Forschungsprojekt

Die Zukunft der Post kommt aus Harburg – und heißt Laura

| Lesedauer: 6 Minuten
André Lenthe
Laura zur Inspektion in ihrer Harburger Werkstatt. Jana Purgander (li.) und Manuel Schrick checken den Roboter regelmäßig durch..

Laura zur Inspektion in ihrer Harburger Werkstatt. Jana Purgander (li.) und Manuel Schrick checken den Roboter regelmäßig durch..

Foto: Andre Lenthe Fotografie / HA

An der technischen Universität wird ein Robotersystem entwickelt, das eigenständig Briefe bringen und abholen kann

Harburg.  Die Zukunft der Post ist weiblich und kommt aus Harburg. Laura hat etwa die Größe eines Umzugskartons, vier schwarze Räder und eine rote Dreiecksfahne, um für größere Verkehrsteilnehmer besser sichtbar zu sein. Wer den runden 360 Grad Sensor auf dem Dach erblickt, kann vielleicht erraten was in der schwarzen Box steckt. Jede Menge Technik und ein Teil der Post von Lauenburg.

Dürfen wir vorstellen: Die rollende Roboterkiste heißt Laura und sie ist eine waschechte Harburgerin. Zweimal in der Woche liefert „Lauenburgs automatisierte Roboter-Auslieferung“, wie Laura mit vollem Namen heißt, die Behördenpost in Lauenburg aus. Entwickelt und betreut wird sie allerdings im Harburger Binnenhafen vom Institut für Technische Logistik unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Jochen Kreutzfeldt und einem Team engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Technischen Universität Hamburg. Ihr Zuhause hat sie daher in der Werkstatt eines unscheinbaren Bürogebäudes der Theodor-York-Straße.

In Lauenburg ist autonom fahrender Bus der TUHH unterwegs

Los ging alles mit der Frage, „wie man den automatisiert fahrenden Personennahverkehr mit praktischen Anwendungen ergänzen kann“, erläutert Manuel Schrick, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut tätig ist. Dabei sei man schnell auf die robotergesteuerte Post- und Warenzustellung gekommen. „Als Transporter für größere Distanzen bot sich das TaBuLa-Shuttle an, welches seit 2018 in Lauenburg als autonom fahrender Bus für das hauseigene TUHH-Institut für Verkehrsplanung und Logistik unterwegs ist.“

Zum Projektstart im Januar 2020 stand zunächst viel Recherchearbeit auf dem Plan. Es mussten die Zulassungsbedingungen für den Straßenverkehr ermittelt werden, aber auch, welche technischen Komponenten bereits auf dem freien Markt verfügbar sind. „So einen Roboter bekommt man ja nicht von der Stange, also hat sich die TUHH entschlossen, eine eigene Plattform zu entwickeln“, sagt Jana Purgander, ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin und Studentin an der TUHH.

Im Juli 2021 wurde Laura der Öffentlichkeit auf dem Marktplatz in Lauenburg vorgestellt. Vorausgegangen waren viele Monate der Entwicklung und der Testfahrten in Harburg und Lauenburg. Die Mitarbeiter des Instituts mussten Kieswege befestigen, an einer Stelle eine kleine Rampe bauen, bevor Laura ihre Route barrierefrei absolvieren konnte und mit einem 3D-Scanner eine Karte des vorgesehenen Streckenprofils erstellen. Letzte ist besonders wichtig, damit die alleinfahrende Laura sich auch selbst auf der Strecke orientieren kann und weiß, wo sie sich gerade befindet.

Bald soll Laura ohne Hilfe die Post ausstellen

„Laura wird aktuell noch von einem unserer drei Roboter-Buddys gesteuert, aber schon bald soll sie ganz ohne fremde Hilfe mit bis zu 5,5 km/h die Post ausliefern,“ sagt Julius Lohse, der ebenfalls im Projektteam mitarbeitet. „Noch muss sie per Playstation-Controller gesteuert werden, aber wir hoffen, dass sie bald selbstständig durch Lauenburg auf ihrer Postroute fährt“, so Lohse weiter.

Dafür habe man jede Menge Technik verbaut. Allein drei Rechner mit unterschiedlichen Spezifikationen verbergen sich in dem Roboter. Einer für die Motorleistung, ein Rechner verarbeitet und wertet die Lasersteuerung aus und ein dritter sorgt für das notwendige maschinelle Lernen. Denn Hindernisse aber auch andere Verkehrsteilnehmer erfasst Laura über diverse Sensoren, die rund um den Roboter und auf dem Dach verbaut sind. „Jeder Roboter-Buddy macht übrigens einen Führerschein und muss auch eine Prüfung bei uns absolvieren“, sagt Manuel Schrick, „aber fahren könnte ihn eigentlich jeder, der mal mit einer Playstation gespielt hat. Nur eine Taste auf dem handelsüblichen Controller haben wir uns neu per 3D-Drucker erstellt, nämlich den für die Hupe.“

Laura ist längst Zuhause ausgezogen und wohnt in einer Gartenhütte im Zentrum von Lauenburg. Hier steht sie zwischen ihren Einsatztagen, aktuell dienstags und donnerstags, in der Nähe zu einer Shuttle-Haltestelle. Da sie nicht alleine aus dem Haus kann, wird sie zunächst von ihrem Buddy abgeholt und zur zentralen Posteinlagerungsstelle gefahren. Dafür hat sie extra eine Ladeluke in der Seitenwand, in dieser werden die Behördenbriefe in einer Eurobox verstaut. Dann geht es erstmals am Tag in den Shuttle zur Haltestelle Kirchplatz. Hier geht es über einen Parkplatz zum Amtsplatz wo sich vier ihrer fünf Postabgabestellen befinden und sie sammelt gleich die Ausgangspost wieder ein. Danach fährt sie wieder zurück zum Shuttlebus und setzt ihre Post-Tour zum Elbschifffahrtsmuseum in der Altstadt fort.

Der Roboter sorgt für lebhaftes Interesse

Da auch für Roboter im Fahrplan keine Ausnahmen gemacht werden, muss Laura warten, bis sie einen freien Platz im Shuttle ergattert. Dann geht es wieder zurück zur zentralen Poststelle, die Ausgangspost abgeben. Und zum verdienten Feierabend wird Laura von ihrer Begleitperson zurück in ihr Gartenhaus gebracht, wo sie für den kommenden Arbeitstag wieder ihre Akkus lädt.

Das Interesse an Laura ist groß. Touristen und Anwohner begleiten sie teilweise während ihrer Postwege über den Amtsplatz oder fahren gerne mit ihr im TaBuLa-Shuttle. Die Buddys sind mehr als reine Roboterbegleiter, sie beantworten gerne Fragen rund um ihre automatisierte Briefträgerin und schaffen so die nötige Akzeptanz für das Projekt. Für die Zukunft ist geplant, dass Laura ihre Post völlig unabhängig einsammelt und ausfährt. Dann läuft der Buddy nur noch mit und kann im Notfall oder bei Störungen eingreifen. Das Projekt läuft zunächst bis November 2021. Dann werden die Daten und Erkenntnisse ausgewertet. An der Technischen Universität Hamburg-Harburg hofft man, dass es danach eine Verlängerung und Ausweitung des Testbetriebs geben gibt.

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