Überlastung programmiert

Winsener und Hittfelder Straße werden zur Großbaustelle

| Lesedauer: 6 Minuten
Lars Hansen

Überraschend saniert Hamburg fünf Wochen lang die Hauptverkehrsader zwischen Harburg und dem Landkreis. Das sorgt für Ärger.

Hamburg.  Das wird den Menschen im Harburger Osten vorkommen wie fünf Wochen lang Cyclassics: Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) erneuert ab morgen Teile der Winsener und Hittfelder Straße.

Die Arbeiten sind in mehrere Abschnitte unterteilt und jeder dieser Abschnitte bedeutet schwere Einschränkungen auf einer der wichtigsten Verkehrsadern Harburgs. Vor allem die wegen des Ausweichverkehrs von Elbtunnelstaus und Sperrung der Neuländer Straße ohnehin schon stark belastete Bremer Straße soll einen großen Teil des Umleitungsverkehrs abwickeln.

„Wir haben die Arbeiten deshalb extra auf die verkehrsarme Ferienzeit gelegt,“, sagt LSBG-Sprecher Henning Grabow. „Sie sind dringend notwendig, um den Substanzerhalt der Hauptverkehrsstraßen zu gewährleisten. Die betroffenen Straßen sind in einem schlechten Zustand. Gleichzeitig werden auch abschnittweise schadhafte Geh- und Radwege erneuert.“

Morgen beginnt der erste Bauabschnitt – er dauert eine Woche

Der erste Bauabschnitt beginnt am Donnerstag und dauert eine Woche. Er erstreckt sich von der Hittfelder Straße ab Landesgrenze Niedersachsen bis zur Winsener Straße, Hausnummer 229 inklusive der Einmündung Winsener Stieg. Pro Fahrtrichtung steht dann jeweils nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung. Das Abbiegen in die Maldfeldstraße ist aus Richtung Hittfeld nicht möglich.

Der Einmündungsbereich der Winsener Landstraße zur Hittfelder Straße ist gesperrt. Der Einmündungsbereich des Winsener Stieg ist am Wochenende 3. Und 4. Juli voll gesperrt. HVV-Busse der Linie 14 in Richtung Fleestedt fahren die Winsener Landstraße über die Hittfelder Landstraße an. Die Haltestelle Rüstweg wird in der Zeit nicht bedient, die Haltestellen Grenzkehre und Mühlenweg nur eingeschränkt angefahren.

Der zweite Abschnitt beginnt am 8. Juli und dauert fast zwei Wochen

Am 8. Juli beginnt der zweite Abschnitt und dauert bis zum 21. Juli. Gebaut wird zwischen Am Frankenberg und Jägerstraße (inklusive Einmündung Freudenthalweg, Trelder Weg). Dafür wird ab Jägerstraße eine Einbahnstraße stadtauswärts eingerichtet.

Der Verkehr stadteinwärts wird über Hittfelder Straße–Maldfeldstraße–Bremer Straße–Hohe Straße bis Wilstorfer Straße umgeleitet. Am Trelder Weg ist nur das Linksabbiegen erlaubt.

Der dritte Abschnitt bringt dann eine Vollsperrung mit sich

Im dritten Abschnitt, von Donnerstag, 22. Juli bis Sonntag 25 Juli, gibt es eine Vollsperrung zwischen Winsener Straße 113 (auf Höhe der Wäscherei) bis Jägerstraße (inklusive Einmündung Rönneburger Straße bis Hausnummer 3). Gebaut wird bis Winsener Straße 74, (Wilstorfer Hof).

Stadtauswärts ist die Umleitung (U3): Wilstorfer Straße bzw. Hannoversche Straße/B 75–Hohe Straße–Bremer Straße–Marmstorfer Weg–Langenbeker Weg–Am Frankenberg. Stadteinwärts wird über die (U2) umgeleitet: Hittfelder Straße–Maldfeldstraße–Bremer Straße–Hohe Straße zur Wilstorfer Straße.

Der längste Abschnitt ist Nummer vier, von der Jägerstraße bis zur Auffahrt Wilstorf der B 75, vom 26. Juli bis 8. August. Betroffen sind auch die Einmündungen von Jägerstraße, Tivoliweg, Paul-Gerhardt-Straße und Vinzenzweg. Zwischen 26. und 30 Juli wird der Verkehr in diesem Abschnitt auf je einem Fahrstreifen geführt. Aus dem Tivoliweg und dem Walter-Koch-Weg ist jeweils nur das Rechtsabbiegen möglich. Die Einmündungsbereiche von Paul-Gerhardt-Straße und Vinzenzweg werden voll gesperrt, die Einbahnstraßenregelung im Vinzenzweg dementsprechend aufgehoben.

Umleitung über Bremer Straße – Überlastung vorprogrammiert

Ab dem 30. Juli bis 2. August wird die Winsener Straße zwischen Hohe Straße und Jägerstraße zur Einbahnstraße stadtauswärts. Aus der Jägerstraße, dem Tivoliweg, Walter-Koch-Weg und der Nöldekestraße ist nur das Linksabbiegen möglich. Die Umleitung stadteinwärts erfolgt erneut über Hittfelder Straße–Maldfeldstraße–Bremer Straße–Hohe Straße und Wilstorfer Straße.

Ab dem 2. August wird der Verkehr wieder in beide Richtungen mit je einem Fahrstreifen geführt. In dieser Zeit sind die Einmündungsbereiche der Jägerstraße, des Tivoliweg, Walter-Koch-Weg, Reeseberg und Nöldekestraße ab der Winsener Straße voll gesperrt. Aus der Paul-Gerhardt-Straße und dem Vinzenzweg ist nur das Rechtsabbiegen möglich. Die Baustelle ist bis zum 8. August terminiert, allerdings hat der LSBG in Harburg nicht den Ruf größter Pünktlichkeit. Das Schuljahr beginnt bereits am 5. August wieder.

Der Busverkehr auf der Winsener Straße soll nach Aussagen von LSBG-Sprecher Henning Grabow während der Bauzeit – mit Ausnahme der Vollsperrung – aufrechterhalten werden: „Bushaltestellen werden an den Baustellenrand verlegt. Informationen bekommen Fahrgäste über Aushänge an den Haltestellen oder unter www.hvv.de“ sagt Grabow, „Fußgänger und Radfahrer kommen jederzeit sicher durch den Baustellenbereich, müssen aber während der Bauzeit mit weniger Platz und geänderter Wegführung rechnen.“

Die Bezirkspolitiker sind erstaunt, dass sie nicht rechtzeitig informiert wurden

Bei den Verkehrspolitikern der Bezirksversammlung lösen die Pläne Erstaunen aus: Sie waren darüber nicht informiert. Auch im Baustellenatlas der Freien und Hansestadt Hamburg ist die Großbaustelle bislang nicht eingetragen. Lediglich die dreitägige Vollsperrung der dritten Bauphase findet sich in einer Baustellenkarte – allerdings der des Landkreises Harburg.

„Bei diesen schweren Auswirkungen hätte ich eigentlich erwartet, dass der Mobilitätsausschuss durch die Baustellenkoordination informiert wird“, ärgert sich Frank Wiesner, Verkehrsexperte der SPD-Bezirksfraktion. „Hinzu kommt ja auch noch die Vollsperrung des Sinstorfer Kirchwegs, die am 27. Juli beginnt, und die weitere Ausweichverkehre auf genau die Umleitungsstrecke über die Maldfeldstraße bringt. Da können sich die Menschen in Wilstorf, Rönneburg, Langenbek und Sinstorf ja freuen: Der Lockdown ist vorbei und sie können trotzdem nirgendwo hinfahren!“

Das Bezirksamt wusste offenbar von der Baustelle

Beim Bezirksamt war die Baustelle bereits bekannt. Dass der Ausschuss nicht unterrichtet wurde, könnte daran gelegen haben, dass der zuständige Abteilungsleiter im Bezirksamt zum Zeitpunkt der letzten Ausschusssitzung erkrankt war.

Der LSBG hält sich auf alle Fälle für nicht zuständig: „Es handelt sich ja nur um eine einfache Sanierung der Fahrbahndecke“, sagt Henning Grabow, „die stellen wir üblicherweise nicht in den Gremien vor.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Harburg