Neue Freizeitbeschäftigung

Die Reise nach Las Vegas ist zum Greifen nah

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Markus Steinbrück
Jens Kabuse aus Hausbruch mit einem Teil seiner Ausbeute von den Stadtmeisterschaften 2021 im Online-Poker: Urkunden, Pokale und Reisegutscheine.

Jens Kabuse aus Hausbruch mit einem Teil seiner Ausbeute von den Stadtmeisterschaften 2021 im Online-Poker: Urkunden, Pokale und Reisegutscheine.

Foto: Privat

35 Jahre lang engagierte sich Jens Kabuse ehrenamtlich im Handball- und Schützenverein. Jetzt ist er ein erfolgreicher Online-Poker-Spieler.

Hausbruch.  Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden. Für Geschichten wie die folgende ist der Spruch wohl erfunden worden. 35 Jahre lang drehte sich in der Freizeit von Jens Kabuse fast alles um den Handball und das Schützenwesen. Beim TV Fischbek war er die meiste Zeit Handball-Abteilungsleiter, bevor er sich auf die Aufgabe als Teammanager der ersten Herrenmannschaft in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein konzentrierte. Zeitgleich gehörte der Mann aus Hausbruch dem Vorstand des Heimfelder Schützenvereins an und ist aktuell zum dritten Mal deren Schützenkönig. Dann kamen im Frühjahr vergangenen Jahres Corona und die Entscheidung der Fischbeker Handballer, die nächsten Entwicklungsschritte ohne Kabuse gehen zu wollen.

Der 61-Jährige ist vierfacher Vater und vierfacher Großvater

Ein durchaus schmerzhafter Abschied von seinem Lebenswerk. „Ich genieße aber die freie Zeit, die ich habe“, sagt Jens Kabuse heute. Der vierfache Vater und vierfache Großvater weiß sie zu nutzen, nicht nur für die Familie. Er hat ein Hobby für sich wiederentdeckt und feiert Erfolge, mit denen er selbst vor einigen Monaten nicht gerechnet hätte. Jens Kabuse hat sich deutschlandweit einen guten Namen im Online-Poker gemacht. Ob seiner konstant guten Ergebnisse kontaktieren ihn andere Spieler, bitten ihn um Tipps und fragen nach seiner Erfolgstaktik. Aber die bleibt natürlich ein Geheimnis.

„Ich hab schon immer gern Karten gespielt“, erzählt der 61-Jährige, „und gehöre zur ewigen Pokerrunde von 1983.“ Seit fast 40 Jahren trifft sich Kabuse mit drei ehemaligen Mitschülern aus der Abiturzeit regelmäßig zum Pokerspielen, meistens ein- bis zweimal pro Quartal. Im Laufe der Jahre kamen sein bester Freund Klaus Bergmann und ein weiterer Mitspieler dazu, der die Pokerjungs aus dem Norden bei einem Urlaub in Spanien kennengelernt hatte. Natürlich als diese in einer ruhigen Ecke zockten. Gelegentlich trifft sich die Runde zur Oktoberfestzeit in München, gelegentlich mieten sie sich tagelang zum Pokern im Center Parcs Bispingen ein. „Wir spielen um des Spielens Willen“, sagte Jens Kabuse. In Zeiten der Corona-Pandemie konnte sich die ewige Pokerrunde nicht treffen.

Von Sonntag bis Donnerstag gibt’s jeden Abend ein Turnier

„Ich hatte Langeweile, hab bei Facebook Werbung gesehen, und wollte es mal ausprobieren“, beschreibt der Angestellte von Dataport, dem IT-Dienstleister für den Öffentlichen Dienst, seinen Einstieg ins Online-Pokern. Anfang Dezember 2020 spielte Kabuse das erste Turnier, bekam alsbald einen 50-Euro-Gutschein zur Verfügung gestellt und vergrößerte sein Guthaben dank anfänglicher Erfolge auf 100 Euro. „Eigenes Geld würde ich nicht einsetzen. Karten zu spielen, ist und bleibt ein Glücksspiel.“ Neben Glück spiele auch die Taktik und die persönliche Einstellung eine Rolle, hat er erfahren. „Wenn ich locker und ohne Erwartungen an ein Turnier herangehe, läuft es besser, als wenn ich mir vornehme, an den Final Table zu kommen“, sagt Jens Kabuse. So schied er trotz hoher Ziele bei der Hamburger Meisterschaft im Februar früh aus.

Die Organisation „German Poker Days“ veranstaltet seit Anfang Januar und noch bis Anfang Mai jeweils sonntags bis donnerstags täglich eine Stadtmeisterschaft. Teilnehmer aus ganz Deutschland können online teilnehmen, meistens sind 40 bis 50 Spieler dabei, das Startgeld beträgt moderate acht Euro. Turnierstart ist jeweils um 20.15 Uhr nach der Tagesschau, Schluss mal eine halbe Stunde vor, mal eine halbe Stunde nach Mitternacht. Jens Kabuse sitzt ein- bis zweimal wöchentlich vor dem heimischen Laptop und spielt online mit. Mit beachtlichem Erfolg: er ist Stadtmeister von Ludwigshafen und Hagen geworden und hat sich dadurch für die Landesmeisterschaften von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen qualifiziert. Dazu kommen zwei dritte Plätze, zwei vierte Plätze und ein fünfter Rang.

Reisegutscheine im Gesamtwert von 1300 Euro gewonnen

Als Belohnung wird nicht etwa Preisgeld an die erfolgreichsten Spieler ausgeschüttet, die Besten werden mit Reisegutscheinen im Wert von jeweils 250 US-Dollar belohnt. Jens Kabuse hat sechs solcher Gutscheine gewonnen, in der Summe etwa 1300 Euro. Die Gutscheine können kombiniert und für Pokerreisen nach Tschechien, Österreich, Kroatien oder Spanien eingesetzt werden. Kabuses Traumziel ist ein anderes: „Mir fehlt noch ein Gutschein für eine einwöchige Reise nach Las Vegas.“ Im Rahmen einer USA-Rundreise 2019 mit seinem Sohn Marius machten die beiden einen Abstecher nach Las Vegas und schrieben sich für ein Pokerturnier im Aria Resort Casino ein. Vater Jens erreichte den Finaltisch und besserte die Urlaubskasse um mehr als 1000 US-Dollar auf.

„Fürs Online-Pokern ist eine vernünftige App wichtig. Keine, die einen Spieler mit aussichtslosem Blatt unvermittelt noch zum Sieger macht“, sagte Jens Kabuse. Mit der App von Bwin, die German Poker Days einsetzt, ist er zufrieden. „Beim Online-Poker ist es aus meiner Sicht wichtig, eine konstante Taktik runterzuspielen. Hinter jeder App steckt ein Algorithmus und der ändert sich während des Spiels ja nicht. Anders ist es live am Tisch. Da können Taktikänderungen angebracht sein, um die Mitspieler zu überraschen.“

Beim Online-Poker sind Taktikänderungen nicht erforderlich

Darüber hinaus geht die beim Pokern so wichtige Komponente Psychologie im Internet weitgehend verloren. „Ich kann die Mimik der anderen Spieler nicht sehen und daher nur schwer beurteilen, ob sie eher das defensive oder offensive Spiel bevorzugen. Nur bei regelmäßigen Mitspielern kann ich das irgendwann einschätzen.“ Auch sei es ein komplett anderes Gefühl, den Einsatz per Klick in die Tischmitte zu schieben oder die Jetons tatsächlich durch die Finger gleiten zu sehen.

„Es ist und bleibt eine schöne Freizeitbeschäftigung. Ich bin selbst überrascht, wie viel Erfolg ich bisher hatte“, sagte Jens Kabuse. Bleibt zu hoffen, dass der Mann aus Hausbruch weiterhin ein glückliches Händchen hat. Oder wie singt Udo Lindenberg so schön: „Manchmal muss man das Glück auch zwingen.“

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