Neue Saison

Volles Programm: Das hat das Harburger Theater zu bieten

| Lesedauer: 5 Minuten
Lars Hansen
Mit dem Stück „Die Reise der Verlorenen“ startet die Harburger Theatersaison am Donnerstag, 21. Oktober.

Mit dem Stück „Die Reise der Verlorenen“ startet die Harburger Theatersaison am Donnerstag, 21. Oktober.

Foto: Bo Lahola

Sechs Abendfüllende Theaterstücke, vier Comedyabende, zwei Kinderstücke – auf der Bühne im Helms Saal herrscht wieder Betrieb.

Harburg. Das Harburger Theater bekommt ein neues Gesicht. Nein, es wird nicht schon wieder umgebaut. Aber es bekommt mit Thomas Luft eine neue Person, die das Theater repräsentiert. Intendant Axel Schneider bleibt auch. Er kommt in Zukunft nur seltener nach Harburg.

Denn bei vier Spielstätten seiner „Stäitsch-Theaterbetriebs GmbH“, zu denen auch das Harburger Theater gehört, mit einem Repertoire von 24 Stücken, plus Comedy-Gastspiele und Kindertheater, kommt man an seine Grenzen. Deshalb ist für das Harburger Theater künftig nicht mehr Schneider selbst sondern Luft der Ansprechpartner. Er stellte sich bei der Auftaktveranstaltung zur Spielzeit 2021/22 für Abonnenten und Honoratiorinnen selbst vor.

Neues Gesicht: Thomas Luft neuer stellvertretender Theater-Chef

Der 54-Jährige ist von Haus aus Schauspieler und hat gemeinsam mit seiner Frau eine Produktionsfirma für Gastspieltheater: „Theaterlust“. Diese arbeitet wiederum eng mit Stäitsch zusammen. Luft kennt das Harburger Theater auch daher bereits. Beim ersten Stück der Harburger Theatersaison, „Die Reise der Verlorenen“ – Harburger Premiere am 21. Oktober – führt er Regie. „Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe und eine vielseitige Saison“, sagte er.

Dem Publikum war anzumerken, wie sehr ihm das Theater in den vergangenen eineinhalb Jahre gefehlt hatte. Geradezu gierig saugten die Zuschauer die Programm-Ausschnitte in sich auf, die Axel Schneider und Thomas Luft mitgebracht hatten. Viele der angespielten Stücke stehen zwar nicht auf dem kommenden Harburger Spielplan, laufen aber auf den anderen Hamburger Stäitsch-Bühnen. Dem Genuss tat das keinen Abbruch. Axel Schneider erklärte, dass dies nicht nur dem Publikum so ginge. „Wir waren in der Corona-Zeit nicht untätig“, sagte er. „Wir haben geprobt und produziert und durften letztlich doch nicht aufführen. Das war frustrierend.“

Sechs Erwachsenenstücke stehen bis Ende März auf dem Spielplan

Sechs Erwachsenenstücke stehen bis Ende März auf dem Spielplan, dazu zwei Kinderstücke im Herbst und Winter und vier Comedygastspiele. Darunter ist der Handpuppenplapperer Werner Momsen. Der frotteegesichtige Hamburger Jungsenior will den Harburgern am 31. Oktober alles über Urlaub erzählen.

Das erste Stück der Saison ist allerdings ein ernstes: „Die Reise der Verlorenen“. Die Premiere ist am 21. Oktober, weitere Aufführungen gibt es bis 30. Oktober täglich außer montags und dienstags. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1939: 937 Juden gehen in Hamburg an Bord der St. Louis. Sie wollen nach Kuba und von dort weiter in die USA oder andere Länder. Doch der kubanische Präsident verbietet die Einreise. Die Flüchtlinge dürfen nicht von Bord. Auch andere Länder weisen die „St. Louis“ ab. Eine Zeit des Hoffens und Bangens beginnt. „Dieses Stück gehört in diese Stadt und in diese Zeit“, sagt Peter Luft. „Damals nahm die Geschichte hier ihren Anfang und heute wiederholt sie sich immer noch immer wieder anderswo.“

Das zweite Stück der Spielzeit ist eine Besonderheit: Mit „Josef und Maria“ von Peter Turrini hat einmal wieder eine Stäitsch-Produktion ihre Premiere in Harburg, bevor sie an die anderen drei Bühnen weiterzieht. Das ist selten. Die meisten Stücke, die in Harburg auf die Bühne kommen, sind in den Kammerspielen und dem Altonaer Theater schon lange ausgespielt – oft sogar in der Saison davor. Es ist ein Zweipersonenstück. April Hailer spielt die Putzfrau Maria, Gerhard Garbers den Nachtwächter Josef. Sie begegnen sich bei der nächtlichen Arbeit in einem Kaufhaus.

Porträt zweier einsamer Menschen in einer Wohlstandsgesellschaft

Kurz vor Heiligabend feiert die Kaufhausleitung mit den Angestellten das Weihnachtsgeschäft. Ausgenommen sind natürlich Arbeitskräfte wie Maria und Josef. Sie kommen ins Gespräch, erzählen einander die Stationen ihres Lebens, ihre Wünsche und Träume, gescheiterte und bewahrte Hoffnungen, politische und private Kümmernisse. So entsteht ein Porträt zweier einsamer Menschen in einer vermeintlichen Wohlstandsgesellschaft. Premiere ist am 21. November, weitere Aufführungen am 1., 2., 3., 4., 9. und 10. Dezember.

Vor dem Jahreswechsel stehen auch noch zwei Kinderproduktionen auf dem Spielplan: „Meisterdetektiv Kalle Blomkvist“ hat in Harburg am 27. November Premiere, weitere Vorstellungen zweimal täglich jeweils sonntags vom 5. bis zum 19. Dezember sowie 18. Dezember. Auch das zweite Kinderstück spielt in Schweden: „Petterson bekommt Weihnachtsbesuch“, und zwar ab dem 11. Dezember und an diesem Tag gleich drei Mal, sowie am 22. und 23. Dezember. Vom 2. Dezember an steht das Stück bereits für Kindertagesstätten auf dem Programm.

Auch im kommenden Jahr noch einige Leckerbissen geplant

Auch nach den Feiertagen wartet das Theater noch mit vielen Leckerbissen auf: „Loriots dramatische Werke“, „Die Deutschlehrerin“, „Ein Kapitel für sich“ und „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ warten dann noch auf die Harburger. Außerdem Comedy-Gastspiele von Gayle Tufts, Rüdiger Hofmann und Walter Sittler, der mit einem Dieter-Hildebrandt-Programm kommt.

Weitere Informationen zum Programm, den Karten und Ticket-Abos finden sich unter www.harburger-theater.de

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Harburg