Große Pläne

Mercedes: Werkserweiterung sorgt weiter für Zündstoff

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Lars Hansen
Das Verwaltungsgebäude des Harburger Daimler-Werks. Links davon sollte auf einer Brachfläche ein Lager- und Logistikzentrum entstehen.

Das Verwaltungsgebäude des Harburger Daimler-Werks. Links davon sollte auf einer Brachfläche ein Lager- und Logistikzentrum entstehen.

Foto: Lars Hansen / xl

Planverfahren einstellen oder ruhen lassen? Wirtschaftsbehörde und Bezirksversammlung streiten um das Bauprojekt.

Harburg.  Soll die Stadt den Bebauungsplan für die abgesagte Werkserweiterung der Mercedes Benz AG (MBAG) in Bostelbek komplett aufgeben oder nur ruhen lassen? Darüber herrscht zwischen Harburger Bezirksversammlung und der Hamburger Wirtschaftsbehörde Uneinigkeit.

Die Bezirksversammlung hatte auf Antrag von SPD und Grünen beschlossen, auf den Bebauungsplan „Heimfeld 54“, der auf die geplante Werkserweiterung maßgeschneidert war, zu verzichten. Die Wirtschaftsbehörde (BWI) möchte den Plan lediglich ruhen lassen, um ihn, falls die MBAG demnächst doch wieder ihr Werk erweitern möchte, sofort wieder reaktivieren zu können.

Eventuelle zukünftige Erweiterungspläne ermöglichen

Auch der Beschluss der Bezirksversammlung wurde in der Absicht gefasst, eventuelle zukünftige Erweiterungspläne zu ermöglichen. „Der Bebauungsplan in seiner jetzigen Form wird allerdings in absehbarer Zeit angreifbar sein, da die Gutachten, die ihm zugrunde liegen, immer weiter veralten“, sagt Frank Richter, Vorsitzender der SPD-Fraktion und des Harburger Stadtentwicklungsausschusses. „Wenn demnächst doch eine Erweiterung geplant wird, ist es wahrscheinlich klüger, dann einen neuen Bebauungsplan aufzustellen.“

Aus Sicht der BWI sei es nicht ausgeschlossen, dass die Erweiterungspläne bald wieder aufgenommen werden könnten, heißt es in der Stellungnahme aus Hamburg. „Ein Ruhen des Verfahrens wäre ein positives Signal an die MBAG, dass die Stadt gegenüber einer möglichen Erweiterung zur Sicherung des Standorts und seiner vielen Arbeitsplätze weiterhin und jederzeit offen gegenübersteht.“

Projekt liegt wegen Umstrukturierung des Konzern auf Eis

Geplant war, auf einer Brachfläche zwischen dem bestehenden Werksgelände und der Autobahn Lagergebäude zu errichten, um Störungen in den komplexen Binnenlogistik-Ketten des Konzerns abfedern zu können. Gestoppt wurde das Projekt, weil sich der Konzern weltweit neu strukturieren will. Was das für das Harburger Werk bedeutet, ist unklar. Derzeit werden hier Komponenten produziert, die von der sich abzeichnenden Krise des Verbrennungsmotors nicht betroffen sind. Dazu gehören Fahrwerks- und Lenkungsteile. Andere Komponenten sind sogar schon auf moderne Zukunftstechnologien wie E-Mobilität ausgerichtet.

„Damit steht das Harburger Werk eigentlich gut da, aber es ist denkbar, dass die vom Wandel betroffenen Werke in Süddeutschland Druck auf den Konzern machen, Teile der Harburger Produktion dorthin zu ziehen. Deshalb wiederhole ich: Wir wollen, dass das Werk bleibt und wächst, und werden das demnächst auch noch in einem Statement der Koalitionsfraktionen bekräftigen“, sagt Richter. Das will auch die Wirtschaftsbehörde und ist deshalb in Gesprächen mit Mercedes-Benz. „Bis zur Klärung der Erweiterungsperspektive für das Werk kann das Bebauungsplanverfahren Heimfeld 54 ruhend gestellt werden. Hierfür sind keine formalen Verfahrensschritte notwendig. Bei der Wiederaufnahme des Verfahrens kann das Bezirksamt sodann an den bisherigen Verfahrensverlauf anknüpfen“, heißt es in der Stellungnahme.

Unterdessen hat die AfD einen Antrag an die Bezirksversammlung formuliert, indem sie fordert, dem Wunsch der Wirtschaftsbehörde nachzukommen und den Bebauungsplan ruhen zu lassen. Vor einigen Wochen hatte die AfD noch gefordert, bedingungslos am Bebauungsplan festzuhalten. „Diesen Antrag werden wir ablehnen“, sagt Frank Richter, „denn er ist ein offensichtlicher Winkelzug der AfD.“

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