Sanierung

Spar-Start für das Museum Elbinsel Wilhelmsburg

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Lars Hansen
Sie wollen loslegen: Gerd Nitzsche (von links), Frank Kibat und Peter Beenk vom Wilhelmsburger Museumsverein planen die Sanierung.

Sie wollen loslegen: Gerd Nitzsche (von links), Frank Kibat und Peter Beenk vom Wilhelmsburger Museumsverein planen die Sanierung.

Foto: Lars Hansen / xl

Sanierung des Wilhelmsburger Amtshauses kann beginnen – allerdings mit weniger Geld, als geplant.

Wilhelmsburg.  Das Museum Elbinsel Wilhelmsburg (MEW) soll dauerhaft erhalten bleiben. Das hat der Senat am Dienstag beschlossen. Wenn die Bürgerschaft zustimmt, sollen ab Jahresende 2021 umfangreiche Sanierungs- und Renovierungsarbeiten an dem Gebäude durchgeführt werden.

Eigentlich müssten im Museum jetzt die Sektkorken knallen, doch dafür sehen die Planer keine Veranlassung. Zwar freut sich der Vorstand des Museumsvereins, endlich loslegen zu können, aber in einer idealen Welt wäre man jetzt schon im Endspurt – und hätte deutlich mehr Geld in die Hand nehmen können.

Zum 60.Jahrestag sollte Museum wiedereröffnen – eigentlich

Es war alles so schön geplant: 2022, zum 60. Jahrestag der großen Sturmflut, sollte das Museum der Elbinsel Wilhelmsburg nach Umbau und Sanierung mit einem neuen Konzept wiedereröffnen. Das Sturmflutdatum wäre wichtig gewesen, denn anstelle eines bunten Haufens alter landwirtschaftlicher Geräte, einiger antiker Bauernmöbel und alten Ölbildern sollte der Ausstellungsschwerpunkt jetzt auf den dramatischen Ereignissen vom Februar 1962 liegen, weil die Flut gerade in Wilhelmsburg viele Opfer gefordert, großen Schaden angerichtet und in der Stadtteilentwicklung bis heute spürbare Folgen hinterlassen hat.

Dass das Datum, das dem Trägerverein 2019 noch vorschwebte, nicht zu halten ist, wurde den ehrenamtlichen Museumsmachern schon im vergangenen Jahr klar, als sie immer noch keinen Partner für den professionellen Betrieb des Museums gefunden hatten. Dies war jedoch Bedingung für Fördergelder. Der Partner ist jetzt gefunden. In der Zwischenzeit wurden jedoch das Geld für die Sanierung gekürzt.

„Von der ursprünglich geplanten Beantragung von Bundesfördermitteln zur Sanierung in Höhe von 1,8 Millionen Euro muss abgesehen werden“, heißt es in der Pressemitteilung der Finanzbehörde, denn: „Für die vom Bund in Aussicht gestellte Förderung wäre unter anderem die Tragfähigkeit eines ganzjährig betriebenen, hauptamtlichen Ausstellungs- und Museumsbetriebs über mindestens ein Vierteljahrhundert darzustellen gewesen – mit nicht nur regionaler, sondern als zusätzlicher Hürde sogar nationaler Bedeutung.“

Sturmflutschwerpunkt soll überregionale Strahlkraft haben

„Die Kulturbehörde hat uns deutlich gemacht, dass sie diese Bedeutung für unser Museum nicht sieht“, sagt Gerd Nitzsche, Vorsitzender des Museumsvereins. „In den Augen der Behörde sind wir ein regionales Nachbarschaftsmuseum. Das sehen wir natürlich anders und sind auch immer noch ein bisschen beleidigt. Zumal wir mit dem Sturmflutschwerpunkt tatsächlich überregional ausstrahlen werden. Damals wurde zum Beispiel erstmalig heftig über die Frage diskutiert, ob sich eine Regierung in einer Notlage über die Verfassung hinwegsetzen darf, wie es seinerzeit zum Glück geschah, als die Bundeswehr zum Rettungseinsatz gerufen wurde.“

Dem Museum werden nicht nur die 1,8 Millionen Euro aus Berlin fehlen. sondern noch einmal fast genauso viel aus Hamburg, weil Bundesförderungen im Kulturbereich immer regional kofinanziert werden müssen. Von über neun Millionen Euro mit denen der Museumsverein ursprünglich geplant hatte, bleiben noch knapp sechs Millionen übrig -- auch kein Pappenstiel, aber eben nur zwei Drittel.

Der Verein muss jetzt umplanen: Der Ausbau des Dachgeschosses zu einer zusätzlichen Ausstellungsfläche findet vorerst nicht statt; die Erhöhung des Nebengebäudes, um neben den Verwaltungsbüros auch Fundus und Archiv so unterbringen zu können, dass sie bequem zugänglich sind, liegt ebenfalls auf Eis.

Gläserner Innen-Aufzug ist nicht mehr finanzierbar

Vor allem aber ist der gläserne Innen-Aufzug nicht mehr finanzierbar. Die Flut-Ausstellung ist allerdings in den oberen Räumen geplant. Zeitzeugen der Sturmflut sind mittlerweile hochbetagt und für nicht wenige sind Treppen ein schweres Hindernis. „Um die Barrierefreiheit zu verbessern, werden wir uns mit Nachdruck für eine Lösung innerhalb des Hauses einsetzen, die es auch älteren und behinderten Menschen ermöglicht, die Ausstellungsräume im oberen Stockwerk zu erreichen. Hier setzen wir auf die Unterstützung aller Beteiligten“, sagt Nitzsche.

Immerhin hat der Museumsverein mittlerweile einen Partner für den Museumsbetrieb gefunden: Das Bezirksamt Mitte übernimmt die Trägerschaft und stellt Personal. „Die weitere Entwicklung des Museums Elbinsel Wilhelmsburg liegt mir persönlich ganz besonders am Herzen“, sagt Bezirksamtsleiter Falko Droßmann: „Das Bezirksamt wird zusammen mit dem Museumsverein für die Zeit nach der Sanierung ein neues Betreibermodell entwickeln.“

Klar ist, dass das Bezirksamt dann künftig nicht nur beim Betrieb, sondern auch bei der inhaltlichen Gestaltung des Museums mitreden will. Hier könnten Reibungspunkte entstehen. „Wir möchten natürlich gern weiter selbst gestalten“, sagt Vereins-Pressesprecher Frank Kibat, „das muss eine partnerschaftliche Zusammenarbeit werden, eventuell unterstützt durch externe Experten.“

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