachthafen bauen. Aber dafür müsste die nach der Kaisanierung nur noch acht Meter breite offizielle Liegefläche für Boote in den Kanal hinein erweitert werden. Auch hier muss der Bezirk noch zustimmen.

Vorübergehend nutzt ein benachbartes Unternehmen Baufläche

Auf der Baufläche an Land wird sich bald etwas tun. Allerdings werden dort zunächst keine Gebäude, sondern Kaimauer-Segmente für Hamburg gebaut. „Unser Nachbar, das Bauunternehmen August Prien, fragte an, ob er die noch leere Baufläche für die Arbeiten vorübergehend nutzen darf, weil in Hamburg die Fläche fehlt. Wir haben ihm das erlaubt – im Binnenhafen hilft man sich gegenseitig“, sagt Mönke. Möglich ist dies nur, weil das eigene Bauprojekt voraussichtlich erst Mitte 2022 starten wird.

Eigentlich könnten die Mönkes jetzt loslegen, aber sie lassen sich Zeit. „Wir haben jetzt die Chance, Büros der Zukunft zu bauen, die sich an den durch Corona geänderten Bedürfnissen orientieren“, sagt der Bauherr. „Außerdem sind die Baukosten derzeit extrem hoch, und manches Material, zum Beispiel Dämmstoffe, ist gar nicht zu bekommen.“ Der Stahlpreis habe sich während der Pandemie verdoppelt, der Holzpreis zeitweise sogar vervierfacht, so der Unternehmer. Inzwischen liege der Preis für Holz etwa beim Dreifachen des Ausgangspreises. Mönke setzt darauf, dass sich die Märkte bis zum Sommer 2022 weiter beruhigt haben werden.

Fazit: „Es macht keinen Sinn, jetzt vorzupreschen. Wir müssen erst sehen, was die Mieter wollen.“ Es gebe Interessenten für die Büroflächen, so Mönke. Jetzt gehe es zunächst darum, mit Hilfe von beauftragten Planern den Innenausbau zukunftsfähig zu gestalten. Mit Desk Sharing (Schreibtischen, die von mehreren Mitarbeitern genutzt werden), mit offenen Bereichen und größeren Sitzungsräumen, in denen die pandemiebedingten Abstandsgebote eingehalten werden können. Die Planung laufe in enger Absprache mit Beratern der voraussichtlichen Mieter. „Wir möchten Mieter haben, die locker Zehnjahresverträge unterschreiben. Und keinen ständigen Mieterwechsel mit jeweils neuen Ansprüchen an die Raumgestaltung.“

Bauzeit von Hotel und Bürogebäude beträgt rund zwei Jahre

Die Bauherren wollen das Winterhalbjahr nutzen, um ihr Büroraum-Angebot aufzuwerten. Wenn der Bau tatsächlich im Sommer 2022 beginnt, können wohl Mitte 2024 die ersten Büros bezogen und das Hotel eröffnet werden. Eigentlich sollte Aqua2Dock 2023 fertiggestellt sein. Ingo Mönke kann mit dem pandemiebedingten Zeitverzug leben: „Wir haben das Projekt für die nachfolgenden Generationen auf 50 Jahre ausgelegt. Da kommt es auf ein Jahr früher oder später nicht so an.“

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