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Wie aus Hamburger Schülern junge Wahlhelfer werden

| Lesedauer: 4 Minuten
Josefine Harms
Im Haus Rissen werden Schülerinnen und Schüler in Seminaren zu Wahlhelfern ausgebildet.

Im Haus Rissen werden Schülerinnen und Schüler in Seminaren zu Wahlhelfern ausgebildet.

Foto: Christiane Bach / Haus Rissen

Harburger Stadtteilschule und Bildungsinstitut haben junge Erwachsenen ausgebildet – das Interesse an dem Kursus war enorm

Harburg.  Bis spät in die Nacht werden die Wahlhelfer bei der Bundestagswahl am kommenden Sonntag, 26. September, Stimmen auszählen. Der 18-jährige Mike Helmke aus dem Hamburger Stadtteil Neuland wird einer von ihnen sein. 2020 wurde er vom Team des Haus Rissen als Erstwahlhelfer ausgebildet.

In diesem Jahr arbeitet wieder in einem der Wahllokale. Ein Freund von mir hat einen Flyer für das Seminar bekommen. Wir wurden von der Schule freigestellt und sind dann zusammen hingegangen“, sagt der Harburger über seine Anfangsmotivation.

Junge Wähler aus Hamburg lernen Grundsätze der Demokratie

Das Haus Rissen als Institut für Wirtschaft und Bildung bemüht sich, durch derartige Projekte, das Interesse an Politik bei jungen Menschen zu steigern und damit auch deren Wahlbeteiligung. Seit 2017 gibt es ein Seminar, das Erstwähler zu Wahlhelfern ausbildet. Dort besprechen junge Wähler aus ganz Hamburg in Kleingruppen die Grundsätze der Demokratie. Außerdem proben sie im Rollenspiel den Ablauf einer Wahl.

„Normalerweise sind die Seminare bei uns vor Ort“, sagt Nina Siemer, Projektleiterin vom Haus Rissen in Hamburg. Etwa 100 junge Wähler werden so kurz vor jeder Wahl ausgebildet. Um an dem Seminar teilnehmen zu dürfen, müssen sie zwischen 18 und 25 Jahren alt sein, einen deutschen Pass besitzen und damit wahlberechtigt sein. Sie können dann auch direkt im Wahllokal eingesetzt werden.

Auch an der Harburger Stadtteilschule Fischbek–Falkenberg informieren Lehrer ihre Schüler über das Projekt, immer wieder haben einige von ihnen an den Seminaren teilgenommen. In diesem Jahr war war das Interesse deutlich größer als bislang hoch. „Es wollten mehr 20 Schüler mitmachen,“ sagt Lisa Uhr, die als Lehrerin den Kurs organisiert hat.

Die Stadtteilschule ist mit 1733 Schülern nach Angaben der Schulbehörde die zweitgrößte in ganz Hamburg. Aufgrund des enormen Interesses und um niemanden auszuschließen wird nun ein eigener Workshop an der Schule angeboten – eine Premiere auch für das Haus Rissen. Da die Stadtteilschule am kommenden Sonntag auch Wahllokal ist, können einige Schüler sogar in gewohnten Räumen als Wahlhelfer arbeiten. Zudem wurde an der Schule Fischbek auch das Projekt Juniorwahl organisiert. Hier können alle Schüler ab der achten Stufe an einer Wahlsimulation teilnehmen. Dafür wird ein Wahllokal in der Schule errichtet, in dem die Schüler dann auch probehalber abstimmen können.

Ausgebildete Schüler gehen häufiger wählen als andere

„Wir haben festgestellt, dass Schüler, die als Erstwahlhelfer arbeiten und am Seminar teilnehmen, häufiger wählen gehen als die, die es nicht tun“, sagt Lisa Uhr. „Sie sind auch Multiplikatoren. Wenn man den Wahlbogen kennt und weiß, wie eine Wahl abläuft, kann man das auch an seine Familie weitergeben.“

Auch bei Mike Helmke war es so. „Vorher war ich Nichtwähler, habe mich nie groß für Politik interessiert. Vor allem bin ich wegen des Geldes hingegangen, das man als Wahlhelfer verdient.“ Nina Siemer weiß darum. „Natürlich meldet sich nicht jeder Schüler wegen seiner Begeisterung für Politik beim Seminar an“, sagt sie. Trotzdem sei die Schulung ein guter Einstieg in das Thema und könne bei manchen Schülern das Interesse an Politik steigern.

Mike Helmke hat die Ausbildung zum Wahlhelfer gefallen. „Man konnte sich mit den anderen Schülern über Politik austauschen und gut als Team zusammenarbeiten. Außerdem haben wir viel über die Parteien erfahren.“ Und wählen geht er jetzt auch.

Das Haus Rissen:

  • Das Haus Rissen ist ein Institut für Internationale Politik und Wirtschaft. Seinen Namen hat es von seiner Lage: das repräsentative Herrenhaus steht oberhalb der Elbe an der Rissener Landstraße im gleichnamigen Hamburger Stadtteil.
  • Hier werden verschiedene Seminare für Jugendliche und Erwachsene angeboten. Seit 2017 ist das Erstwahlhelferseminar im Programm. Der Kursus wird vor jeder Wahl angeboten, zur Bundestagswahl wurde er allerdings kräftig erweitert.
  • Die Idee des Hauses Rissen hat sich mittlerweile gut verbreitet. Die Kurse gibt es inzwischen in sieben Bundesländern. Anmeldung ist möglich unter: https://hh.erstwahlhelfer.de/anmelden.html

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