Verkehr Hamburg

Bahn blockiert Pläne für Radschnellweg in Fischbek

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Lars Hansen
Schon jetzt, nur rudimentär ausgebaut, ist der Wirtschaftsweg nördlich der Bahnlinie - hier am Übergang Dritte Meile - bei Radfahrern beliebt

Schon jetzt, nur rudimentär ausgebaut, ist der Wirtschaftsweg nördlich der Bahnlinie - hier am Übergang Dritte Meile - bei Radfahrern beliebt

Foto: Lars Hansen / xl

Für die Trasse entlang der Gleise in Fischbek muss nun dringend eine Alternative gesucht werden. Doch wie kann die aussehen?

Hamburg.  Das Radschnellwegnetz der Metropolregion Hamburg soll möglichst viele Menschen dazu bewegen, auch längere Alltagsstrecken ganz oder teilweise mit dem Fahrrad zurückzulegen. Neben einem attraktiven Ausbauzustand – zwei Fahrradspuren je Richtung weitestgehend kreuzungsfrei mit Kraftverkehr und Fußwegen – sollen solche „Velobahnen“, wie man sie in der Schweiz nennt, auch auf Strecken verlaufen, von denen sich die Radler Nutzen versprechen. Sprich: Wohnorte mit Arbeitsorten oder städtischen Zentren verbinden und wenn die Pendeldistanz zu lang erscheint, möglichst häufig den Wechsel von Fahrrad auf Bahn ermöglichen.

Der Radschnellweg Stade Hamburg verläuft unter anderem deshalb weitestgehend parallel zur Bahnlinie. Auch in dem kleinen Teil des Schnellwegs auf Hamburger Gebiet, zwischen der Landesgrenze und dem Bahnhof Neugraben, wo der Schnellweg in Hamburger Veloroutennetz übergeht, soll er entlang der Bahn verlaufen. Hier haben die Planer einen Wirtschaftsweg der Bahn ins Visier genommen, der bereits existiert, intensiv von Radfahrern genutzt wird und derzeit sogar als offizielle Umleitung für die Fahrradfreizeitroute nach Neuenfelde, die wegen des Baus der A26 unterbrochen ist. Allerdings legt sich nun die Bahn quer. Das Bezirksamt Harburg, das mit der Bahn über die Nutzung des Wegs verhandelte, bezeichnet diese Verhandlungen tatsächlich als gescheitert.

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Verhandlung mit der Bahn aus Sicht des Bezirksamts gescheitert

So schreibt es das Bezirksamt jedenfalls in seiner Antwort auf eine Anfrage der CDU-Fraktion in der Harburger Bezirksversammlung. Fragt man bei der Bahn selbst, heißt es, die Gespräche seien noch nicht beendet. Allerdings gibt es Bedenken gegen den geplanten Verlauf. „Grundsätzlich unterliegen Änderungen an Eisenbahnbetriebsanlagen einem so genannten Fachplanungsvorbehalt des Eisenbahn-Bundesamtes“, sagt eine Hamburger Bahnsprecherin. „Da Sicherheit im Eisenbahnbetrieb immer an oberster Stelle steht, müssen klare Richtlinien eingehalten werden.“

Die derzeitige Nutzung des Wirtschaftswegs durch Radfahrer, Spaziergänger und landwirtschaftlichen Verkehr sei durch die Bahn bislang geduldet, schreibt das Bezirksamt. Würde hier offizieller ein intensiv genutzter Radschnellweg entstehen, befände sich dieser zu nah an den Gleisanlagen, um von der Bahn genehmigt werden zu können. Vor allem dem Verlauf der Oberleitungen käme der Radweg zu nah.

Schnellwegtrasse könnte einige Meter weiter nördlich verlaufen

Das Bezirksamt plant deshalb, die Schnellwegtrasse einige Meter nach Norden zu verlegen. Dafür wäre allerdings Grunderwerb bei Fischbeker Landwirten notwendig, was weitere Verhandlungen nach sich zieht. Außerdem käme man dann mit der Trasse in naturgeschützte Bereiche des Moorgürtels und muss auch hierfür Ausgleich finden. Wegen des Zeitfaktors will das Bezirksamt deshalb das Planverfahren für den Schnellweg vom Bebauungsplanverfahren Fischbeker Rethen abtrennen und das Wohngebiet nun separat und wahrscheinlich schneller planen. Bislang war im Bereich der Fischbeker Rethen der Schnellweg Teil des Gesamt-Bebauungsplans. Baubeginn für das Wohngebiet soll 2023 sein. Der Radschnellweg befindet sich gerade mal zwischen Machbarkeitsstudie und Feinplanung.

Die Bahn möchte die Trasse weiterhin als Wirtschaftsweg nutzen

Die Interessenlage ist überaus kompliziert: Während ein Radschnellweg grundsätzlich den Radfahrern vorbehalten bleibt, möchte die Bahn auf diesem Abschnitt ihren Wirtschaftsweg weiter nutzen dürfen. Auch die Landwirte sind auf ihn angewiesen und zu guter Letzt ist er auch die Auto-Zuwegung für die Kleingärten nördlich der Sandbek-Siedlung.

„Dass die Bahn sich querstellt, war abzusehen“, sagt Ralf-Dieter Fischer, Fraktionsvorsitzender der CDU in der Bezirksversammlung, „aber wenn dieser Schnellweg attraktiv sein soll, muss er durchgängig nördlich und nahe der Bahn verlaufen. Jede Schleife wäre unattraktiv und jede Querung der Bahnlinie ebenfalls. Zum einen, weil das nur per Unterführung oder gar Brücke geht und dann immer mit Steigungen verbunden ist, zum anderen, weil die Strecke dann durch Wohngebiete führt und man dort mehr Konflikte mit Autoverkehr und Fußgängern hat. Wer diesen Radschnellweg möchte, muss sich jetzt etwas einfallen lassen.“

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