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Kommunikationsdesaster bei Baustellen im Hamburger Süden

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Lars Hansen
Verkehr in Hamburg: Die Baustelle an der Winsener Straße wurde schlecht kommuniziert.

Verkehr in Hamburg: Die Baustelle an der Winsener Straße wurde schlecht kommuniziert.

Foto: Lars Hansen / xl

Koordinatoren des Bezirks Harburg wussten seit Januar vom Projekt Winsener Straße. Warum sie bis Baubeginn schwiegen.

Harburg.  Das Sommer-Baustellenchaos im Hamburger Süden ist nicht nur auf rechnerische Fehlplanungen zurückzuführen, es ist auch ein Kommunikationsdesaster. Und wie in jedem Kommunikationsprozess sind daran alle beteiligt, die daran teilnehmen.

Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) beispielsweise, der die Baustelle an der Winsener Straße trotz monatelanger Vorbereitung erst wenige Tage vor Baubeginn kommunizierte. Aber auch die Baustellenkoordinatoren aus dem Harburger Baudezernat versäumten es, öffentlich vor dem absehbaren Chaos zu warnen.

Koordinatoren des Bezirks wussten von Baustelle – ihre Chefs nicht

Dass die Bezirkskoordinatoren gegenüber dem LSBG und der Verkehrsbehörde frühzeitig Bedenken wegen der Häufung der Baustellen geäußert haben, geht aus der Antwort des Bezirksamts auf eine Anfrage der CDU hervor. Darin steht ebenso, dass die Bezirkskoordinatoren bei diesen Sitzungen zwar Rederecht hätten aber nicht mitentscheiden dürften und entsprechend übergangen wurden. Auch die Kommunikation von Baustellen liegt in den Händen der Bauträger, im Fall Winsener Straße dem LSBG.

„Die bezirklichen Baustellenkoordinatoren wussten seit dem 19. Januar von den Plänen zur Sanierung der Winsener Straße“, sagt Bezirks-Pressesprecherin Sandra Stolle, „sie haben zunächst beim LSBG darauf gedrängt, die Maßnahme zu überdenken und dann darauf, damit frühzeitig an die Öffentlichkeit zu gehen.“ Als sich abzeichnete, dass diese Bemühungen nicht fruchten, hätten die Baustellenkoordinatoren den Harburger Baudezernenten Christian Lied oder die Leiterin des Bezirksamts, Sophie Fredenhagen, in Kenntnis setzen oder auch die Bezirkspolitik informell informieren können. Das unterließen sie jedoch.

„Das ist fatal“, urteilt SPD-Verkehrsexperte Frank Wiesner, „denn, dass die Planungen des LSBG am grünen Tisch vor Ort im Hamburger Süden ins Chaos führen und nur öffentlicher Druck dagegen hilft, haben wir doch bereits in den letzten Sommern erfahren! Wenn die Koordinatoren merken, dass sie auf dem Amtsweg nicht weiterkommen, sollten sie sich politisch Hilfe organisieren!“

Politischer Druck führte am Ehestorfer Heuweg zu mehrfachen Planänderungen

Den politischen Druck kennt man beim LSBG. Am Ehestorfer Heuweg führte er zu diversen Planänderungen, Zeitverzögerungen und Kostensteigerungen. Das könnte der Grund sein, warum die Sanierung der Winsener Straße nicht so offensiv kommuniziert wurde. Das Abendblatt erfuhr eine Woche vor dem geplanten Baubeginn durch den Pressesprecher der Gemeinde Seevetal davon. Hamburger Pressestellen verwiesen auf den LSBG und dessen Pressesprecher schwiegen bis zum Tag vor dem geplanten Baubeginn. „Wir müssen nicht jede Oberflächensanierung öffentlich diskutieren“, begründete Sprecher Henning Grabow dies am Telefon.

Wichtige Umleitungsschilder wurden viel zu spät aufgestellt – die Folge: Stau

Letztlich begannen die Bauarbeiten doch mit einigen Tagen Verzögerung und somit Vorwarnzeit. Als die Maschinen rollten, war die Pressestelle des LSBG tagelang nicht erreichbar. Auch vor Ort erwies sich der LSBG als schlechter Kommunikator: Dass die Umlandpendler möglichst schon auf die Maldfeldstraße abbiegen sollten, teilte kein Umleitungsschild mit. Die Folge war Stillstand vom Frankenberg bis Marmstorf. Diese Strecke sollten eigentlich nur Busse und Anwohner nehmen. Die Busse kamen im Stau nicht voran und der Busverkehr in ganz Harburg geriet in der Folge dadurch erheblich aus dem Takt.

„Hier haben viele Leute Kommunikationsfehler gemacht“, sagt Michael Sander (Grüne), Vorsitzender des Mobilitätsausschusses der Bezirksversammlung, „vor allem aber hätte der LSBG die Ortskenntnis der Bezirkskoordinatoren ernstnehmen müssen!“

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