Konzert-Auftakt

Neustart nach Corona-Auszeit mit einem Harburger Jung

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Lars Hansen
Dennis Adamus hat sein erstes Album herausgebracht und spielt zum Neustart im Ballroom.

Dennis Adamus hat sein erstes Album herausgebracht und spielt zum Neustart im Ballroom.

Foto: Lars Hansen / xl

Dennis Adamus hat sein erstes Album herausgebracht und spielt erstes Konzert nach Corona-Zwangspause im Harburger Ballroom

Harburg. Wenn Dennis Adamus Freitagabend, 3. September, in „Maria’s Ballroom“ im Harburger Phoenix-Viertel auftritt, sind das gleich mehrere Premieren. Erstens ist es das erste Publikumskonzert in dem Club seit eineinhalb Jahren. Zweitens bildet es den Auftakt zu einer Reihe von „Hybridkonzerten“, die außer im Saal zeitgleich noch live im Internet gesehen werden können. Und drittens hat Adamus seine erste eigene CD im Gepäck. Der Silberling „Right For You“ hat erst vor drei Wochen das Presswerk verlassen.

„Die Arbeit an dem Album hat mich durch die Corona-Zeit getragen“, sagt der Sänger und Gitarrist. „Ich habe mich in mein Studio zurückgezogen, komponiert, getextet und aufgenommen. Fast alles, was auf der Scheibe zu hören ist, habe ich selbst eingespielt und eingesungen. Gastmusiker hätte ich gar nicht angemessen bezahlen können.“

Küken der Harburger Musikszene ist gerade 30 Jahre geworden

Ein wenig Hilfe gab es dann doch: Weibliche Vocals von Daniela Bruhns und ein Saxofon von Esther Klever bei „I’m Breaking Down“, den Gesamt-Feinschliff für die Aufnahmen von Producer-Geheimtipp Moncef Dellandrea und ein ganz besonderer Gastsänger bei „Your Best Friend Too“: Luca, Dennis‘ kleiner Sohn. „Er hat mein Talent geerbt“, sagt Dennis Adamus. „Luca trifft und hält die Töne, wie ein Großer.“

Heraus kam ein Album, das zugleich erfrischend jung und wohltuend altmodisch ist. Viele der Songs hat Adamus trotz der wenigen Gelegenheiten vor Publikum getestet, aber immer nur allein und mit akustischer Gitarre. Dadurch, dass er im Studio sein eigener Chor und seine eigene Band ist – und durch Moncef Dellandreas feinfühlige Abmischung – kommt ein sehr viel satterer und komplexer Sound heraus, der an den Westcoast-Rock der 80er-Jahre à la Eagles oder Linda Ronstadt erinnert: leichtfüßige Rock-Gitarrenrhythmen, feiner Harmoniegesang, deutlicher Country-Einfluss. Das überrascht umso mehr, weil Dennis Adamus, das Küken der Harburger Musikszene, gerade erst 30 Jahre alt geworden ist und die beste Zeit dieses Musikstils nicht selbst miterlebt hat.

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Zumindest den Country-Einfluss kann er erklären: „Das wurde schon sehr früh bei mir angelegt, als mein Vater mir ‘Dixie Chicks’ und den König des Countryrock, Garth Brooks vorgespielt hat.“ Mit 14 Jahren hatte Dennis angefangen Gitarre zu spielen. Mit 16 stand sein Entschluss fest, Profimusiker zu werden. In einer Castingshow schaffte er es sogar beinahe in die erste Sendung, aber ein unhöflicher Mann aus Tötensen sortierte ihn barsch aus, als er „Country“ mit „Kau“ aussprach.

Corona traf ihn hart, zu Nikolaus hatte er noch 100 Euro

Stattdessen versuchte er, in der Harburger Szene Fuß zu fassen. Das war erstmal nicht einfach. Weil er nicht volljährig war, durfte er nicht in Lokalen mit Bühne auftreten. „Mein Vorbild Jimmy Cornett schickte mich dreimal weg, bevor ich ihn dann mit meiner Hartnäckigkeit weichgekocht hatte“, sagt er. „Dann durfte ich mit auf die Bühne. Ich war der Musiker mit dem Muttizettel.“

Schnell verdiente er sich seine Sporen, als Begleitmusiker von Cornett – das ist er heute noch – sowie als Frontmann des Unplugged-Powerrock-Trios „The Roadhogs“ und dann auch als Solokünstler. Vor allem auf weibliche Fans hat er eine große Wirkung, die ihn selbst eher irritiert, als erfreut. Trotzdem lernte er zunächst Mediengestalter und arbeitete auch als solcher. Vollzeitmusiker ist Adamus erst seit wenigen Jahren. Da traf Corona ihn umso härter. „Ich lebte vom Ersparten und nahm auf“, sagt er. „Am Nikolaustag hatte ich noch 100 Euro. Dann gab ich mein erstes Streaming-Konzert und Weihnachten war gerettet.“

Adamus freut sich auf den Neustart. Vor allem, weil er jetzt seinen Fans auch noch den CD-Wunsch erfüllen kann.

Von der 3G-Regel zum 2G-Modell

  • Die Plätze für das Konzert in „Marias Ballroom“ sind ausverkauft. Bei der geltenden 3G-Regel, mit der auch Getestete Einlass erhalten, ist die Platzzahl auf 28 beschränkt. Der Ballroom beginnt seine Saison im zweigleisigen Hybridformat mit Saalpublikum und gleichzeitiger ticketpflichtiger Live-Übertragung im Internet. Für zehn Euro zu buchen unter www.tixforgigs.com/de-DE/Event/37845. Beginn: 21 Uhr.
  • Die nächsten Konzerte in diesem Format sind: Luke Bennet am 8. ,The Black Elephant Band am 9. und 5th Avenue am 10. September. Weitere folgen im September.
  • Ab Oktober könnte auf das 2G-Modell umgestellt werden. Dann könnte es wieder voll werden. Ungeimpfte hätten aber keine Möglichkeit teilzunehmen.
  • Im September startet im Ballroom der „Klangclub“. Den Anfang macht am 17. September „Sam Panda and the Teeth“.

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