Harburger Hochstraße

Sanierung: So will Harburg seinen Problemplatz beseitigen

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Lars Hansen
Die Basaltstelen an der Bushaltestelle Reeseberg sollen eine optische Abgrenzung zwischen Stadt und Park bewirken. Der Platz dahinter wirkt für viele Anwohner allerdings wie ein Angstraum.

Die Basaltstelen an der Bushaltestelle Reeseberg sollen eine optische Abgrenzung zwischen Stadt und Park bewirken. Der Platz dahinter wirkt für viele Anwohner allerdings wie ein Angstraum.

Foto: Lars Hansen / xl

Kaum Licht und nur wenig einsehbar: Der Platz an der Harburger Hochstraße soll umgestaltet werden und wieder einladend wirken. Das ist geplant.

Harburg.  Das Bezirksamt plant, den Platz an der Ecke Außenmühlenweg/Winsener Straße hinter der Steinstelenwand unter der Harburger Hochstraße aufzuwerten. Dafür bieten sich dort zahlreiche Möglichkeiten. Jan Paulsen vom Fachamt „Management des öffentlichen Raums“ denkt dabei in erster Linie an eine bessere Beleuchtung, neue Bänke und die Entfernung der Basaltstelen, die einst als ästhetisches Gestaltungselement gedacht waren. Der Regionalausschuss der Bezirksversammlung hat bereits zugestimmt. Ende des Monats möchte Paulsen wegen der Stelen auch noch das Plazet des Kulturausschusses einholen.

Der Platz war einmal als eine schöne Begegnungsstätte gedacht. Als in den 1970er-Jahren die Harburger Stadtautobahn geplant wurde, hatte sich Widerstand dagegen geregt. Immerhin berührt die Schnellstraße den Harburger Stadtpark und einige Wohnhäuser mussten ebenfalls weichen. Auch dort, wo jetzt der Platz ist, stand einst ein Eckhaus. Die Häuser fielen, aber ansonsten kamen die Planer den Bürgerbedenken weit entgegen: Über der Kreuzung wurde die Brückenunterseite künstlerisch gestaltet, die Brückenpfeiler sollen mit ihrer konischen Form an die Bäume erinnern, die hier für die Straße gefällt wurden, parallel zur Nöldekestraße entstanden lang ersehnte Parkplätze für die Phoenix-Arbeiter und am Außenmühlenweg der Platz.

Eigentlich war der Platz als Begegnungsstätte gedacht – doch er weckt Angstgefühle

Die konzentrisch angelegte Pflasterung, die kreisförmig angeordneten Bänke und die Basaltwand sollten hier einen Ort der Begegnung als Vorhof zum Stadtpark schaffen. Die Stelen, so dachte Architekt Harro Freese seinerzeit, sollten die Sicht auf den unschönen Straßenverkehr verstellen und die Abgrenzung zwischen dem hektischen Treiben auf der einen und der Grünanlage auf der anderen Seite bilden.

Doch das Konzept ging nicht auf. Unter der Brücke war es tagsüber schattig und abends schummrig. Die Stelen verdeckten nicht nur die Sicht, sondern nahmen auch das Licht. Die in den 80er-Jahren üblichen Hamburger Pilzlampen trugen wenig dazu bei, die Fläche auszuleuchten, sondern schufen höchstens Inseln funzeligen Zwielichts in tiefster Dunkelheit. Der schlecht einsehbare Platz wurde zum Treffpunkt derer, denen es ganz recht war, nicht gut gesehen zu werden. Und das Kunstwerk Basaltwand lud seine Betrachter mit Fortschreiten der Nacht immer mehr dazu ein, sich an ihm zu erleichtern.

Die Basaltstelen sollen weg und damit eine Öffnung zur Straße erfolgen

Die Wand soll nun weichen. Dadurch würde, so Paulsen, „eine offene Sichtbeziehung zwischen Platz und Straße entstehen.“ Das macht Sinn, denn genau das sollte die Installation ursprünglich verhindern. Wie gemütlich es danach auf dem Platz sein wird, muss sich erweisen, denn die Steine sind nicht nur Sicht- sondern auch Schallschutz. Den Platz an sich will das Bezirksamt belassen. Das Pflaster ist noch in Ordnung, die Bänke kann man instandsetzen. Außerdem soll ein Lichtplaner gefunden und beauftragt werden, eine Illumination der bauchigen Brückenunteransicht der Hochstraße vorzunehmen.

Der Platz ist allerdings nicht der einzige Problembereich unter der Hochstraße: Die Engelbek, die seinerzeit hier von ihrem unterirdischen Verlauf wieder an die Oberfläche geholt wurde, verläuft in Richtung des Platzes parallel zu einem Weg, den Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen nutzen sollen, der aber nach heutigen Maßvorgaben höchstens für eine der beiden Fortbewegungsarten zulässig wäre. Zudem sackt die Pflasterung des Weges zum Bachufer hin ab. Dort, wo die Engelbek am Platz ankommt, wird sie noch einmal aufgestaut, um dann wieder in Rohre getrichtert zu werden. Weil das Wasser aber auf seinem Weg über den Außenmühlenteich schon viele Nährstoffe aufgenommen hat, ist es hier stets zumindest stark veralgt, manchmal auch faulig. Weg und Bach sollen in einem weiteren Sanierungsschritt ebenfalls angegangen werden, so Paulsen.

Beschwerden über den Platz gibt es schon seit Jahrzehnten – bislang fehlte Geld

Beschwerden über den Platz hatte es schon seit Jahrzehnten gegeben. Vor allem der Eisenbahnbauverein, der in direkter Nachbarschaft eine Seniorenresidenz hat, setzte sich schon länger für Veränderungen dort ein und hatte dem klammen Bezirk sogar angeboten, den Platz zu erwerben und zu bebauen. Nun soll auf der anderen Seite des Platzes auf dem Gelände der ehemaligen Eisengießerei und Maschinenfabrik ein weiteres Wohnquartier entstehen, dessen Investoren anscheinend ebenfalls auf Umfeldverbesserungen bestehen. Und Geld ist auch da. Die Umbaumaßnahmen sollen aus dem „Rahmenprogramm integrierte Stadtteilentwicklung“ (RISE) Wilstorf finanziert werden.

Am 30. September möchte Jan Paulsen den Plan noch einmal im Kulturausschuss vorstellen. Dessen Vorsitzender Heiko Langanke (Linke) kündigt schon ein hartnäckiges Hinterfragen der Pläne an: „Persönlich bin ich der Meinung, dass die Wand weniger ein Kunstwerk, als ein architektonisches Gestaltungselement ist und dann hat dieser Ausschuss damit nichts zu tun“, sagt er, „aber hier tut sich eine kulturpolitische Frage auf: Ganz offensichtlich und ausdrücklich betrachtet die Bezirksverwaltung die Wand als Kunstwerk. Trotzdem soll die ersatzlos verschwinden. Mehr fällt dem Amt nicht ein. Das ist ganz typisch für das Kulturverständnis des Bezirksamtes. Wenn man diese Wand tatsächlich als Kunstwerk sieht, könnte man ja auch erst einmal abwarten, was ein Lichtplaner aus Platz und Wand machen kann. Vielleicht ja einen lärm- sowie sichtgeschützten Platz, auf dem dann niemand mehr Angst hat!“

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