Kolonialgeschichte

Rot-Grün in Harburg will Mahnmal im Binnenhafen

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Werner Krömekes sogenannte "Zeitfenster" erinnern an den Umschlag von Kautschuk und anderen "Kolonialwaren" im Harburger Binnenhafen.

Werner Krömekes sogenannte "Zeitfenster" erinnern an den Umschlag von Kautschuk und anderen "Kolonialwaren" im Harburger Binnenhafen.

Foto: xl

Die Bezirksfraktionen wollen erreichen, dass an die Ausbeutung durch den Kolonialismus an prominenter Stelle erinnert wird.

Harburg.  Gummi, Seife und Speisefette ließen Harburg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufblühen und boomen. Die damalige Entwicklung zur Industriestadt, verbunden mit einer Verzehnfachung der Bevölkerung prägte seinerzeit das heutige Harburg vor.

Die Rohstoffe dafür, Kautschuk und Ölpalmenkerne, kamen aus Kolonien. Über eine gewisse Zeit und teilweise aus deutschen Kolonien, überwiegend aus dem Handel mit anderen Kolonialmächten, aber immer aus dem System der Kolonialwirtschaft und das war aus heutiger Sicht unfair, ausbeuterisch und menschenverachtend. Die Fraktionen von SPD und Grünen wollen deshalb ein Mahnmal im Binnenhafen installieren lassen, das an die grausamen Aspekte des Kolonialismus erinnert.

Aufarbeitung kolonialer Geschichte ist zentrale Aufgabe

„Der koloniale Handel war rassistisch begründeter, unfairer Ausbeutungs-Handel“, sagt Natalia Sahling, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. „Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert basierte dieser zwar nicht mehr auf Sklaverei, aber weiterhin auf Zwangsarbeit und Unterdrückung. Allein im sogenannten Freistaat Kongo kamen zwischen 1888 und 1908 schätzungsweise 10-15 Millionen Menschen direkt oder indirekt durch die Folgen des Kautschukhandels zu Tode.“

Die Vorstellung, dass in Harburg auch Kautschuk aus dem Kongo -damals Privateigentum des belgischen Königshauses - verarbeitet wurde, sei kaum erträglich, sagt Natalia Sahling. „Sie muss indes ertragen werden, denn die Aufarbeitung der kolonialen Geschichte und ihrer Folgen gehören zu den zentralen erinnerungspolitischen Aufgaben unserer Tage.“

Politik macht auf moralische Problematik aufmerksam

Bereits vor einem Jahr hatte die Linken-Bezirksfraktion in Harburg auf die moralische Problematik aufmerksam gemacht, die der Kolonialgeschichte innewohnt. Damals ging es um Straßen, die nach Harburger Gründerzeit-Industriellen benannt wurden. Mit dem Mahnmal-Gedanken greift die Rot-Grüne Mehrheitskoalition das Thema auf.

Im Harburger Binnenhafen erinnern große Wand-Installationen des Künstlers Werner Krömeke an den Palmkern- und Kautschuk-Umschlag, der hier stattfand. Der Binnenhafen schwebt auch den Grünen und Sozialdemokraten als Mahnmal-Standort vor: „Hier fokussiert sich das Geschehen wie durch ein Brennglas an einem Punkt. Dieser Ort bietet sich als Gedenkstätte geradezu an!“

( xl )

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