Fehlinformation?

Corona-Schnelltests nun doch im Bezirk Harburg möglich

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Lars Hansen
Auch in Harburg soll verstärkt getestet werden, unter anderem mit mobilen Zentren in Bussen (Symbolbild).

Auch in Harburg soll verstärkt getestet werden, unter anderem mit mobilen Zentren in Bussen (Symbolbild).

Foto: Martin Schutt / dpa

Zwei Apotheken testen auf Corona, stehen aber nicht auf der ursprünglichen Liste der Sozialbehörde – Politiker sind verärgert.

Harburg. Auch im Bezirk Harburg ist es möglich, sich kostenlos auf das Coronavirus testen zu lassen. Zumindest die Hansa-Apotheke in Heimfeld und die Feld-Apotheke in Langenbek bieten diese Dienstleistung bereits seit Montagmorgen an. Vier weitere Apotheken und diverse Arztpraxen ziehen nach. Mobile Testzentren in Bussen sollen „zeitnah“ in Harburg und Neugraben zur Verfügung stehen und ab morgen wird in der Technischen Universität ein Testzentrum eröffnet.

Harburger Politiker über Test-Situation verärgert

Unter Harburgs Politikern wächst derweil der Ärger darüber, dass der Hamburger Süden auf der ersten Liste der Sozialbehörde mit Test-Adressen keine Berücksichtigung gefunden hatte. Im Sozialausschuss der Bezirksversammlung am Montag musste Gesundheitsamtsleiterin Mechthild Waldeyer-Sauerland dazu etliche Fragen beantworten und Kommentare anhören.

Viele Bezirkspolitiker sehen Harburg und Wilhelmsburg strukturell benachteiligt. Der Linken-Fraktionsvorsitzende Jörn Lohmann sieht den Grund dafür in der Sozialstruktur. „An der Liste zeigt sich, dass die zahlungskräftigere Klientel in betuchteren Stadtteilen hier schon wieder Vorteile hat, wie in vielen Bereichen der medizinischen Versorgung.“

Testzentren privatwirtschaftlich betrieben

Die Gesundheitsbehörde hatte bereits am Wochenende eine Liste mit Adressen veröffentlicht, bei denen man sich kostenlos auf das Coronavirus testen lassen kann. Tatsächlich wird keines der dort angegebenen Testzentren von der Freien und Hansestadt Hamburg betrieben, geschweige denn von einem ihrer sieben Bezirke.

Viele sind privatwirtschaftliche Einrichtungen, bei denen sich Kunden vor Reisen oder Verwandtenbesuchen testen lassen konnten. „Die haben natürlich dort eröffnet, wo sie sich zahlende Kunden erhoffen“, sagt Lohmann, „und Harburg haben sie wohl nicht als lukrativen Markt angesehen. Da wiederholt sich das, was wir von der Fachärzte-Versorgung bereits kennen.“

Kostenlose Corona-Tests seit Montag möglich

Tatsächlich wird allerdings auch in Harburg seit Montagmorgen kostenlos auf das Coronavirus getestet: Die Hansa-Apotheke in Heimfeld und die Feld-Apotheke in Langenbek führen Schnelltests durch. Sie haben Routine darin, denn sie gehören zu dem drei Apotheken im Bezirk, die bereits zuvor die regelmäßigen Tests für Angehörige der Gesundheitsberufe anboten.

Die dritte, die Mühlen-Apotheke in Neugraben, steht auch bereits in den Startblöcken, möchte aber noch nicht loslaufen: Erst sollen die Abrechnungsmodalitäten geklärt sein. In der Heimfelder Hansa-Apotheke ist man erstaunt, nicht in der Liste aufzutauchen: „Die Frist der Behörde zur Rückmeldung war kurz, nämlich Freitag, 14 Uhr, aber wir haben sie eingehalten“, sagt Apothekerin Sonja Schmiedeberg.

Kritik aus dem Harburger Gesundheitsamt

Amtsärztin Mechthild Waldeyer-Sauerland entschuldigt die unvollständige Liste der Sozialbehörde, hat aber auch Kritik: „Die Liste musste sehr schnell erstellt werden und es steht ausdrücklich darüber, dass sie noch erweitert wird, aber wenn man einen ganzen Bezirk auslässt, sollte man explizit darauf hinweisen, dass auch dort demnächst Tests möglich sind. Diese Kommunikation war nicht sehr sensibel!“

Wann eine aktualisierte Liste erscheint, konnte die Sozialbehörde gestern Mittag noch nicht angeben: „Wir arbeiten daran“, sagte Pressesprecherin Anja Segert, „sie wird im Laufe der Woche online gestellt.“ Gestern am späten Nachmittag kam dann eine erweiterte Liste, die aber immer noch nicht endgültig ist.

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„Es war ja offensichtlich, dass die Testmöglichkeiten, die auf der ersten Liste verzeichnet waren, nicht ausreichen“, sagt die Gesundheitsexpertin der CDU-Bezirksfraktion Britt-Meike Fischer-Pinz, „aber dass Harburg als einziger Bezirk völlig fehlte, hat schon wieder die Meinung vieler bestätigt, dass wir von Hamburg vernachlässigt werden. Das wäre nicht nötig gewesen.

Vollständige Liste Ende der Woche online?

Und jetzt müssen die Menschen erst einmal informiert werden, dass es doch vor Ort geht!“ „Ich finde es erstaunlich, dass die Sozialsenatorin Melanie Leonhard, die selbst im Bezirk Harburg lebt, sich nicht ausreichend um ihr Umfeld kümmert“, sagt Barnabas Crocker, FDP-Vertreter im Sozialausschuss. „Im Hamburger Süden leben 244.000 Menschen!“

Testmöglichkeiten in Apotheken: Feld-Apotheke, Langenbek; Fischbeker Apotheke; Hansa-Apotheke, Heimfeld; Mühlen-Apotheke, Neugrabener Markt; Schäfer-Apotheke, Harburg; Neuwiedenthaler Apotheke. Testtermine in Harburger Arztpraxen unter Tel. 116 117 oder online unter eterminservice.de/terminservice. Termine im Testzentrum TUHH unter schnelltest-hamburg.de.

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