Corona-Pandemie

Müder Start beim Stadtteil-Impfen in Wilhelmsburg

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Lars Hansen
Pieks gegen das Virus: Für die Injektion des Corona-Impfstoffs reicht eine dünne Insulin-Nadel aus.

Pieks gegen das Virus: Für die Injektion des Corona-Impfstoffs reicht eine dünne Insulin-Nadel aus.

Foto: Lars Hansen / xl

Nur wenige wussten von dem unbürokratischen Corona-Impfaktion im Bürgerhaus. Zweite Chance bei weiteren Terminen

Wilhelmsburg/Harburg.  Andrang geht anders: Nur tröpfchenweise kommen die Corona-Impflinge an diesem Nachmittag zum Bürgerhaus im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Gähnende Leere herrscht zwar nicht, doch angesichts der noch immer großen Zahl ungeimpfter Hamburger hat wohl auch das Impfteam mit mehr Interesse an dem niederschwelligen Angebot im Quartier gerechnet.

Viele Ärzte und Helfer stehen im Foyer des Hauses und haben wenig zu tun. Morgens soll es voller gewesen sein. Offiziell bestätigen möchte das jedoch niemand.

"Man muss nur wissen, dass es die Aktion überhaupt gibt"

Die Aktion im Bürgerhaus ist Teil einer Reihe von Terminen in Hamburg, mit denen die Corona-Impfungen den Bürgern im wahrsten Sinne des Wortes nähergebracht werden sollen – räumlich, wie auch organisatorisch. Denn für die Immunisierung muss kein Termin vereinbart und kein langer Weg in Kauf genommen werden. Man muss nur wissen, dass es die Aktion überhaupt gibt und an welchem Tag die Teams vor Ort sind. „Ich habe von Freunden erfahren, dass man sich heute ohne Termin impfen lassen kann“, sagt Betonbauer Thorsten Becker, der für den Piks kurz frei genommen hat. „Sonst hätte ich davon überhaupt nichts gewusst. Aber für mich war das ideal: Kein Aufwand, kein Schlangestehen und den Termin für die Zweitimpfung habe ich auch schon.“

Wirklich offensiv kommuniziert wurde der Termin im Bürgerhaus weder von der Sozialbehörde noch von der Kassenärztlichen Vereinigung. Auch der Impftermin am kommenden, verkaufsoffenen Sonntag im Einkaufszentrum Harburg-Arcaden wurde bislang nur vom Harburger Citymanagement aktiv an die Öffentlichkeit getragen. „Wir planen zu der Kampagne noch einen zentralen Medientermin mit dem ersten Bürgermeister“, erklärt Anja Seegers, Pressereferentin in der Sozialbehörde.

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Im Hamburger Süden sind noch vier weitere solche Impfaktionen geplant: am Donnerstag, 5. August, im Jugendtreff „Mittendrin“ der Apostelgemeinde in Eißendorf, am Sonntag, 8. August, in den Harburg-Arcaden sowie am Dienstag, 10. August, im Kulturhaus Süderelbe sowie am Freitag, 13. August, im Freizeithaus Kirchdorf-Süd. Dort können alle, die den Termin im Bürgerhaus verpasst haben, ihre zweite Chance wahrnehmen. Geimpft wird zumeist von 9 bis 18 Uhr. Nur am Sonntag startet die Aktion erst um 13 Uhr. Geimpft wird wahlweise mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson, für es keinen Zweittermin braucht, oder von Biontech.

Harburger Apostelgemeinde stellt Räume zur Verfügung

„Als wir gefragt wurden, ob wir Räume zur Verfügung stellen, haben wir nicht lange überlegt und gleich zugesagt“, sagt Diakonin Rena Lewitz von der Apostelgemeinde. „Unser Jugendtreff bietet sich dafür an: Er ist barrierefrei und liegt zentral im Stadtteil, direkt an einer Bushaltestelle und gegenüber des Supermarkts. Wir haben schon große Plakate ins Fenster gehängt und hoffen, so viele zu motivieren.“ Vielleicht kämen ja auch noch spontan Kunden vom Supermarktparkplatz herüber.

Da das große Hamburger Impfzentrum in den Messehallen demnächst schließt, verlagert sich das Impfgeschehen nun vermehrt auf die Hausärzte, die kleinen Impfzentren in den Kliniken. Das Impfzentrum im Asklepios-Klinikum Harburg (AKH) bleibt weiterhin geöffnet, sagt Dr. Franz-Jürgen Schell als medizinischer Pressesprecher der Asklepios-Kliniken. „Diese Angebote werden eher noch ausgeweitet und eignen sich besonders für Patienten, die keinen Hausarzt haben.“

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Im AKH werden seit kurzem, wie berichtet, auch schon 12-Jährige geimpft. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion, Gudrun Schittek aus Cranz, begrüßt das. „Das bedeutet die große Chance, auch Kinder vor einer Corona-Infektion zu schützen“, sagt sie. „Und für alle Erwachsenen, die keinen Hausarzt haben, sind die Stadtteil-Aktionen und das Impfzentrum am AKH eine gute Gelegenheit, sich immunisieren zu lassen.

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