Verkehr Hamburg

Müssen wir uns an die Staus in Hamburgs Süden etwa gewöhnen?

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Lars Hansen
Einer der Hotspots: Der „Doppelknoten“ zwischen Bahnhof und Buxtehuder Straße wird im kommenden Jahr umgebaut. Stau ist vorprogrammiert.

Einer der Hotspots: Der „Doppelknoten“ zwischen Bahnhof und Buxtehuder Straße wird im kommenden Jahr umgebaut. Stau ist vorprogrammiert.

Foto: Lars Hansen / xl

Verkehrschaos war Aufregerthema der Bezirksversammlung – samt Besuch aus dem Rathaus und provokanter Thesen.

Harburg.  Es war in Höflichkeitsbesuch der Wissenschafts-, Gleichstellungs- und an dritter Stelle auch Bezirkssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) in der Harburger Bezirksversammlung. Eine halbe Stunde lang sprach die zweite Bürgermeisterin zu den Bezirksabgeordneten und sagte dabei wenig über den Bezirk. Danach war sie noch eine halbe Stunde für Fragen offen. Sichtbar gern sprach sie dabei über die Technische Universität, die sie als Wissenschaftssenatorin gut kennt, deren Angelegenheiten aber nur dann die Bezirkspolitik tangieren, wenn es um Flächenbedarf und Neubaupläne geht. Die TUHH soll und muss wachsen und das am Standort Harburg bekräftigte Fegebank.

Staus in Harburg: Was Katharina Fegebank dazu sagte

Immerhin: Die Verkehrsproblematik im Hamburger Süden kennt sie auch aus eigener Anschauung, seit sie in diesem Sommer einige Wahlkampftermine im Süden absolviert hat und dabei selbst im Stau gefangen war. „Ich habe dabei auch mitbekommen, dass das Thema hier die Gemüter stark bewegt“, sagte sie, „und ich schlage Ihnen vor, dass Sie dazu Verkehrssenator Anjes Tjarks oder Staatsrat Martin Bill in die Bezirksversammlung oder einen Ausschuss einladen.“

Womit sie diesen schwarzen Peter ihren zwei Parteifreunden von der Stadthausbrücke zugeschoben hatte, die in der Hinsicht allerdings auch wirklich kompetenter sind. Das Stauchaos des Sommers war ein wiederkehrendes Thema sowohl in der Senatorinnenstunde als auch in der regulären Tagesordnung, wo die Debatte, wie der Grünen-Verkehrsexperte Fabian Klabunde es sagte, „angenehm sachlich verlief, ohne, dass hier Vorurteile über fahrradverliebte Grüne geschürt wurden.“

Bezirksversammlung diskutiert über die Verkehrsproblematik

In der Sache wurde es allerdings kontrovers: Der Antrag der CDU, dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) bei der Baustellenplanung Kompetenzen zu entziehen, wurde von der Rot-Grünen Bezirksmehrheit angelehnt. Die CDU hatte darin ein Baustellenkoordinationsgremium gefordert, das dem LSBG gegenüber weisungsbefugt ist. Die bisherige Koordinationsstelle (KOST) ist beim LSBG angegliedert. Hintergrund ist, dass in Sitzungen der KOST Anfang 2021 Bedenken der Harburger Bezirksbaustellenkoordinatorinnen gegen die starke Häufung von Großbaustellen im Süden übergangen wurden, da die Bezirkskoordinatoren zwar Ortskenntnis, aber kein Mitspracherecht haben. Der LSBG hatte in dieser Hinsicht schon in der Vergangenheit keine glückliche Hand. „Das Resultat waren lange Staus und Wochen, in denen Scharen von Polizisten den Verkehr händisch regeln mussten, weil er bei eingeschalteten Ampeln völlig zusammengebrochen wäre“, sagte Rainer Bliefernicht, Verkehrsexperte der CDU-Fraktion.

SPD und Grüne hatten einen eigenen Antrag dazu gestellt. Sie fordern keine formale Entmachtung des LSBG, sondern eine Stärkung der Bezirkskoordinatoren, die ein Vetorecht für Landes-Baumaßnahmen erhalten sollen. „Wir sollten uns allerdings nicht der Illusion hingeben, dass es dadurch besser wird. Sobald eine Straße gebaut wird, ist sie auch ausgelastet. Wenn man sie dann irgendwann reparieren muss, sind Staus unvermeidlich, gerade im Süden, wo es wenig Alternativstrecken gibt. Wir werden uns also an diese Staus gewöhnen müssen, aber wir müssen auch besser damit umzugehen lernen.“

Schon im Herbst: Die nächsten Großbaustellen mit neuen Staus

Man braucht keine Glaskugel, um zu ahnen, dass Klabunde recht haben könnte: Schon jetzt im Herbst kommen die nächsten Großbaustellen: Die Querverbindung Appelbüttel-Hausbruch wird im Oktober zunächst am Eißendorfer Waldweg abgeschnitten, ab November folgt die eineinhalb Jahre währende Vollsperrung des Ehestorfer Heuwegs. Auf der Winsener Straße/Hittfelder Landstraße holt der LSBG in den niedersächsischen Ferien die Grundsanierung der Schnellstraße stadtauswärts nach, die er im Sommer liegen ließ.

Am Harburger Ring wird der Herbert-Wehner-Platz erneuert und dabei gleichzeitig ein Teil der Velo-Route auf dem Ring realisiert. Im Binnenhafen wird die nächste Baustelle eingerichtet: zwischen östlichem Bahnhofskanal und Schlossstraße wird die gesamte Straße saniert und zum Schluss entsteht dort ein Stück der Veloroute 10. Deren Baustellen an Kanalplatz und Blohmstraße bleiben noch bis Ende November. Ebenfalls bleibt die Sperrung der Neuländer Straße, so dass der Verkehr durch den Binnenhafen durch enge Korridore gezwängt wird. Eigentlich wollte der Bezirk im Herbst auch noch den Reeseberg grundsanieren und anwohnerfreundlich umbauen, lässt das vorerst aber lieber liegen.

2021 beginnen Arbeiten zum Umbau des „Doppelknotens“

Im kommenden Jahr beginnt dann der Umbau des „Doppelknotens“ Moorstraße/Hannoversche Straße/Buxtehuder Straße/Walter-Dudek-Brücke, inklusive ZOB-Neugestaltung und Bau der Fahrradstation, insgesamt für eineinhalb Jahre angesetzt. Auch der Velorouten-Kreisverkehr an Nartenstraße und Neuländer Straße könnte in dieser Zeit Thema werden. Diskussionsstoff hat die Bezirksversammlung auf alle Fälle in nächster Zeit genug.

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